Wilde Tiere
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 5. Mai 2009, 07:30 Uhr
ENL5462
"Toro...toro!"
Zwei geschätzte Leser kamen mir in der vergangenen Woche zur Hilfe. Das Wort, nach dem ich suchte, war nicht sepa" sondern cepo". Es bedeutet Falle" und funktioniert so wie die Pranger, in die man die Pilger steckte, wenn sie sich schlecht benahmen. Und das Wort wird in Argentinien für die schweren Holzzangen verwendet, mit denen man die Kühe am Hals packt, damit die Cowboys sie bearbeiten können.
Sie werden sich vielleicht noch erinnern, dass ich meine Ferien damit verbracht habe, 1300 Rinder durch ein solches Cepo zu schicken. Auf meiner Ranch war die Zeit der Viehtriebe angebrochen. Jedes Tier musste untersucht, gekennzeichnet und geimpft werden... und wenn es sich um junge männliche Kälber handelte, dann wurden sie normalerweise auch kastriert. Meine Aufgabe war dabei, die hintere Tür der Vorrichtung zu schließen, damit die Tiere nicht entkommen konnten, nachdem sie in der Box waren. Es schien relativ einfach zu sein. Vermutlich habe ich den Job wohl bekommen, weil Jorge ihn für so einfach hielt, dass sogar ein absolutes Greenhorn ihn nicht vermasseln kann. Aber es gab auch Zeiten, in denen Köpfchen gefordert war... und andere Zeiten, in denen man schiere Gewalt brauchte. In beiden Fällen kam ich schlecht weg.
Die Kühe haben sich nicht immer gut benommen. Manchmal lehnten sie ab, in die hölzerne Box zu gehen. Zu anderen Gelegenheiten versuchten sie wieder heraus zu springen... oder auf die Kuh vor ihnen zu springen - und häufig verkeilten sie sich dabei so sehr, dass fünf Männer nötig waren, um sie wieder voneinander zu trennen.
Und dann waren da noch die Bullen
Die Bullen sind riesige und gefährliche Tiere. Wir haben ihnen besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ganz besonders einem von ihnen.
"Toro," schrien wir, wenn ein Bulle durch das Labyrinth kam und an den Schleusentoren ankam. Die großen Bradfordbullen waren grau, mit Streifen auf dem Rücken, ein bisschen wie auf den Bildern des tasmanischen Wolfs. Hunderte kleiner Fliegen lebten auf den Rücken der Bullen. Die Bullen waren so groß, dass man sie kaum durch die schmalen Gänge des Steinlabyrinths bringen konnte. Und wenn sie am Schleusentor ankamen, wo das Cepo auf sie wartet, dann kamen sie kaum hinein. Waren sie einmal drin, waren sie so lang, dass die hintere Tür nicht geschlossen werden konnte.
Wenn sie ihr gesamtes Gewicht ins Spiel gebracht hätten, dann hätten sie vermutlich durch das Cepo brechen können. Früher am Tage hatten einige kämpfende Bullen das vordere Tor aus den Angeln gehoben - ein Tor aus schwerem Holz, das mit Eisenriegeln verstärkt ist.
Einer der Bullen war besonders problematisch. Keiner der Cowboys hatte es gewagt, mit ihm in den Pferch zu gehen - so schnell ging er auf sie los. Und trotz ihrer Rufe... der Peitschen... und der Steine (Omar hat mit Steinen von der Mauer aus nach ihm geworfen...) lehnte er es ab, in das Labyrinth zu gehen, das zum Cepo führt.
Er muss wissen, dass wir ihn loswerden wollen", sagte Jorge.
Warum? Er wirkt wie ein gewaltiges Tier..."
Das ist er. Aber seine Hoden sind zu klein. Er steigt auf die Kühe... aber sie werden nicht schwanger."
Und irgendwann ist Jorge auf sein Pferd gestiegen und in den Pferch geritten. Der Bulle hat ihn beobachtet, aber er ist nicht auf ihn losgegangen. Jorge ist 56 Jahre alt. Aber er muss auf einem Pferd geboren worden sein. Er und das Pferd bewegten sich flink, ohne dass es zwischen ihnen sichtbare Zeichen der Verständigung gegeben hätte. Sie haben den Bullen von rechts gedrängt... der Bulle bewegte sich nach links. Dann wendeten sie schnell, um seinen Rückzug zu versperren... sie bewegten sich vor und zurück... und zwangen ihn in Richtung des Tors zum Labyrinth.
"Hyyaah....Hyyaah...." schrie Jorge in Richtung des Bullen und drängte ihn dann zurück.
Dem Bullen schien bewusst zu werden, dass die Situation hoffnungslos war. Er konnte Jorge auf seinem Pferd nicht entkommen... und er wagte nicht, ihn anzugreifen. Er ging in das Labyrinth.
Und als er einmal drin war, schlossen die Tore hinter ihm und die Cowboys auf den Steinmauern drängten ihn mit den Stöcken, Steinen und lauten Rufen weiter.
Diesmal gab es keine Notwendigkeit toro" zu rufen - alle wussten, dass er kam - das letzte der Rinder... und das stärkste von allen.
Bis dahin war Jorge schon wieder zurück an der Seite der Schleusenkiste... und wartete darauf, dass er den Bullen bearbeiten würde, wenn er einmal beim Cepo an Ort und Stelle sein würde.
Passt auf..." sagte er.
Der Bulle zögerte...und dann schloss er ganz plötzlich durch die Schleuse.
Ein verdienter Sieg
Fasst ihn! Haltet ihn auf!" die Rufe kamen von überall her. Pedro verwendete sein gesamtes Gewicht auf den Hebel des Cepo, seine Füße waren in der Luft, er versuchte, den Bullen zu halten. Jorge kam hinzu... so dass sie beide ihr gesamtes Gewicht auf dem Riegel hatten. Schließt das Tor", riefen sie, als mir auffiel, dass ich ihn nicht würde halten können.
Am anderen Ende des Labyrinths war mein Sohn Edward, 15, dessen Aufgabe darin bestand, das Tor zu öffnen und zu schließen und zu versuchen, den Bullen daran zu hindern, wegzukommen. Er hatte keine Zeit die Kette am unteren Tor zu befestigen, und deswegen standen er und Cosimir dahinter.... mit all ihrem Gewicht, und sie hofften, dass der Bulle es nicht auf die Probe stellen würde. Doch eine Sekunde später schoss das riesige Tier durch das hölzerne Tor... Cosimir trat schleunigst den Rückzug an... und dann trat auch Edward zur Seite, als ihm klar wurde, dass er allein einer unaufhaltsamen Macht gegenüberstand. Der Bulle stieß das Tor auf und rannte über die Koppel und hinaus aufs Feld. Er war frei.
Was machen wir jetzt", fragte ich Jorge.
Wir lassen ihn laufen... er hat es sich verdient."
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