Winterolympiade – Zeit, wieder ein gutes Buch zu lesen
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 23. Februar 2006 12:00 Uhr
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Die Winterolympiade ist eine gute Zeit, um beim Lesen aufzuholen. Ganz besonders, wenn sie auf einem anderen Kontinent ausgetragen wird. Wenn man nur eine Minute damit zubringt, die Nachrichten im Internet zu lesen, dann spart man Stunden, in denen man sich Elastahn ansieht, dass rutscht, schlittert oder gleitet ... oder in denen man sich langhaarige Kinder mit ihren Snowboards anhören muss ... oder die Vorhölle der ewig lächelnden Eiskunstläufer über sich ergehen lässt, die so ausstaffiert sind wie in die Jahre gekommene Showgirls aus Las Vegas. (Und hier geht es nur um den Wettbewerb der Herren!)
Entsprechend habe ich nicht das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe, weil ich meine Jungs zu den Winterfesten der Pfadfinder in Camp Grachur an den Ufern des unangenehm klingenden Mathothy River begleitet hatte. Bei -10°C war das Wochenende absolut erfrischend. Es gab nur zwei Möglichkeiten warm zu bleiben. Man konnte ein Feuer machen oder die immensen Mengen an Holz hacken, die nötig waren, um knapp hundert Leute zwei Tage lang warm zu halten.
Ich weiß nicht, ob mein Sohn an diesem Wochenende etwas gelernt hat. Er erhielt sein erstes Verdienstabzeichen und den lange überfälligen Aufstieg auf die nächste Stufe. Ich habe jedenfalls herausgefunden, dass vier Stunden Holzhacken und Baumstämme spalten mit Äxten und Keilen, Muskeln beansprucht, die bei der Büroarbeit einfach übergangen werden. Und auch, dass eine Tasse Instant-"Käfer-Saft" – für alle die keine Pfadfinder sind: löslicher Fruchtpunsch – schnell getrunken werden muss, damit er nicht in der Tasse zu rosa Fruchteis gefriert."
*** Und es sieht so aus, als kämen die Trader aus dem langen Wochenende mit den gleichen beginnenden Frostbeulen zurück, die ich am eigenen Leibe zu spüren bekam. Die Aktien haben sich in allen Bereichen ziemlich lustlos gezeigt, während der Dollar im Vergleich zu allen anderen nennenswerten Währungen leicht anstieg ... Der Goldpreis ist wieder eingebrochen.
Was ganz interessant ist, denn seit sich ihre Wege vor einigen Monaten getrennt hatte, haben sowohl der Euro als auch der Dollar in perfekten Anti-Dollar Spekulationen fluktuiert. Nachdem die Immobilienpreise nach drei Jahren ununterbrochenen Wachstums langsam zu einem Halt kommen, sehe ich tektonische Verschiebungen bei den Ansammlungen weltweiten Wohlstands kommen.
Harry S. Dent schrieb in seinem Februarbrief:
"Der starke Boom der bei den Aktienkursen wahrscheinlich aussteht, wird wohl stärker durch die steigenden Gewinne bei den führenden Aktien als durch überdurchschnittliches Wachstum beim Arbeitskräftepotential und beim Bruttoinlandsprodukt hervorgerufen werden – ebenso wie durch einen klaren Wechsel von den Immobilien- und Anleihenspekulationen zurück zu den Aktien.
Aber der größte Unterschied zwischen den wilden Zwanzigern und dem gegenwärtigen Jahrzehnt ist immer noch die Blase bei den Öl- und den Rohstoffpreisen und der letzten Immobilienblase. Das sind die beiden Fragezeichen, die diese Zeit bestimmen und die ich weiterhin unter die Lupe nehmen werden. [ ...] Die starke Rally, die ich für 2006 bei den Aktien voraussehe passt nicht zu den weiterhin steigenden Öl- und Goldpreisen – und dazu dass es jetzt die Möglichkeit für Spannungen im Iran gibt."
Kann eine technische Analyse Aussagen über den Lauf der Geschichte machen? Ich habe schon in der Vergangenheit Situationen erlebt, in denen die technischen Szenarios bevorstehende Ereignisse ankündigten ... das war der Fall bei dem Einbruch der NASDAQ nach dem 11. September, vor dem ich schon am 10. September 2001 gewarnt hatte (was dazu führte, dass das FBI einige Monate später gegen mich ermittelte.)
Wenn geringere Gold- und Ölpreise die zugrunde liegenden Bedingungen für eine neue Spekulationsblasen-Phase im Zyklus sind, dann denke ich, dass sich die Konzentration auf Öl zerstreuen wird, wenn die Tage im Frühling wieder wärmer werden. Und wer weiß: nach dem kürzlichen österreichischen Präzendensfall wird die EU den Iran vielleicht mit der Information entwaffnen, dass das Leugnen des Holocaust ein Verbrechen ist, dass mit drei Jahren Haft in einem der Mitgliedstaaten geahndet wird.