Wie Sie vom Exportboom profitieren
Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 11. März 2005 16:00 Uhr
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Jedes Jahr das gleiche: Auch 2004 war Deutschland Exportweltmeister. Die Ausfuhren legten um 10,4 Prozent auf 733,5 Milliarden Euro zu. Trotz des schwachen Dollars waren die Produkte "Made in Germany" gefragt wie nie. Der Boom geht auch 2005 weiter. Im Januar legte der Export schon wieder 9,5 Prozent zu. Das ist die gute Nachricht.
Die schlechte: Ohne Außenhandel geht so gut wie nichts mehr in Deutschland. Hier zu Lande ist kaum mehr Geld zu verdienen. Die Binnenkonjunktur dümpelt seit Jahren vor sich hin. Es fehlen Impulse für den privaten Konsum und für Investitionen. Verbraucher und Unternehmen sind verunsichert und sparen wo sie können.
Wer wachsen will, geht ins Ausland. Beispiele von Firmen, die jenseits der Landesgrenzen groß werden, gibt es genug. Etwa Metro. Der Handelskonzern aus Düsseldorf expandiert im Ausland und eröffnet dort eine Filiale, etwa von den Märkten Saturn Hansa, Media Markt oder Cash&Carry, nach der anderen. Inzwischen liegt der Auslandsanteil am Konzernumsatz bei 50 Prozent. Der Umsatz stieg zwischen 1999 und 2003 um rund 25 Prozent, die Gewinne haben sich verdoppelt, der Kurs der Aktie ist explodiert. Alleine in den vergangenen beiden Jahren gab es ein Plus von rund 100 Prozent.
Wer in Deutschland bleibt, hat schlechte Karten. Das Münchner Kaufhaus Ludwig Beck etwa erzielt seinen kompletten Umsatz hier zu Lande. Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher trifft das "Kaufhaus der Sinne" am Münchner Marienplatz mit voller Wucht. Die Umsätze fielen von 100,2 Millionen Euro in 2000 auf 93,1 Millionen Euro im Jahr 2003. Aus einem Gewinn von fünf Millionen Euro wurde ein Verlust von einer Million Euro. Anleger verloren mit der Aktie zwei Drittel des Vermögens.
Auch bei Karstadt Quelle liegt der Auslandsanteil im Bereich von Null. Auch hier gingen die Umsätze in den vergangenen Jahren rund zehn Prozent zurück. Karstadt kämpft mit der Existenz. Der Kurs der Aktie verlor in den vergangenen zwei Jahren mehr als ein Drittel.
Die Expansion in andere Länder ist also für viele Firmen der rettende Anker. Der Grund für den Erfolg ist simpel. Die Verteilung auf mehrere Länder senkt die Abhängigkeit von der Konjunktur in einem einzelnen Land. Läuft es in einem Land schlecht, so boomt vielleicht gerade ein anderes. Dann lassen sich auch neue Märkte leichter erschließen.
Das bringt Ihnen als Anleger große Vorteile. Denn Firmen mit hohem Auslandsanteil bringen mehr Sicherheit und damit natürlich gleichzeitig weniger Risiko.
Als Anleger sollten Sie sich deshalb vor jeder Kaufentscheidung immer den aktuellen Quartals- oder Geschäftsbericht ihres Favoriten vornehmen. Dort finden Sie meist schon am Anfang im Lagebericht des Vorstands jede Menge Informationen darüber, wie das Auslandsgeschäft läuft. Wenn Sie dort nichts finden oder mehr wissen wollen, dann blättern Sie einfach weiter bis zum Segmentbericht. Dort geben viele Firmen einen umfangreichen Einblick in die Verteilung der Umsätze und Gewinne nach Ländern und Produkten. Sie wissen so Bescheid, wo die Problemzonen liegen.
Tipp:
1) Schauen Sie sich einmal die Aktien von Böwe Systec, Hymer oder Basler an. Alle drei haben einen Auslandsanteil von mehr als 60 Prozent.
2) Containerhäfen boomen. Mit den Aktien der Betreiber geht es steil nach oben.