Willkommen an Murphys Markt – Teil 4
Byron W. King in Traders Daily
vom 11. November 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Derweil mussten sich die Vereinigten Staaten - und eigentlich die ganze Welt - seit über einem Jahr mit einer Kreditkrise befassen. Und deswegen frage ich mich, ob die Trendwende eher früher oder später kommen wird. Ich weiß es nicht Ich habe keine Ausgabe der Financial vom nächsten März, ich kann also ganz einfach nicht sagen, ob wir uns eher in der Nähe der Talsohle oder in der Nähe des Gipfels befinden.
Wie bald werden Sie ihre Finanzmittel brauchen? Wenn Sie innerhalb der nächsten 12-24 Monate Geld brauchen, um Rechnungen zu bezahlen, wie z.B. für das College oder für das Altersheim eines Verwandten, dann sollten Sie die Schläge vielleicht einstecken und jetzt aus dem Markt aussteigen. Es ist keine Schande, auf der sicheren Seite stehen zu wollen. Kümmern Sie sich um ihre Bedürfnisse.
Oder haben Sie einen weiteren Horizont? Stecken ihre „Abwärts"-Aktien in Rentefonds? Können Sie diese ohne Strafen zahlen zu müssen nicht abheben, ehe sie 59,5 Jahre alt sind, Dann sollten Sie darüber nachdenken, die Sache auszusitzen. Und vielleicht ist es mit diesen geringen Werten für die meisten Aktien sogar eine gute Zeit, einkaufen zu gehen - aber sicher nicht mit verbundenen Augen. Und in kleinen Häppchen.
In vielerlei Hinsicht befindet sich die Welt gerade in einem Ausverkauf. Viele Aktien meines Portofolios haben sich in Dividendengeschäfte verwandelt. Können sie ihre Dividenden halten? Das ist eine gute Frage. Können sie die Erträge aufrechthalten? Aber wenn sie sich jetzt vorstellen, sie säßen im Management eines dieser Unternehmen - würden sie dann das Risiko eingehen, die Aktien noch weiter fallen zu lassen, indem sie die Dividende einschränken?
Und nun wollen wir ein oder zwei Jahre in die Zukunft blicken. Rohstoffe sind ganz allgemein schon seit Anfang Juli im Preis eingebrochen. Der Dollar ist stärker geworden. Wird das andauern? Kann es andauern? Warum sollte der Dollar stark blieben? Sagt Ihnen die Zahl 700 Milliarden Dollar etwas? Kann man sich so sicher sein, dass der Dollar so weitermachen wird und dass die Rohstoffe schwach bleiben werden? An einem bestimmten Punkt, wird der Dollar wieder anfangen, im Wert zu fallen. Und die Rohstoffproduzenten werden ihren Betrieb zurückfahren müssen, indem sie Minen, Mühlen und Schmieden schließen. Damit werden sie dann wieder die Macht über die Preise zurückerlangen.
Wenn die Welt aber die gewaltige Rezession erfährt, die die Leute prognostizieren? Dann wird die weltweite Nachfrage in der nahen und weiteren Zukunft zurückgehen.
Aber es gibt auf dieser Erde 6,5 Milliarden Menschen, die ernährt werden wollen. Die Welt wird immer noch sehr viele Materialien herstellen müssen, um diese Grundbedürfnisse zu erfüllen. Das ist in die Rechnung des menschlichen Überlebens schon eingerechnet. Und was wird mit der Macht über die Preisgestaltung geschehen, wenn einige Lagen des teuren Outputs verschwinden?
So wird beispielsweise die Welt der Petroleumindustrie in diesem Jahr mehr als 31 Milliarden Barrel an die Oberfläche befördern. Selbst wenn die weltweite Nachfrage um - sagen wir - 5% fallen würde - so als ob die gesamte Flugindustrie der Welt ganz einfach verschwinden würde - und die Welt würde immer noch fast 30 Milliarden Barrel an die Oberfläche befördern. Und weil die aktuellen wirtschaftlichen Sorgen dazu führen, dass neue Projekte verlangsamt werden, wird die jährliche Erschöpfung der Rohstoffe die zusätzliche jährliche Produktion aus den neuen Feldern bald übertroffen haben. Und dann wird es weniger Öl geben.
Das heißt, dass wenn wir in die Zukunft blicken, die Welt vielleicht nie wieder das Produktionsniveau übertreffen wird, das wir im Jahr 2008 hatten. Um genau zu sein, werden sogar heroische Bemühungen notwendig sein, nur um die weltweite Ölproduktion auch in Zukunft auf einem gleichbleibenden Niveau zu halten.
Und das bringt mich zu einer Investitionstheorie zurück. Energie und Rohstoffe werden immer knapper und sie sollten in Zukunft auch wertvoller werden. Doch es ist zu schade, dass das weltweite Finanzsystem in der Krise steckt. Es könnte aber auch ganz einfach bedeuten, dass es eine Möglichkeit gibt, gutes Zeug wirklich günstig kaufen zu können.
Nein, ich will damit nicht sagen, dass sie da raus gehen sollen, und mit vollen Armen Aktien kaufen sollen oder den Lastwagen beladen und das Schaufeln beginnen. Sie müssen im Moment sehr vorsichtig ein. Aber sie sollten deswegen jetzt auch nicht gleich in Panik ausbrechen.
Verkaufen Sie, wenn Sie verkaufen müssen. Kaufen Sie, wenn Sie dieses Risiko eingehen wollen. Wir befinden uns gerade in sehr schwierigen wirtschaftlichen Zeiten. Aber solange die Weltbevölkerung nicht anfängt auszusterben, oder die Leute anfangen, Gefallen daran zu finden, in bescheidenen Verhältnissen zu leben und viel zu frieren, werden Geschäfte mit Energie und Rohstoffen immer noch langfristig funktionieren.