Wird Athen seine Ansprüche aus der Zwangsanleihe geltend machen?
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 27. Juni 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
In der Diskussion darüber, wie sehr Griechenland über seine Verhältnisse gelebt hat und warum gerade Deutschland jetzt stärkeres Engagement zeigen sollte, um den Griechen zu helfen, taucht vor allem bei der älteren Generation der griechischen Bevölkerung immer wieder ein Argument auf: die Rückzahlung der Deutschen Zwangsanleihe. In Deutschland wird dieser Aspekt dagegen völlig ausgeblendet.
Wie war das doch mit der Zwangsanleihe und was ist während der Besatzungszeit von 1941 bis 1945 passiert, dass das Thema immer noch vor sich hin köchelt und offensichtlich noch nicht richtig aufgearbeitet wurde?
Die griechische Zentralbank (National Bank of Greece) wurde 1927 gegründet und ihre währungspolitische Rolle wurde 2001 auf die Europäische Zentralbank (EZB) übertragen.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Goldreserven der Bank von Griechenland (18,86 Tonnen) zunächst über Kreta und Alexandria nach Südafrika, dann nach London verbracht (Quelle: Webseite der Bank von Griechenland). 1942 wurde die griechische Zentralbank vom Deutschen Reich gezwungen, ihre Devisenreserven in Form einer Zwangsanleihe abzugeben, deren Höhe bei Kriegsende 476 Millionen Reichsmark betrug. Aus dieser Transaktion" würden den Griechen Schadenersatzansprüche von 3,5 Milliarden US-Dollar zustehen. Außerdem bestehen nach Berechnungen der Pariser Reparationskonferenz von 1946 deutsche Verpflichtungen gegenüber Griechenland aus der Beschlagnahme von Privat- und Staatseigentum, Plünderung und Zerstörung, die sich auf 7,1 Milliarden US-Dollar belaufen sollen (Quelle: www.widerstand-repression-griechenland.de). Allein die Reparationsforderungen, die bis heute nicht beglichen worden sind, so der Herausgeber der Studien, Rolf Surmann, werden heute auf mehr als 25 Milliarden Euro beziffert.
Zum zweiten Teil von: Wurde die Zwangsanleihe mit der Deutschen Wiedervereinigung fällig?
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Mürlebach (27.06. 2011 16:30 Uhr):
Reparationskosten an Griechenland? Ehrlich gesagt, ist es mir sehr peinlich, zu was sich gewissenlose Deutsche im Gefolge eines österreichischen Rattenfängers, getarnt als asylsuchender Bettelstudent in diesen unseligen Jahren an Untaten begangen wurden. Auch mein eigener Vater war Opfer der Durchhalteparolen dieses dämonischen Irren! Aber....... Griechenland erhält seit 1981 (EU-Beitritt) jährlich umgerechnet 10 Milliarden € Strukturhilfe, zu dem Deutschland den größten Teil beitragen muss. Das sind also bis jetzt 300 Milliarden € u. nun heißt es, dass Griechenland fast 360 Milliarden € Schulden habe. Entweder ist man in Brüssel nicht dazu in der Lage, den Geldfluss überschaubar zu halten oder Griechenland hat auch diese Gelder als Fakelaki verschwendet - wie auch der €-Beitritt nur durch Betrug zustande kam. Jedenfalls reicht der Ouzo- u. Metaxa- Export wohl kaum aus, von den Schulden runter zu kommen. Und das was Deutschland nun jahrelang mehr zahlen musste, übersteigt eventuell zustehende Reparationskosten längst bei weitem. Auch mit Urlaubsgästen hat m.E. Deutschland den weitaus größten Teil des Geldes wieder dorthin zurückgebracht um evtl. Exortüberschüsse Deutschlands wieder auszugleichen -nicht zu vergessen die Leute, die in Deutschland Arbeit fanden, die sie in Griechenland nicht hatten. Wo bleiben die erfahrenen Volkswirtschaftler, die den überhitzten Schlagzeilen der populistischen Gazetten mal endlich Paroli bieten würden?
Antworten - Kommentar von Nemesis (18.08. 2011 23:56 Uhr):
Mit Verlaub Frau/Herr Mürlebach, die Gelder aus den Strukturfonds stehen jedem Land zu. Und jedes Land bekommt sie. Auch Deutschland. Einige Golfplätze hier sind damit gebaut worden. Warum sollte Griechenland darauf verzichten? Zumal jeder Euro dreifach nach Deutschland zurück kommt, denn die beim Bau beteiligte Firmen deutsche sind. Siehe auch Flughafen in Athen. Hochtief AG profitiert heute noch davon, da sie 30% der Gewinne einnimmt. Wo genau ist ihr Problem? Die Reparationszahlungen sind auf Wunsch der Siegermächte gestundet worden bis zu einer Wiedervereinigung und Unterschreibung eines Friedensvertrags. Zahltag war der Tag an dem der 2+4 Vertrag unterschrieben wurde. Fragen Sie sich mal warum dieser Vertrag juristisch kein Friedensvertrag ist! Und Griechenland und auch viele andere Länder durften da nicht mitentscheiden. Es waren die 4 die es entschieden haben. Also nochmal, was genau ist ihr Problem?
Antworten - Kommentar von Nemesis (19.08. 2011 00:01 Uhr):
Arbeit für die sie an den deutschen Staat Steuern gezahlt haben!!! Dafür diskriminiert und angepöbelt wurden! Frau/Herr Mürlebach auf welchen Planeten leben Sie?
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