Wir sind Amis!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 10. Mai 2010, 20:00 Uhr
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Gibt es eigentlich noch diese Fernseh-Kampagne, in der dem Zuschauer mehrmals erklärt wurde: Du bist Deutschland? Ich möchte dies ab heute umgeschrieben wissen, in: Du bist jetzt auch ein Amerikaner! Zumindest im Hinblick auf die Schuldenpolitik unserer Regierunghäuptlinge und Währungsmedizinmänner.
Der große Rettungsplan
Tja, Sie haben es mit Sicherheit schon gehört. Das Gemunkel vom Wochenende hat sich bestätigt: Europa hat schwere Geldgeschütze aufgefahren.
Doch der Reihe nach:
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als erstes, weil es im Angesicht der übrigen News fast untergegangen ist: die Griechen kriegen bis Mittwoch vom IWF ihre ersten 5,5 Milliarden Euro, womit sie bis zum näher rückenden 19.Mai erst einmal aufatmen können
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Artikel 122 Lissabon-Vertrag! Jetzt haben Sie ihn also doch genutzt. So was! Im Moment fehlt mir die Zeit um im Archiv nachzusehen, doch ich hatte schon einmal, vor einigen Wochen,von Artikel 122 berichtet und spekuliert, dass dieser durchaus dehnbar wäre und als Rechtfertigung für EU-Kommissions-Hilfe an einen einzelnen Mitgliedsstaate genutzt werden könnte. Es geht zwar eigentlich um Hilfe bei Naturkatastrophen und anderen außergewöhnlichen Ereignissen, aber nun gut...
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Das Rettungspaket zur Beruhigung des Marktes, umfasst
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60 Milliarden Euro, die wenn nötig, von der EU-Kommission als Kredit an das unter Zahlungsschwierigkeiten leidende Land vergeben werden können
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440 weitere Milliarden Euro, falls die Kommissions-Hilfe nicht ausreichen sollte, in Form von Garantien der einzelnen Mitgliedsstaaten. Der Löwenanteil entfiele auf Deutschland.
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Weitere 250 Milliarden Euro würde zudem der IWF dazulegen
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die Garantien der einzelnen Mitgliedsstaaten laufen über eine Zweckgesellschaft, über die man sich noch nicht einig ist. So was wie eine europäische KfW!
Tja, so sieht es aus! Angesichts der Zweckgesellschaft fühle ich mich irgendwie sehr stark an TARP erinnert, oder wie hießen diese ganzen Ami-Banken-Rettungsschirme?!
Ich fühle mich heute überhaupt so amerikanisch. Ein Schelm, wer jetzt denkt, ich fühle mich nicht wohl. ;-) Tatsächlich bin ich hin und her gerissen. Einerseits kann ich amerikanisch-angelsächsische Schuldenpolitik nicht ausstehen. Zwar ist Europa im allgemeinen auch nicht viel besser, doch bis anhin gab es immer gewisse Grenzen, die Europa dann doch nicht überschritten hat (zumindest in einigen Teilen). Und jetzt aus die Maus - insbesondere blutet mein Herz beim Gedanken an die EZB! Doch davon gleich im 2.Teil mehr. Das ist also die eine Seite!
Auf der anderen Seite habe ich aber auch die Angst in Europa gespürt. Und nachdem Regierungs- und Währungsoberhäuptern tagelang vorgeworfen wurde, die Krise nicht managen zu können, brauchen wir jetzt nicht überrascht sein, dass jegliche moralische Überlegenheit und Bedenken über Bord geworfen wurden und die finanzielle A-Waffe ausgepackt wurde. Was wäre ihnen auch anderes übrig geblieben, als dem Vorbild der Brüder jenseits der Ozeane zu folgen? Dabei zusehen, wie ihr Euronenreich zerfällt und nicht nur währungstechnisch, sondern vor allem politisch!
Tja, am Ende wird sich jetzt also auch bei uns zeigen ob der American Way of Life tatsächlich der richtige sein kann!