Wie sieht die fundamentale Lage wirklich aus?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 9. Oktober 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
wie sieht die Lage in den USA wirklich aus? Ist die Krise tatsächlich vorbei?
Ich möchte Ihnen heute jemanden vorstellen, der dies gegensätzlicher kaum sehen könnte. Die Rede ist von Gerald Celente. Was es mit diesem Mann auf sich hat und was er prognostiziert, finden Sie im nachfolgenden Artikel.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.
Alexander Hahn
Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will...
Galileo Galilei
welche Anleger fragen sich heutzutage nicht, wie es mit den USA weitergehen wird? Haben wir die Krise weltweit gelöst? Geht es jetzt gesamtwirtschaftlich wieder aufwärts, vor allem jenseits des Atlantiks? Ist die immernoch hohe Arbeitslosigkeit nur ein "nachlaufender Indikator" und bald ist wieder alles in bester Ordnung?
Glaubt man den "üblichen Verdächtigen" aus dem Mainstream, wie Wirtschaftswissenschaftlern, die zum Großteil die letzten Jahre eigentlich nur falsch lagen, Politikern, bei denen der Aufschwung natürlich exponentiell zur Annäherung an den Wahltermin ansteigt, oder Notenbankvertretern wie dem FED-Boss Bernanke, welche die letzten zwei Jahre hauptsächlich damit verbrachten, in der Öffentlichkeit zu lügen, haben wir das Schlimmste hinter uns.
Doch ist das wirklich so? Könnte es nicht sein, dass es sich hierbei im besten Fall um Unwissen handelt und im schlechtesten Fall um hinterlistige Propaganda?
Nun, urteilen Sie für sich selbst...
Die Lage in den USA ist nicht gut und wird noch deutlich schlimmer
In den USA kennt ihn so gut wie jeder und er gilt als der Experte für Trends schlechthin; in Deutschland kennt man ihn weniger. Die Rede ist von Gerald Celente, Leiter des Trend Research Institutes, welches seit 1980 sich mit der Prognose von Trends befasst. Herr Celente ist gefragter Experte weltweit und hat eine eindrucksvolle Historie, was sein Institut angeht (und die letzen Jahre in besonderem Maße mit einschließt).
Herr Celente gab kürzlich dem russischen Sender "Russia Today" ein englischsprachiges Kurzinterview, indem er seine aktuellen Prognosen erläutert und schildert, dass die USA früher oder später auf eine Art Revolution hinsteuern. Das mag auf den ersten Blick vielleicht überzogen und nach Aufmerksamkeit heischend klingen, doch Celente führt einige sehr interessante Punkte an, welche sich kaum wegdiskutieren lassen.
Geht es den USA also wirklich bereits derart schlecht? Sind Prognosen wie die von Celente (der mit seinem Standpunkt übrigens nicht alleine ist) tatsächlich ernst zu nehmen?
Nun, wer ein wenig die Punkte miteinander verbindet, sieht dass man selbst in Washington anscheinend merkt, wie die Lage wirklich aussieht...
Wann ist Zahltag?
Mein amerikanischer Kollege Dr. Martin Weiss informierte kürzlich seine US-Leser über drei wichtige, offizielle Berichte, die in den USA veröffentlicht wurden:
- Der CBO-Bericht
- Ein Bericht der Federal Reserve ("Flow of Funds Accounts of the United States")
- Das "Treasury Bulletin"
Beim Congressional Budget Office (CBO) handelt es sich um das Äquivalent zu unserem Bundesrechnungshof. Bereits auf der ersten Seite des besagten Berichts findet sich eine klare Grafik zum Thema "US-Schulden", die eigentlich keiner weiteren Worte mehr bedarf.
Die Autoren des CBO-Berichts halten kein Blatt vor den Mund. Laut ihnen führen die massiven Haushaltsdefizite zum Abbau der Ersparnisse auf nationalem Level (d.h. der USA), was zu mehr Kreditaufnahme im Ausland führe und weniger inländische Investionen mit sich bringt. Dies wiederum werde das Einkommenswachstum in den USA niedrig halten und ernsthaft die Wirtschaft beschädigen.
Doch die Prognosen des CBOs sind noch weit düsterer. Mein Kollege Dr. Weiss hat für seine Leser einen Auszug des Berichts farblich markiert, so dass Sie (leider auf Englisch) die entsprechenden Stellen original und aus erster Hand sehen können.
Dies ist allerdings nur der CBO-Bericht. Der Bericht der FED zeigt klar, wie es wirklich um die amerikanischen Kreditmärkte steht und das "Treasury Bulletin" spricht ebenfalls für sich. Der aktuelle Stand der Auslandsschulden der USA beträgt ca. 7.9 Billionen US-Dollar.
Natürlich könnte ich Ihnen hierzu noch weitaus mehr schreiben, aber dies seien nur drei sehr kurz angerissene Beispiele von offiziellen Zahlen und Berichten, welche Trend-Prognosen (wie etwa denen des Trend-Research Institutes) zugrunde liegen.
Ich denke, mein Punkt ist somit klar: Bleiben Sie misstrauisch, was Jubelmeldungen angeht. Nur weil die letzten Monate die Aktienmärkte gestiegen sind, heißt das nicht, dass es der Wirtschaft besser geht - auch wenn viele "Experten" dies gerne durcheinander werfen.
Beste Grüße
Alexander Hahn
P.S.:
Im Umkehrschluss heißt eine schlechte wirtschaftliche Fundamentallage natürlich genausowenig, dass Sie als Trader kein Geld an den Märkten verdienen könnten. Halten wir die Dinge also sauber auseinander, denn mit den richtigen Mitteln und Strategien gibt es stets die Möglichkeit zu profitieren - egal, wie sich die fundamentale Lage weiter entwickelt.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Uwe Rameken (09.10. 2009 16:36 Uhr):
Schlecht redigiert: Alage "Bericht der FED" und "Treasury Bulletin" sind die gleichen!
Antworten - Kommentar von urs elrod (09.10. 2009 16:56 Uhr):
vielen Dank fuer die fundierten Quellen, eine uebersichtliche Tabelle oder ein Bild sagen mehr als tausend Worte
Antworten - Kommentar von Herbert Scheuer (11.10. 2009 12:14 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, wir sollten nicht nur die Lügen der pol. verantwortlichen in USA sehen, sondern auch das Debakel in unserem eigenen Land. Die jetzige Steuersenkungsdebatte wird noch in den nächsten 12 Monaten als ein großer Schwindel entlarvt. Ich als Mittelständler wurde nie für Zockerei be- lohnt, sondern für knallharte Arbeit. Scheffler, Conti, Opel, Quelle, Middelhof, Merkle - Ratiopharm, Kohl, Schreiber, Kanter, die Zocker- Banker,usw, die Liste würde eine ganze Seite füllen, wenn es um die grundsätzlichen Pfade der Unter- nehmens und politischen Ethik geht. Die Gier und die Machtgelüste sind des Menschen Verderb - das Wort Moral ist zu einem "Unwort" der letzten Jahre geworden. Unsere Jugend hat besseres verdient, aber wir selbst auch. Morgen haben wir eine neue Chance. Ihr Herbert Scheuer
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