Wie sieht es mit US-Neuemissionen aus?
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 27. Januar 2006 12:00 Uhr
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*** Wie sieht es eigentlich an der Nasdaq mit Neuemissionen aus? Ein halbes Dutzend Unternehmen hat den geplanten Börsengang zurückgezogen, verzögert oder verschoben.
Und dennoch: Nach einem halben Jahrzehnt Flaute in diesem Bereich sieht es nun so aus, als ob die Neuemissionen zurückkehren. Die besten Neuemission in den letzten drei Monaten konnten Gewinne zwischen 38 % und 183 % vorweisen – Spitzenreiter war "Under Armor". Die schlechtesten verloren zwischen 1,56 % und 20 %, und nur einer brach in den letzten drei Monaten unter die Marke von 20 % Verlust.
Nicht schlecht. Überhaupt nicht schlecht.
*** Natürlich ist der Markt für Neuemissionen dennoch nur ein Schatten seiner selbst. Der Bärenmarkt, der im Jahr 2000 begann, ließ den Markt für Neuemissionen austrocknen. Nicht nur, dass der Technologieblase ihr Haupt-Katalysator ausging – das Cash; es gab auch eine unappetitliche und korrupte Mischung von Investmentbankern und anderen Finanz-Institutionen, die dazu führte, dass die Neuemissionen von einem boomenden Segment zu einem Friedhof wurden. Zu viele Kleinanleger, die im Hype gekauft hatten, verbrannten sich die Finger.
Heutzutage sieht es allerdings so aus, als ob die Neuemissionen zurückgekehrt sind. Und mit ihnen kehrt auch eine alte Idee zurück: Wenn man in eine Kristallkugel schauen könnte und wissen würde, welche heutige Neuemission die Netscape oder Microsoft oder Google von morgen werden wird, dann hätte man den Trades seines Lebens.
Leider wird der durchschnittliche Investor wieder Probleme haben, bei der Zuteilung zum Zuge zu kommen, selbst wenn er wissen würde, wie sich der Kurs der Neuemission am ersten Handelstag entwickeln würde. Solange Sie kein Großinvestor sind, werden Sie zum Ausgabekurs wahrscheinlich nur sehr wenig zugeteilt bekommen, wenn überhaupt. Und der größte Fehler, den Sie machen können, wäre es, am ersten Handelstag in die explodierten Kurse hinein zu kaufen.
Es gibt einige extrem effektiven Indikatoren, die Sie nutzen können, um schlechte von guten Neuemissionen zu unterscheiden. Unsere Analysten nutzen die als Teil ihrer täglichen Analyse aktueller Neuemissionen. Unsere Chef IPO-Spezialistin Siu-Yee Ng hat ein System entwickelt, um die Spreu vom Weizen trennen zu können.
Sie schreibt: "Das Unternehmen muss folgende Schlüssekriterien erfüllen: Das Management muss extensive industriespezifische Erfahrung haben, am besten bei größeren Unternehmen. ( ...) Seien Sie vorsichtig, wenn das Management aus Investmentbankern besteht. Das gibt normalerweise Probleme. Im Aufsichtsrat sollten Leute sitzen, die ansonsten nicht in direktem Zusammenhang mit der Firma stehen und außerdem ebenfalls industriespezifische Erfahrung haben."
"Strategische Nischen sollten klar definiert sein. Es ist am besten, wenn ein Unternehmen eine Nachfrage befriedigt, die besteht, aber nur schlecht bedient wird. Ein guter Kandidat sollte durch stetiges Umsatzwachstum beweisen können, dass es in dieser Nische eine Nachfrage gibt. Vermeiden Sie Technologien, die nicht durch Patente geschützt oder im Detail erklärt werden."
"Die Marketing-Kanäle sind essentiell. Diese können verschiedene Formen annehmen, wie Direktverkäufe, ein System von unabhängigen Repräsentanten und etablierte Beziehungen mit eingesessenen Einzelhändlern."
"Das Nutzen der Einnahmen durch die Neuemission ist ebenfalls ein Schlüsselfaktor. Tradionellerweise gingen Unternehmen an die Börse, weil sie sich im Wachstum befanden und das frische Kapital sinnvoll investieren konnten. Heute gehen sie aus allen möglichen anderen Gründen an die Börse: Um Schulden zurückzuzahlen, Großaktionäre ausbezahlen zu können, weil sie eine Abspaltung von einem größeren Unternehmen sind usw. Obwohl jeder Grund für eine Neuemission gerechtfertigt werden kann, ist der beste Indikator für einen möglichen Gewinner dieser: Er geht an die Börse, um weiteres Wachstum zu finanzieren. Es gibt natürlich noch viele andere Faktoren, die wir beachten, wenn wir eine Neuemission unter die Lupe nehmen. Und eine Menge Erfahrung zu haben, schadet auch nicht."