Sven Weisenhaus handelt seit mehr als 10 Jahren Aktien, Zertifikate und inzwischen hauptsächlich CFDs. Im Wave Daily dreht es sich meist um Elliot Wellen.
Sven Weisenhaus in Wave Daily zum Thema Derivate
vom
Am gestrigen Vormittag gelang es der Bundesrepublik erstmals, Anleihen mit zweijähriger Laufzeit mit einem Nullkupon an den Markt zu bringen. Die Anleihe wirft also KEINE Zinsen ab.
Realzins minus 4 Prozent
Anleger sind also tatsächlich inzwischen bereit, ihr Geld für volle 2 Jahre herzugeben, ohne dafür auch nur eine einzige Gegenleistung zu erhalten - außer dem Versprechen, das Geld am Ende zurückzubekommen.
Bei einer jährlichen Inflationsrate von etwas mehr als 2% bedeutet dies jedoch einen negativen Realzins von mehr als MINUS 4% über die Laufzeit betrachtet!
Da die Papiere allerdings knapp unter dem Nennbetrag emittiert wurden, beträgt die Rendite für die Anleger in zwei Jahren immerhin 0,07%. Na dann.
Verstehen Sie vor diesem Hintergrund, warum ich von meiner Erwartung an den Bund Future einfach nicht abrücken kann?
Knock-Out-Produkte sind hier NICHT geeignet
Ich hatte gestern noch einmal darauf hingewiesen, dass Knock-Out-Produkte für diesen möglichen Short-Trade ungeeignet sind. Anlass dazu gab mir eine entsprechende Leser-Mail.
Der Autors der Mail schreibt, eine ihm bekannte "blutige Börsenanfängerin" sei meinen Empfehlungen gefolgt, "den Bund Future zu shorten und bei Bedarf sogar nachzukaufen." Ihr Konto sei nun "tief rot" und sie wisse nun keinen Rat mehr. Der Leser denkt, dass der Bund Future noch weiter steigen dürfte und somit das Risiko eines Totalverlustes sehr hoch sei.
Falscher Prophet führt Börsenneulinge in die Irre
Zudem schreibt mir der Leser: "Ich weiß, niemand kann permanent gewinnbringende Empfehlngen geben. Wenn man dies jedoch tut, sollte man sich bewußt sein, dass vorwiegend Börseneulinge ins Boot holt, die man gehörig in die Irre führen kann. Sie werden nun wie sooft in ihren Berichten, wenn Sie falsch liegen, mehrere Ausreden parat haben. Für meine Schwester kann ich nur hoffen, aus diesem Kardinalfehler gelernt zu haben und künftig Anweisungen von falschen Propheten zu ignorieren."
Das sind nun für mich erschütternde Worte und natürlich zugleich sehr vorwurfsvolle an meine Adresse. Die Bild-Zeitung könnte aus so einem Vorfall die oben angegebene Zwischenüberschrift stricken. Doch Spaß bei Seite, denn eine solche Mail nehme ich extrem ernst.
An ALLE Leser
Hier sind gleich mehrere unglückliche Faktoren zusammen gekommen. Dazu gleich mehr. Zunächst möchte ich hier für alle Leser einmal meine Antwort wiedergeben, denn damit hebe ich auch gleichzeitig noch einmal den mahnenden Finger:
"Zunächst einmal möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich eine derartige Mail noch nie erhalten habe und daher zutiefst erschüttert bin. Natürlich würde ich Ihnen nun gerne beratend zur Seite stehen.
Konkrete Empfehlungen nur in den kostenpflichtigen Diensten
Genau so etwas soll im Rahmen eines kostenlosen Newsletter natürlich nicht passieren. Für konkrete Kauf- und Verkaufsempfehlungen stehen kostenpflichtige Dienste im Investor Verlag zur Verfügung, welche die Leser durch konkrete Produktempfehlungen bei einem solchen Trade begleiten können, auch durch intensiven Leser-Dialog.
Ein kostenloser Newsletter kann so etwas nicht leisten
Ein kostenloser Newsletter kann so etwas nicht leisten. Daher habe ich stets angegeben, dass es sich bei meinen Beiträgen NIE um konkrete Kauf- und Verkaufsempfehlungen handelt (siehe auch exemplarisch die Beiträge vom 12. Januar und vom 15. Februar).
Daher habe ich auch NIE über konkrete Produkte geschrieben, sondern stets nur über die fundamentale und charttechnische Lage und entsprechende Tradingmöglichkeiten.
Vor der Verwendung von Knock-Out-Produkten gewarnt
Zudem hatte ich vor den Risiken bestimmter Handelsinstrumente gewarnt, die bereits Verluste generieren können, auch wenn sich der Bund Future gar nicht bewegt (Stichwort: Finanzierungskosten). Insbesondere hatte ich in diesem Zusammenhang vor Knock-Out-Produkten gewarnt, bei denen die Knock-Out-Schwelle im Zeitablauf sogar durch die Finanzierungskosten, im Falle von Shorts, nach unten angepasst wird.
Ich stehe zu 100% hinter den Analysen
Betrachten Sie meine Analysen des Bund Futures, so kann man in diesem Fall wohl kaum von einem "in die Irre" führen sprechen. Denn zum einen hatte ich auch diverse Male über die Möglichkeit berichtet, der Bund Future könne auch noch weiter steigen (siehe auch Beitrag von gestern) und zum anderen handelt es sich im Bund Future um eine eindeutige Übertreibung, die es in der Form NOCH NIE gegeben hat.
Es handelt sich um eine Übertreibung, vergleichbar mit dem Neuen Markt
Die Lage ist vergleichbar mit der Übertreibung im Neuen Markt in den Jahren 1999 und 2000. Auch dort waren die Bewertungen jenseits von Gut und Böse. Damals hatten auch viele Analysten zu früh vor fallenden Kursen gewarnt, doch in einer solchen Situation auf weiter steigende Kurse zu setzen, was ja durchaus profitabel war, war rein spekulativ.
Genau so stellt es sich im Bund Future dar. Alles andere, als auf fallende Kurse zu setzen, ist rein spekulativ. Die Bewertung ist übertrieben und man kann daher kaum zu einem anderen Schluss kommen, als dass sich diese Situation auflösen muss (durch fallende Kurse), sobald es die politische Lage zulässt.
Ich wiederhole: Warnungen vor Knock-Out-Produkten
Es ist daher auch durchaus noch möglich, dass sich die Verlust-Positionen Ihrer Schwester noch positiv entwickeln. Allerdings wären hier defensivere Produkte sinnvoller gewesen. Ich wiederhole: In keinem Fall habe ich zu solchen Knock-Out-Produkten geraten, sondern sogar vor deren Funktionsweise gewarnt.
Sehen Sie mich also bitte nicht als 'falschen Propheten'. Sie werden im Newsletter-Archiv nirgendwo die Empfehlung lesen, auf Knock-Out-Produkte zu setzen. Ganz im Gegenteil, werden Sie dort Warnungen davor finden, insbesondere im Hinblick auf den langfristig ausgelegten Bund Future-Trade.
Mit freundlichen Grüßen
Sven Weisenhaus"
Die Zwischenüberschriften habe ich (wie üblich) zur besseren Lesbarkeit nur hier im Wave Daily eingefügt. Und ich sehe diesen Dialog wirklich als Warnung an Sie alle.
- Kommentar von Berthold Rettich
Als Deutscher neige ich zu Kritik, leider vor allem zu nicht konstruktiver Kritik. Dennoch muß ich mich hier vor Hr. Weisenhaus stellen (nicht wie ein Politiker dahinter, wo der Körper des Beschuldigten schützt). Hr. Weisenhaus hat, m.E. sgar übertrieben stark darauf hingewiesen, dass es sich bei seinem privaten Investment um eine Langfristanlage handelt, die auf fundamentalen Überlegungen fußt. Fundamental heißt nun mal, die Analyse ist richtig, aber es kann Jahre dauern, bis die Börse sich dieser Realität anpaßt. Ein schönes Beispiel hierfür war die Immobilienkrise in den USA. Fundamental waren die US-Immobilien seit spätestens 2001 überbewertet, sie stiegen dennoch ein weiteres halbes Jahrzehnt. Je länger es dauert, desto größer die Blase, desto größer die Verwerfungen - aber fundamental heißt eben langfristig richtig, da benötigt man Nerven aus Stahl. Das bedeutet nichts für zittrige Hände wie sie Anfänger meist haben.
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus:
Guten Tag, Herr Rettich! - - - Finde es richtig toll, dass Sie als offenbar treuer, regelmäßiger Leser da für mich in die Bresche springen. - - - Ich kann natürlich nicht erwarten, dass alle Leser jeden meiner Beiträge verfolgen. Daher ist es einfach erforderlich, auf vergangene Beiträge zu verweisen. Ich finde das auch nicht schlimm, solange es sich hier alles in einem konstruktiven Rahmen bewegt. - - - Nerven aus Stahl ist das richtige Stichwort. Es ist ja nunmal meist so, dass in Phasen der Panik die besten Kaufchancen stecken. Die Bewertung am Aktienmarkt ist unglaublich günstig, am Rentenmarkt unglaublich hoch. Wer sich jetzt positioniert, könnte auf lange Sicht sein Vermögen vermehren und eine seltene Chance nutzen. Aber hier ist Durchhalten sehr wichtig und persönliche Emotionen müssen unter Kontrolle gebracht werden. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus