Wiederauferstanden von den Toten?
James Boric in Investors Daily
vom 07. März 2003 18:00 Uhr
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Ich wurde streng katholisch erzogen. Ich fehlte niemals sonntags in der Kirche. Es war normal für mich, nach der Schule den Rosenkranz zu beten, meine Hausaufgaben zu machen und bei der Zubereitung des Abendessens zu helfen – bei dem oft ein Priester oder eine Nonne zu Gast waren.
Erst nachträglich fällt mir auf, dass ich anders war als die anderen Kinder ... ich wuchs wie meine Eltern und Großeltern auf, aber nicht wie die meisten anderen Kinder. Als Kind gefiel mir diese Erziehung nicht besonders. Aber diese Erziehung brachte mir eine Charaktereigenschaft, die für erfolgreiches Investieren unbedingt notwendig ist: Disziplin.
Meine Großmutter, Tochter eines Priesters, war ein Kind der Weltwirtschaftskrise. In den 1930ern und 1940ern sparte sie jeden Penny, den sie entbehren konnte. Und einen großen Teil ihrer Ersparnisse gab sie der Kirche, damit diese den weniger Glücklichen helfen konnte. Später wurde sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau in Indiana. Aber sie wurde nie verschwenderisch. Jeden Dollar behandelte sie so, als könnte es ihr letzter sein.
Man könnte sie sparsam, vielleicht sogar geizig nennen. Aber sie wusste, wie man sein Geld managt. Sie sparte, sie investierte für die Zukunft, und sie gab den Bedürftigen etwas davon ab. Meine Großmutter hatte Disziplin.
In den 1990ern schienen die Investoren sehr wenig Disziplin zu haben. Sie waren gierig. Jeder was davon überzeugt, dass die "dot.com"-Aktien der Weg zum Reichtum seien. Die Fundamentals waren plötzlich egal. "Wachstum" war das Modewort des Tages.
Deshalb kauften die Anleger in Scharen die Aktien von Amazon.com für 50, 60 oder sogar 85 Dollar pro Stück. Und dann kam Priceline.com heraus – die Aktie wurde im Top für 162 Dollar gehandelt. Ich könnte diese Liste fortsetzen.
Der Kernpunkt ist: Diese Gesellschaften verbrannten schneller Geld, als sie Umsätze erzielen konnten. Sie waren nicht fundamental gesund. Wenn man diese Aktien kaufte, dann investierte man nicht ... man spekulierte. Daran ist nichts auszusetzen; aber man sollte beim Spekulieren die Disziplin haben, die Verluste frühzeitig zu begrenzen.
Aber die meisten Investoren hatten in den 1990ern diese Disziplin nicht. Anstatt ihre Aktien zu verkaufen, als sie zu fallen begannen, kauften sie noch mehr. Diese Aktie muss wieder steigen, dachten sie sich. Aber die Aktien der "dot.coms" erreichten die alten Höhen nicht wieder. Es wurden Milliarden Dollar vernichtet.
Trotz meiner religiösen Erziehung glaube ich an die Evolution und an das Überleben des Stärkeren. Ich sehe auch keinen Konflikt darin, einerseits an Gott und andererseits an die Evolution zu glauben.
Ich glaube auch, dass sich "Evolution" nicht nur auf Lebewesen bezieht. Auch Unternehmen können sich fortentwickeln – auch wenn nicht gerade durch göttliche Intervention. Und die Unternehmen, die sich nicht fortentwickeln können, gehen unter.
Das ist der Grund, warum 2000 so viele schwache "dot.com"-Gesellschaften untergingen. Sie konnten nur in einem Bullenmarkt unter außergewöhnlichen Umständen überleben – wo Werte, Fundamentals und Preise keine Rolle spielten.
Sobald der Bullenmarkt zu Ende war und die Spekulationsblase an der Nasdaq platzte, starben diese Gesellschaften. Zu Recht. Aber nicht alle Internet-Aktien.
Das sollte man bedenken. Es gab einige Überlebende. Es gibt heute einige Internet-Gesellschaften an der Wall Street, die man sich genauer ansehen sollte.
Ich weiß, dass niemand den gleichen Fehler zweimal machen will. Deshalb ist es verständlich, dass viele Investoren 2003 keine Internet-Aktien mehr anfassen wollen.
Aber wenn man ein antizyklischer Investor ist, dann könnte man langsam beginnen, wieder über Internet-Aktien nachzudenken. Zumindest über die Gesellschaften, die überzeugende Fundamentals bieten können.
In den letzten Monaten habe ich besonders zwei Internet-Aktien genau untersucht. Eine von ihnen ist E-Loan. Das ist ein Online-Kreditverleiher, der im letzten Jahr Umsätze von 103,3 Millionen Dollar und einen Nettogewinn von 10,7 Millionen Dollar erzielte (ja tatsächlich, 2002 erzielte diese Gesellschaft einen Gewinn). Die Aktie hat ein KGV von knapp 13, ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,32 und die Umsätze sind im letzten Jahr um über 50 % gewachsen ... da ist es kein Wunder, dass sich der Aktienkurs im letzten Jahr mehr als verdoppelte.
Achja, und E-Loan hat den Ausblick für 2003 gerade erhöht. Die Gesellschaft rechnet jetzt mit einem Nettogewinn von 14 Millionen Dollar – plus 31 % gegenüber dem Vorjahr. Diese Internet-Gesellschaft sollten Sie sich vielleicht wirklich einmal ansehen.
Die meisten Internet-Gesellschaften sind keine "Value"-Investments. Noch nicht. Es handelt sich immer noch um Wachstumswerte. Aber es gibt einige wenige Gesellschaften, die sich in die richtige Richtung entwickeln. Und so etwas wird von der Wall Street honoriert.
Die Zeit wird zeigen, ob man 2003 mit Internet-Aktien Geld machen kann. Aber viele der Überlebenden haben sich weiterentwickelt, in stärkere Unternehmen. Sie haben die Kosten gesenkt, die Gewinnmargen verbessert und die Kundenbasis erhöht. Und das hat sie Disziplin gekostet.
Wäre es nicht ironisch, wenn diese früheren Verlierer und jetzigen Kellerkinder des Marktes zu den Gewinnern des laufenden Jahres gehören würden?