Wiederholt sich die Geschichte?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 12. November 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Diese Frage stellte eine Schlagzeile bei CNNMONEY. Die Mainstream-Presse beginnt, Parallelen zwischen Japan und den USA zu entdecken. Ich habe einige dieser Parallelen beim Namen genannt, als ich auf der "New Orleans Investment Conference" gesprochen habe:
Zwischen 1971 und 1985 sind die japanischen Aktien um 500 % gestiegen. In den dann folgenden Jahren bis 1990 stiegen sie sogar noch schneller – sie verdreifachten sich in 5 Jahren.
Die Wall Street folgte diesem Muster mit 10 Jahren Verzögerung: Die Aktien stiegen dort zwischen 1981 und 1995 um 500 % – und sie verdreifachten sich in den 5 folgenden Jahren bis 2000.
Ab Januar 1990 fielen die japanischen Aktien. 18 Monate später hatten sie 30 % an Wert verloren.
Ab Januar 2000 (es hängt davon ab, welchen Index man heranzieht) begann auch in den USA der Bärenmarkt. 18 Monate später notierten die Aktien ebenfalls 30 % tiefer. Die japanischen Konsumenten haben sich niemals so stark wie die amerikanischen Verbraucher verschuldet, aber der Trend ging in die gleiche Richtung. Die Sparrate fiel in Japan während des Booms um 10 Punkte, von rund 20 % auf 10 %. In den USA fiel die Sparrate ebenfalls um 10 Punkte: Von rund 10 % auf fast Null. In beiden Ländern haben Unternehmen und Konsumenten so viele Schulden wie nie zuvor aufgenommen.
"Was heute passiert, ist kein Mysterium", so Doug Casey auf der Konferenz, auf der auch ich sprach. "Der US-Präsident und die Fed haben die Konsumenten ja dazu angespornt, um jeden Preis zu konsumieren, um die Wirtschaft am Laufen zu erhalten. Dieses Anspornen war so schlecht, dass man es fast schon kriminell nennen könnte."
"Ich sage Ihnen, wie man wirklich reich wird. Nicht durch Konsumieren, sondern durch Sparen. Man produziert etwas, um einen Umsatz zu erzielen. Und man gibt Geld aus, um zu leben. Die Differenz ist das, was den Reichtum einer Person ausmacht."
"Wenn ich mir eine Million Dollar leihen würde und diesen Batzen konsumieren würde, dann würde mein Lebensstandard sicherlich steigen. Aber wenn ich diese Schulden zurückzahlen muss, dann wird man Lebensstandard sinken ..."
"Und die Amerikaner sind jetzt an dem Moment angekommen, an dem sie ihre Schulden zurückbezahlen müssen."
Sowohl in Japan als auch in Amerika wurden die Spekulationsblasen mit den üblichen "rationalen" Erklärungen begründet. 1989 waren alle Japaner wirtschaftliche Genies. 10 Jahre später waren die amerikanischen Vorstandsvorsitzenden wie Jack Welch, Jeff Bezos und Robert Kozlowski die neuen Genies, und Investoren, die deren Aktien gekauft hatten, hielten sich für cleverer als Warren Buffett.
Und sowohl in Japan als auch in den USA waren weder die Öffentlichkeit noch die "Experten" darauf vorbereitet, was nach dem Boom passieren würde. "Es ist nur ein temporärer Slowdown", so die Analysten in Japan 1991. "Bis zum Sommer wird diese Korrektur beendet sein", so die "Experten" in den USA 2001.
Aber die Aktien sind nicht mit einem Schlag deutlich gefallen und dann im Keller geblieben. Stattdessen gab es immer wieder kleine Rallyes – jede half mit, die Investoren zu überzeugen, doch noch die eigenen Aktien zu halten.
"Wenn man sich die Charts der klassischen Spekulationsblasen-Aktien ansieht, dann findet man fast überall das gleiche Muster", so Ian McAvity in seiner Rede auf der genannten Konferenz. "Derzeit sieht es so aus, als ob sich eine kraftvolle Rallye entwickeln könnte, die 6 bis 9 Monate anhalten könnte. Und deshalb sehen wir an der Wall Street derzeit auch den Beginn dieser Rallye."
"Aber vergessen Sie nicht, das ist eine Bärenmarktrallye. Das Top der nächsten 6 bis 9 Monate wird wahrscheinlich das Top der nächsten 10 Jahre sein."