Wird Erdöl die 100 Dollar-Marke halten können?
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 07. Januar 2008 08:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
die Zeichen stehen auf Sturm! Lange Zeit haben die Erdölbullen auf den Tag gewartet an dem der Preis für das Schwarze Gold die magische 100 Dollar-Marke durchbrechen würde.
Gestern ist dies – wie Sie ja wissen – geschehen. Die NYMEX verzeichnete im Verlauf des gestrigen Handelstages ein Geschäft bei welchem das Barrel Light Sweet Crude (159 Liter) im Februar-Future für 100 USD über die Theke ging.
Seitdem stellen sich nicht nur Ölhändler und Rohstoffbegeisterte rund um dem Globus die Frage, wie es nun weitergehen wird. Werden die Erdölpreise ihren Trend weiter fortsetzen und die 100 USD-Marke zum zweiten Mal überschreiten.
Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage: Der Februar-Future rutschte nach Erreichen dieser bedeutsamen Preismarke zunächst einmal wieder auf 99,25 US-Dollar pro Barrel ab.
Und die Analysten sind sich wie so oft uneinig. Einige prognostizieren euphorisch die Preise bereits auf über 200 USD innerhalb des kommenden Jahres. Andere betrachten die ganze Öleuphorie eher skeptisch und appellieren an den gesunden Menschenverstand der Marktteilnehmer. Und sie alle haben ihre Gründe.
US-Lagerbestandsdaten
Und schon wieder ist die 100 Dollar-Marke heute durchbrochen worden. Nach der Veröffentlichung der US-Lagerbestandsdaten, welche einen weiteren Rückgang der US-Rohöllagerbestände beinhalten, gab es kein Halten mehr für die Marktteilnehmer. In der vergangenen Woche sind die Rohölbestände um 4,06 Millionen Barrel zurückgegangen. Prognostiziert wurde ein Rückgang um lediglich 2,25 Millionen Barrel.
Gegenwärtig notiert der Februar-Future an der NYMEX bei 99,86 US-Dollar pro Barrel. Der Aufwärtstrend hat eine neue Begründung gefunden.
Der spekulative Faktor
Doch stellt sich nach wie vor die Frage ob dieser Trend auch mittelfristig hält was er verspricht. . Wer Öl über der 100 Dollar Marke sehen will und lediglich die preisunterstützenden Faktoren berücksichtigt, wird den Preis zwar schließlich auch über der bedeutsamen Marke sehen.
Doch nichts desto trotz kommt man nicht umhin den spekulativen Faktor zu berücksichtigen. Denn der ist gegenwärtig massiv im Markt. Die Erdölpreise müssten aufgrund der fundamentalen Bewertung noch nicht zwangsläufig auf diesem massiv hohen Preisniveau notieren. Die Frage ist also nicht ob, sondern wann mittelfristig die Preiskorrektur kommen wird. Langfristig gehe ich zwar ebenfalls von steigenden Ölpreisen aus, doch ein sehr stark hoch spekulierter Preis erfordert irgendwann eine Korrektur um anschließend in einen gesünderen Aufwärtstrend übergehen zu können.
Der geopolitische Faktor
Politische Brandherde rund um den Globus haben nicht erst seit gestern ihren Weg in den Markt gefunden. Doch gestern wurde wieder einmal ganz besonders deutlich welchen Einfluss bestimmte Ereignisse auf das Verhalten der Marktteilnehmer haben können. Gegenwärtig sind es die Ereignisse in Pakistan, Algerien und Nigeria. Die Unruhen in Pakistan, nach der Ermordung der Oppositionsführerin Bhutto, der Selbstmordanschlag in Algerien und ein weiterer militanter Angriff in Nigeria, kamen den Spekulanten zur Unterstützung ihrer Strategie gerade richtig.
Das alles neben der US-Dollar-Schwäche und der Spekulation auf weitere kommende FED-Zinssenkungen, die möglicherweise das Wirtschaftswachstum wieder ankurbeln könnten und zusätzlich in einem Investitionsumfeld das Rohstoffe grundsätzlich wieder als Absicherungsstrategie gegenüber einem steigenden Inflationsrisiko erkennt.