Windige Indikatoren und Trendwenden
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 19. April 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Es ist für mich immer wieder erstaunlich, an welch windigen Indikatoren sich Trendwendungen manifestieren können.
Nehmen Sie den Umschwung von Dollar zu Euro vom Freitag. Der Aufschwung im Euro in Richtung der US$1,20-Marke wurde in der internationalen Finanzpresse mit der Erosion im "Consumer Confidence Index" der Universität Michigan begründet.
(Der kam nämlich für April bei 93,2 2 ein, also unterhalb der Märzrate von 95,8.)
Über die Jahre bin ich zum Schluss gekommen, dass es sich bei derartigen Indikatoren um reinen "Mind Candy" handelt – akademische Spielchen, die kaum Nutz- und Nährwert als richtungsweisende Wegmarken haben. Soweit ich weiß, bin ich mit dieser Meinung auch in guter Gesellschaft: Zahlreiche Studien belegen, dass das kurzfristige subjektive Empfinden von Joe und Jane Sixpack ebenso relevant für die reale wirtschaftliche Entwicklung ist wie das des Maulenden Michels.
Für unsere Prognosen legen wir daher derartigen Indizes keinerlei Bedeutung bei.
*** Handfester sind da schon die Zahlen aus dem amerikanischen Baubereich, die Freitag vom Commerce Department veröffentlicht wurden: Housing Starts kamen auf eine adjustierte Rate von 2,01 Millionen im März – ein Anstieg von 6,4 % über Februar. Baugenehmigungen waren ebenfall am Ansteigen, mit adjustierten 1,95 Millionen (versus 1,91 Millionen im Februar.)
Nach einem merkwürdigen Einbruch bis auf US$18,50 am Mittwoch brachten diese Nachrichten unsere US Immobilien- und Hypothekenspekulation Impac Mortgage Holdings wieder auf was wir als ein adäquates Niveau empfinden, nämlich zw. US$20–21.
Short sellers, die meinen Rat vor ein paar Wochen angenommen hatten und bei über US$26 ihre Wette platziert hatten, sind anständig dabei weggekommen. Nun aber Schluss damit!
Herzlichen Gruß aus Baltimore ... wo die Magnolien endlich blühen,
Ihr
J. Christoph Amberger, Executive Publisher, The Taipan Group