Wie Sie Ihr eigenes Discount-Zertifikat bauen und dabei verdienen
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 29. Oktober 2008, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
ich möchte die heutige Ausgabe nutzen, um u.a. einen kurzen Rückblick auf die Themen, welche ich hier bisher bei Investoren Wissen angesprochen habe, zu wagen.
Bisher habe ich Ihnen zwei sehr wichtige und objektive Indizes vorgestellt, den NYSE BPI und den VIX. Auch haben wir uns über die Grundlagen von Optionen und Point&Figure Charts unterhalten und ein paar einfachere Methoden (natürlich bei weitem nicht alle), wie Sie Ihr Risiko reduzieren bzw. Stop Loss Marken setzen können, kennengelernt (eine weitere Methode zur Reduzierung von Risiko stelle ich Ihnen heute vor).
Erinnern Sie sich? In meiner aller ersten Nachricht an Sie schrieb ich:
[...] bei all meinen Betrachtungen kam ich zu der Schlussfolgerung, dass der Unterschied zwischen einem Gewinner und einem Verlierer an den Märkten sich in zwei wesentlichen Punkten begründet:
1) Ein System, welches langfristig funktioniert (kein System gibt Ihnen 100% Treffer!)
2) Disziplin, gute Nerven und eiserne Konsequenz
Diesem Kurs bleibe ich natürlich treu und ich werde ab heute beginnen, einige grundsätzliche Überlegungen anzustellen, wie solch ein System aussehen kann. Beginnen wird das Ganze mit ein paar Feststellungen und Gedanken zum Anlageverhalten institutioneller Anleger (zweiter Artikel).
Wie Sie Ihr eigenes Discount Zertifikat bauen UND einen zusätzlichen Einkommensstrom in Ihr Portfolio holen
Nicht nur in Zeiten umkippender Emittenten ist es aus meiner Sicht ein gewaltiger Vorteil, sich selbst Ihr eigenes Discount-Zertifikat "bauen" zu können. Sie sparen Gebühren, reduzieren Ihr Positionsrisiko und werden gleichzeitig deutlich flexibler, denn Ihnen stehen mehr Werte zur Verfügung als die meisten Emittenten anbieten.
Stellen wir uns folgendes Szenario vor:
Sie besitzen 1000 Aktien der Firma XY; diese stehen bei $24.00 pro Stück. Ihnen scheint dieser Stand relativ optimistisch und Sie wären bereit, sich für $25.00 von den 1000 Aktien zu trennen, würden die Aktie aber ggf. auch länger halten, falls die $25 nicht direkt erreicht werden; letztlich sind Sie von der Firma XY überzeugt, nur wäre Ihnen ein kurzfristiger Anstieg auf $25 nicht nachhaltig genug bzw. zu schnell.
Anstatt jedoch einfach eine Sell-Order mit Limit in den Markt zu stellen, gibt es mit Optionen einen weitaus eleganteren und profitableren Weg, den sog. Covered Call (at the money) (der Name kommt daher, weil gegen eine bestehende, also gedeckte Position, Optionen verkauft werden. Das Gegenteil hierzu wäre der sog. Naked Call. Hierzu jedoch in einem späteren Artikel mehr).
Ordentlich Geld kassieren für den Verkauf von Kaufrechten
Sie erinnern sich? Eine Call-Option gibt dem Käufer das Recht, zu einem bestimmten, vorher festgelegten Zeitpunkt und zu einem bestimmten, vorher festgelegten Preis 100 Stück des Basiswerts (im Beispiel hier gehe ich von US-Aktienoptionen aus) zu kaufen. Der Verkäufer der Option hat hingegen die Pflicht, 100 Stück zu den Konditionen der Option zu verkaufen, wenn die Option eingelöst wird.
Was bedeutet dies in unserem Beispiel?
Wir haben 1000 Aktien der Firma XY zu $24. Die Dezember 2008 Call Option auf XY mit Strike Preis $25 habe aktuell einen Kurs von $2.5 (d.h. der Kontrakt ist $250 wert, ich nehme hier einfache Zahlen zur Veranschaulichung des Beispiels).
Wenn wir nun über die Optionsbörse 10 Dezember 2008, $25 Calls auf XY verkaufen, so erhalten wir hierfür $2500 und reduzieren damit unsere Einstandsbasis also um $2.5 pro Aktie!
Welche möglichen Ausgänge dieses Szenarios gibt es nun?
Steigt der Kurs von XY vor Ablauf der Option über die $25er Schwelle, ist unser Gewinn gekappt (denn wir müssen ja zu $25 pro Aktie verkaufen); bei Ausübung der Option wird der Aktienbestand komplett durch den Broker an den Halter der Call Optionen, welche wir verkauft haben, verkauft. Wir behalten die $2500 für den Optionsverkauf und verkaufen die Position für $25. Somit haben wir $2500 mehr Gewinn gemacht, als die Limit-Order uns gebracht hätte. In anderen Worten: Wer eine Limit-Order für solche Fälle nutzt, lässt in unserem Beispiel $2500 einfach auf dem Tisch liegen! Völlig unnötig!
Steigt der Kurs von XY während der Laufzeit bzw. mit Ablauf der Option nicht über $25, so verfällt die Call-Option wertlos für den Käufer und wir behalten einfach die $2500. Pech für den Optionskäufer! Erfreulich für uns!
Und wer hindert uns daran, dieses "Spielchen" mit Ablauf der verkauften Call-Optionen gerade zu wiederholen und erneut extra zu verdienen? Niemand.
Gleichzeitig ist unsere Einstandsbasis in dem Beispiel nun um $2.5 pro Aktie reduziert und reduziert sich mit jedem weiteren, verkauften Call-Paket immer weiter.
Profis nutzen solche Strategien täglich (es gibt sogar ganze Covered Call Hedgefonds), während die meisten Privatanleger einfach nur Geld auf dem Tisch liegen lassen, weil sie es nicht besser wissen und sich so einen ganzen zusätzlichen Einkommensstrom bzw. üppige Extra-Performance im Depot jedes Jahr entgehen lassen.
Das gleiche Prinzip steckt übrigens auch hinter einem Discount Zertifikat. Kaufen Sie sich z.B. 100 Aktien von XYZ zum Preis von $20.00 pro Aktie und verkaufen eine Call-Option mit Strike Preis von $25 dagegen, welche Ihnen $200 bringt, so verbilligen Sie Ihren Einstandskurs auf $18, haben jedoch eine Beschränkung nach oben (Cap) von $25 hinsichtlich Ihres Gewinns.
Die hier vorgestellten Methoden sind übrigens nur eine von sehr vielen Möglichkeiten, wie Sie mit Covered Calls arbeiten können. Es gibt noch viel raffiniertere und profitablere Varianten, die sogar manch ein Profi nicht wirklich kennt!