Winter in Baltimore
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 10. Dezember 2003 18:00 Uhr
ENL5454
*** Die USA haben eine nationale Sparrate von 0,6 %. Jede Erhöhung der Staatsausgaben – ob für den Krieg im Irak, das Gesundheitswesen oder für Bestechungen – muss aus dem Ausland kommen. Die Europäer senden den USA schon kein Geld mehr. Nur die Asiaten bleiben da noch ... besonders die Chinesen. Wer hätte gedacht, dass Amerika eines Tages von den Kommunisten abhängig ist, um für seine Kriege und seine Drogen zahlen zu können? Gott sei Dank, dass es die Chinesen gibt ... und Gott sei Dank, dass sie so dickköpfig sind.
*** "Die größte Story der letzten 25 Jahre war das politische Auferstehen und die wirtschaftliche Entwicklung in China", schreibt mein Freund William Rees-Mogg in der letzten Ausgabe von "Strategic Investment". "Das ist eine Story, die der Westen bis jetzt kaum mitbekommen hat. Dabei wird China in den nächsten 25 Jahren die gesamte Weltwirtschaft verändern, und die östliche Hälfte des asiatischen Kontinents dominieren. Diese Entwicklung wird so groß sein, dass keine globale Investmententscheidung getroffen werden kann, ohne das zu berücksichtigen."
"Die amerikanische Handelsbilanz? Eine Frage von China. Der Ölpreis? Eine Frage von China. Die europäische Automobil-Industrie? Eine Frage von China. Das US-Haushaltsdefizit? Eine Frage von China. Der Markt für Microsoft? Eine Frage von China. Der Goldpreis? Eine Frage von China."
*** Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sagt, dass die OPEC ihr Geld aus dem Dollarsektor abzieht. Vielleicht sollten Sie das auch tun.
*** Ich bin gerade in den USA. Genauer gesagt, in Baltimore. Und hier ist es ein sehr schöner Morgen. Das kalte Wetter hat die Leute aus dem Park vertrieben ... und der Schnee hat ihre Bierdosen und Nadeln bedeckt.
*** Ich fühle mich so, als ob ich mit meiner Familie so bald wie möglich zurück in die USA gehen sollte. Wie Sie wissen, lebe und arbeite ich ja zusammen mit meiner Familie seit ein paar Jahren in Europa. Ich bin aber jetzt in Gefahr gekommen, ein Euro-Snob zu werden. Als ich in Boston mit einem Flug der Air France angekommen war, musste ich durch den Schnee in ein anderes Terminal. Dort entdeckte ich eine Szene, die komplett anders war als die auf dem Charles de Gaulle Flughafen in Paris. Statt den höflichen, attraktiven Angestellten der Air France mit ihrem kühlen guten Benehmen fand ich in Boston Fluglinien-Angestellte, die sonst wahrscheinlich Burger umdrehen würden.
"Bleiben Sie locker ..." riet mir einer von denen. "Ihr Anschlussflug hat eine Stunde oder anderthalb Stunden Verspätung. Das Wetter hat das gesamte System der Ostküste verlangsamt. Also entspannen Sie sich ..."