Wilder Liquiditätsritt
Martin Weiss in Kapitalschutz Akte zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 6. Februar 2012, 07:30 Uhr
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Auch in der vergangenen Handelswoche ging der wilde Liquiditätsritt am Aktienmarkt nahtlos weiter. Der deutsche Leitindex legte fast vier Prozent zu.
Der Endstand lag bei 6766 Zählern. Top-Wochengewinner war die Aktie von RWE. Hier betrug das Plus gut neun Prozent. Am Freitag ging das Papier des Energieversorgers bei 31,59 Euro aus dem Handel. Zur Erinnerung, Anfang 2008 kostete das einstige Witwen- und Waisen-Papier" fast 100 Euro. Relativ schwach entwickelte sich indes die Fresenius-Aktie mit einem Abschlag von 0,2 Prozent.
Liquidität treibt an
Ja, weltweit werden die Aktienmärkte gegenwärtig von der Flutung mit billigster gigantischer Liquidität durch alle wichtigen Notenbanken der Welt nach oben gezogen. QE - auf globaler Basis sozusagen. Einstweilen kann diese Party sicherlich noch ein wenig anhalten. Konkret gesprochen, könnte es beim deutschen Leitindex durchaus noch etwas weiter nach oben gehen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn im Zuge der aktuellen Bärenmarktrallye noch die 7000 erreicht werden können. Dennoch ist und bleibt es äußerst fraglich, ob dieser wilde Liquiditätsritt wirklich nachhaltig sein kann und wird.
Entkopplung von der Realwirtschaft
Fundamental betrachtet sieht es in der Realwirtschaft alles andere als nach Hausse" aus. Vorsichtig formuliert. Hier seien nur einige harte Beispiele aus den USA erwähnt, die klar aufzeigen, dass die realwirtschaftliche Lage nach wie vor äußerst fragil ist und bleibt. So fielen die Verbraucherausgaben für den Monat Dezember schlechter als vom Konsens erwartet aus. Das vom Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauen für den Monat Januar blieb ebenfalls deutlich unter den Konsens-Erwartungen.
Anhaltende Schwäche im Immobiliensektor
Nach wie vor gibt es darüber hinaus keine Anzeichen für eine Besserung am US-Immobilienmarkt. So verfehlte der jüngst veröffentlichte S&P/Case-Shiller-Index mit einem Rückgang der Häuserpreise in Höhe von 3,7 Prozent auf Jahressicht ebenfalls deutlich die Erwartungen. Die Hausverkäufe, sowohl bei neuen wie auch bei älteren Häusern, waren im Dezember ebenfalls deutlich schwächer als erwartet. Alles in allem kann von einer Bodenbildung am Immobilienmarkt in den USA keine Rede sein.
Wall Street feiert Arbeitsmarktbericht
Ja, und abschließend noch kurz zu den von der Wall Street am vergangenen Freitag euphorisch gefeierten US-Arbeitsmarktdaten. Außerhalb der Landwirtschaft wurden 243000 neue Arbeitsplätze geschaffen im Januar. Deutlich besser als erwartet. Die Arbeitslosenquote nach Lesart U-3 sank auf 8,3 Prozent.
Fakt bleibt aber leider, dass im Vergleich zum Vormonat sage und schreibe fast 1,2 Millionen Menschen einfach statistisch nicht mehr in das Heer der nach Arbeit suchenden zugeordnet wurden. Wohl gemerkt, das Jahr 2012 ist ein Wahl-Jahr. Mit Blick auf die Ermittlung der Arbeitslosenquote gibt es auch einen neuen traurigen Rekord. Und zwar ist die Zahl der Menschen, die sich rein statistisch betrachtet nicht mehr auf Arbeitssuche befinden, auf den neuen historischen Rekordwert von fast 88 Millionen (!!!) geklettert!
Indes erreicht die Erwerbsquote mit 63,7 Prozent ein neues historisches Tief. Es ist nicht verwunderlich, dass laut John Williams von shadowstats.com die wahre Arbeitslosenquote nach wie vor deutlich über 20 Prozent liegen dürfte. Und zwar bei 22,5 Prozent.
Zum zweiten Teil von: Hilfe auf dem Weg ins Grab?ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Livia (07.02. 2012 09:30 Uhr):
Es ist ja interessant, daß auch die USA ihre Werte zur Arbeitslosigkeit frisieren! Dazu kommt ja noch, daß Arbeit für viele Menschen Lebenssinn ist, sie garnicht aufs "Altenteil" gesetzt werden wollen, aber gehen müssen! Obwohl es in den USA keine Altersgrenze gibt, wirft man die Älteren dort wohl inzwischen genauso raus wie bei uns. Auf der anderen Seite sind die Jugendlichen in den USA bis zum 18. Lebensjahr allgemeinbildent schulpflichtig; dabei war bei uns der Eintritt in die Lehre mit 16 anstatt 14 schon ein Fehler - den man dann damit zu korrigieren meinte inden man das Abitur um 1 Jahr verkürzt! Kein Wunder, daß es in den USA keine betriebliche Ausbildung gibt! Je jünger ein Mensch ist, desto besser lernt er - gerade praktische Dinge! Gebt den Männern genug Arbeit im produzierenden Gewerbe, sodaß sie genug Geld einnehmen um eine Familie zu ernähren und die Hausfrau nicht zusätzlich arbeiten "gehen" muß.Und gestaltet das Bildungssystem so, daß es auch von möglichst vielen nach seinen Fähigkeiten erreicht werden kann. Laßt die Menschen gewähren und hört auf, sie zu manipulieren. Das ist in den vergangenen 7000 Jahren weitestgehend gut gegangen. Wozu muß man ein funktionierendes System mit Gewalt ändern!
Antworten- Antwort von Peter Harting (08.02. 2012 00:29 Uhr):
Kluge Ansicht, der Geist weht, die Frau versteht!
- Antwort von Peter Harting (08.02. 2012 00:29 Uhr):
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