Wie Sie Ihre Stopps "fester" machen
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 11. November 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
am Montag hatte ich bereits die Bedeutung von richtigem Einstieg und enger und gleichzeitig vernünftiger Stop Loss Setzung kurz angesprochen.
Heute möchte ich drei einfache (es gibt natürlich noch weitaus mehr) Möglichkeiten vorstellen, wie Sie die "Festigkeit" Ihrer Stopps erhöhen kann. Ich spreche hier natürlich nur von Wahrscheinlichkeiten. Keine Maßnahme garantiert, dass ein Stopp niemals getroffen wird.
1) Gezielte Suche nach charttechnischen Barrieren
Dieses Konzept dürfte sicherlich so gut wie jedem unter Ihnen bekannt sein. Die einfachste Version hiervon ist der klassische Stopp unter einer Unterstützung (bei Longs) oder über einem Widerstand (bei Shorts).
Doch dies lässt sich noch ausbauen.
Generell gilt: Je mehr Widerstände Sie zwischen Ihrer Einstiegsmarke und Ihrem Stopp haben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Stopp nicht getroffen wird.
Hier können etwa als zusätzliche Kriterien die 50-Tage-Linie oder die 200-Tage-Linie dienen oder aber auch der EMA(10) bzw. der EMA(20), um nur einige Beispiele zu nennen. Ebenfalls sehr hilfreich können Widerstände in übergeordneten und untergeordneten Zeitebenen sein.
Die Idee ist, dass Sie möglichst viele dieser Widerstände aller Art zwischen Ihren Einstieg und Ihren Stopp bekommen. Im Idealfall liegen also möglichst viele Hindernisse zwischen Ihrem Stopp und Ihrem Einstieg. Sie werden sehen, dass wenn Sie dies forciert und systematisch bei der Auswahl Ihrer Trades betreiben, Ihr Risiko ausgestoppt zu werden sich durchaus bemerkbar reduziert.
2) Genaue Betrachtung des Trendverlaufs
Kein Trend verläuft an der Börse linear. Sie haben es stets mit Bewegungen in die Trendrichtung und anschließend Korrekturbewegungen gegen diese zu tun. Ein Fehler, der oft von Anfängern gemacht wird, ist, dass man sich vor Beginn des Handels nicht klar genug macht, in welcher übergeordneten Trendphase man sich befindet und so gegen den Trend handelt.
Handeln Sie nicht gegen den Trend und setzen Sie Ihre Stopps an markanten Umkehrpunkten zwischen Korrektur und Trendbewegung.
Die folgenden beiden Artikel machen die Sache sicherlich noch etwas klarer:
Der Trend - Dein Freund und Helfer (02.12.09 - Basics)
- 4 verschiedene Handelsansätze:
- Value-Investing
- Growth-Investing
- Contrarian Strategie
- Handel des Trends-Strategie
- Geduld als Schlüssel zum langfristigen Börsenerfolg
Was ist ein Trend? (20.04.10 - Basics)
- Die Merkmale eines Trends erklärt
3) Marktzustand vs. Stop Loss
Ein wichtiger Faktor, welcher die Lebensdauer Ihrer Stop Loss sehr positiv beeinflusst, ist das richtige Timing des Sektors bzw. des Gesamtmarktes.
Nehmen wir z.B. den amerikanischen Energiesektor und betrachten dort einmal den Bullisch-Prozent-Index:
Abb.: Sektor BP Index des US-Energiesektors
Nehmen wir an, Sie wollten einen Energiewert shorten.
Charttechnisch sieht die Lage ganz gut aus und Sie sind geneigt loszulegen. Doch dann werfen Sie einen Blick auf den Sektor BPI und sehen, dass der Sektor völlig überverkauft ist und bei unter 10 Punkten steht (z.B. im März 2009).
So schön der Chart Ihres Basiswerts auch sein möge, der BPI sagt Ihnen klar, dass das Risiko, dass es den gesamtem Sektor zeitnah nach oben zieht, deutlich höher ist als das des weiteren Gefälles nach unten. Und da Aktien sich primär in Gruppen bewegen, ist solch eine Situation Ihrem Stop Loss sicherlich nicht sonderlich zuträglich.
Interessanter wäre ein Short hier etwa, wenn sich der Sektor BPI an historischen Wendemarken befindet. Wenn Sie dann ein schönes Short-Setup in Ihrem Basiswert finden, dürfte das Risiko, dass es den gesamten Sektor (und damit auch Ihre Aktie) weiter nach oben trägt deutlich geringer sein. Dies schlägt sich natürlich damit auch in dem Risiko, dass Ihr Stop Loss getroffen wird nieder, denn dieses ist auf einem entsprechend hohem BPI-Level natürlich viel niedriger.
Fazit
Natürlich gibt es noch eine Reihe von weiteren Prinzipien, die man zur Erhöhung der "Festigkeit" von SL-Marken nutzen kann. Wenn Sie jedoch die oben genannten drei Prinzipien konsequent berücksichtigen, haben Sie schon einen ersten und sehr guten Schritt in Richtung Verlängerung der Lebensdauer Ihrer SL-Marken getan.
Beste Grüße
