Wiederholung: Gamma-Scalping
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 19. Februar 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
ich freue mich sehr Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Noch immer bewegen wir uns eigentlich im Rahmen des Long Straddle. In der letzten Ausgabe vom vergangenen Mittwoch haben wir noch einmal die Ausstiegsstrategien aus einem Long Straddle wiederholt.
Noch einmal: natürlich kann der Trader aus einem Long Straddle aussteigen, nachdem sich eine sehr starke Bewegung im Underlying vollzogen hat. Doch, ob eine solche Buy and Hold Strategie wirklich zum gewünschten Erfolg führt ist fraglich - vor allem fragt sich, ob die Bewegung stark genug ist um die Theta-Verluste tatsächlich auszugleichen.
Ein professioneller Trader wird sich also niemals nur zurücklehnen und abwarten. Er wird seine Position immer aktiv verwalten. So kann er Gewinne einfahren, unabhängig davon ob die starke Bewegung dann auch tatsächlich eintritt. Damit minimiert er zudem auch sein Risiko.
Dieses aktive Management der Position geschieht meist mit Hilfe des Gamma Scalping (oder der Trader steigt langsam aus seiner Position aus indem er Puts und Calls minimiert).
Heute möchte ich also noch einmal zu einer kleinen Wiederholung des Gamma-Scalping ansetzen, damit wir uns in der kommenden Woche explizit mit dem Ausstieg aus einem Long Straddle beschäftigen können.
Gamma Scalping
Intraday-Trading verläuft äußerst selten nur in einer Richtung. Der Kurs einer Aktie mag höher oder niedriger schließen, aber dazwischen geschehen eine Reihe verschiedenster Bewegungen nach oben und unten. Typischerweise werden intraday verschiedene Spitzen und Tiefs erreicht.
Deshalb bleibt ein Delta-Neutraler Trader auch niemals Delta-Neutral so lange sich die verschiedenen Bewegungen vollziehen.
Delta-Neutralität
Obwohl es hier um die Delta-Neutralität geht, handelt es sich hier eigentlich um ein Gamma-Trading. Ein Long-Gamma-Trader erhält ein positives Delta, wenn das Underlying sich nach oben bewegt und umgekehrt ein negatives Delta, wenn das Underlying fällt.
Gehen wir zunächst davon aus, dass der Anstieg des Deltas zu einem Gewinn verhilft. Der Long-Gamma-Trader kann seinen Delta-Gewinn mitnehmen, indem er die Position so verändert, dass sie wieder Delta-Neutral steht. Dies geschieht indem er das Underlying verkauft (short stock). Denn, wenn der Kurs des Underlyings hernach wieder fällt, hat der Trader bereits seine Verluste begrenzt.
Tatsächlich wird das Delta, wenn der Kurs des Underlyings weiter fällt, nun negativ, was wiederum zu einem Gewinn führen kann. Um diesen Gewinn nun abzusichern, wird der Trader das Underlying nun kaufen (long stock). Dadurch wird er ebenfalls wieder Delta-Neutral.
Eine Delta-Neutrale Position einzugehen, oder in jede Richtung neutral zu sein, bedeutet ein Delta von 0 zu kreieren.
Solch eine Delta-Neutrale Position kann im Grunde aus jeder Options-Position heraus kreiert werden. Am einfachsten geht das, indem man zusätzlich eine Position im Underlying eingeht um das Delta auf 0 zu setzen.
Zusammenfassung:
Aufgrund des positiven Gammas, wird der Delta-Neutrale Trader (also der bestrebt ist seine Delta-Neutralität immer wieder aufrecht zu erhalten)
A. Das Underlying verkaufen, wenn der Kurs gestiegen ist.
B. Das Underlying kaufen, wenn der Kurs gefallen ist.
Wir könnten das Ganze also auch Stock-Scalping nennen. Tatsächlich führt der Trader diesen Scalping-Prozess durch um seine Position erstens abzusichern, und durch aktives Management mehrere Gewinne einzufahren, anstatt eine große Bewegung abzuwarten und Tee zu trinken.
Ein Beispiel für Gamma-Scalping:
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Kauf 20 atm Calls (40er Strike-Preis) (50er Delta) ("Long 1.000 Deltas")
-
Verkauf 1.000 Aktien zu 40 Euro ("Short 1.000 Deltas")
Tag 1
Der erste Tag gestaltet sich als recht volatil. Wir nehmen an, der Kurs der Aktie steigt am Vormittag rasch von 40 Euro auf 42 Euro. Damit erhält die Gesamtposition unseres Traders nun ein positives Delta - und zwar ein Delta von + 5,60.
Was bedeutet das konkret?
Konkret bedeutet dies, dass die Position unseres Traders nun nicht mehr delta-neutral ist. Das Delta von +5,60 bedeute zudem, dass die Position äquivalent 560 Aktien Long ist.
Unser Trader entscheidet sich nun die Position wieder delta-neutral zu stellen.
Wie gelingt ihm dies?
Indem er 560 Aktien (welche die Position nun long ist) verkauft.
Fazit
Kling logisch und auch einfach! Aber Vorsicht! So einfach wie es klingen mag, ist es nicht! Zum einen muss der Trader sich immer wieder aufs Neue richtig entscheiden, wann er kauft oder verkauft. Dabei hat er keine Garantie dafür, dass er tatsächlich bei den Spitzen des Tages verkauft und bei den Tiefs kauft. Zum anderen muss der Trader in erster Linie dafür sorgen, dass die Gewinne, welche er mit dem Scalping erzielt überhaupt die Verluste und Kosten übersteigen. Und ich spreche hier nicht nur von den Transaktionskosten. Der Trader hat nämlich einen weiteren Feind, der ihn jeden Tag Geld kostet: die Zeit. Aufgrund des Thetas verliert die Position nämlich stetig an Wert. Diesen Verlust muss der Trader mittels Scalping ausgleichen.
So weit einmal zur Wiederholung, liebe Leser. Nächste Woche können wir uns nun endlich ein Beispiel für einen Ausstieg aus dem Long Straddle ansehen und damit das Thema abschließen. Ich wünsche Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende und freue mich wenn wir uns am nächsten Mittwoch wiederlesen.
Liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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