Wie Sie erkennen, wann die FED die Zinsen anheben wird
Louis Basenese (US-Korrespondent) in Investoren Wissen
vom 16. Februar 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
Der Leitfaden für höhere Zinsen: Sieben Zeichen, die für eine Zinserhöhung der US-Notenbank FED sprechen
Liebe Leser,
suchen Sie das genaue Datum, an dem Ben Bernanke und seine Notenbank-Kollegen die Leitzinsen anheben werden?
Sorry... auch ich kann es Ihnen nicht nennen.
Allerdings kann ich Ihnen eine Art „Leitfaden für höhere Zinsen“ geben, der Ihnen konkrete Ereignisse nennt, welche auf Zinserhöhungen hindeuten. Folgen Sie ihm und Sie werden eine sehr gute Ausgangsposition haben und eventuell von höheren Zinsen profitieren können
Legen wir los...
Sieben Zeichen, welche für ein Ende des „leichten Geldes“ sprechen
Es ist wichtig sich daran zu erinnern, dass die FED den Leitzins an die Inflationserwartungen [gemessen an verschiedenen, umstrittenen "Warenkörben", Anm.d.Ü.] anpasst. Zur Zeit herrscht aus wirtschaftlicher Sicht noch eine Flaute, so dass die Inflation kein unmittelbareR Grund zur Besorgnis ist.
Tatsächlich haben die USA eine derartige Flaute (die tatsächliche BIP-Produktion im Vergleich zur potentiellen Produktion, wenn alle wirtschaftlichen Ressourcen zum Einsatz kommen würden) seit über 25 Jahren nicht mehr gesehen.
Und das bedeutet, dass die FED keine Zinserhöhungen in Betracht ziehen wird, bevor sich diese drei Statistikdaten verbessern:
1. Arbeitslosigkeit: Es ist unnötig zu erwähnen, dass die Arbeitslosigkeit im Moment sehr hoch und dass dies mit der Hauptgrund für die wirtschaftliche Flaute ist. Wir brauchen eine nachhaltige Rückkehr des Wachstums (Denken Sie daran, dass die Wirtschaft im November 4000 Jobs geschaffen hat, nur um im Dezember wieder 85.000 Stellen abzubauen.) Sobald die Arbeitslosigkeit ihren Zenit erreicht, wartet die FED für gewöhnlich mindestens 12 Monate, bevor sie die Leitzinsen erhöht.
2. Fabrikauslastung: Wenn die amerikanischen Fabriken nicht voll ausgelastet sind, dann kann es die US-Wirtschaft auch nicht sein. Mit einem Wert von 72% ist die Fabrikauslastung nahe einem Rekordtief. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die FED so lange mit Zinserhöhungen gewartet, bis sich die Fabrikausnutzung wieder auf 80% erholt hatte.
3. Löhne: Die Wirtschaftsflaute macht sich auch beim Wachstum der Gehälter bemerkbar. Im Grunde genommen sind Gehaltserhöhungen nicht vorhanden, wenn Unternehmen ihre Kosten begrenzen und Arbeitnehmer sich um ihren Job sorgen müssen. Gemessen an der Stärke dieses Abschwungs ist es keine Überraschung, dass die Löhne so schnell fielen wie in den letzten 25 Jahren nicht mehr. Wir müssen hier erst eine ausgeprägten Erholung sehen, bevor das zusätzliche Geld in den Händen der Konsumenten die FED dazu veranlasst, ihre Inflationserwartungen und im Gegenzug auch die Leitzinsen zu erhöhen.
Schauen Sie darauf was die FED tut, nicht was sie sagt
Neben den Wirtschaftsdaten müssen wir auf die Taten der FED hauptsächlich achten. Ich bin davon überzeugt, dass die FED erst die folgenden Punkte umsetzen muss, bevor sie die Leitzinsen erhöht:
4. Ende der quantitativen Lockerung: Die FED führte beinahe ein halbes Dutzend „Special liquidity facilities“ [etwa: spezielle Liquiditätsprogramme, Anm. d. Ü.] ein, um die Finanzkrise zu steuern. Einige hatten lächerliche Namen wie „Asset-Backed Commercial Paper Money Market Mutual Fund Liquidity-Facility“.
Es macht deshalb nur Sinn, diese Programme einzustellen, bevor die Geldpolitik wieder gestrafft wird. Vier von ihnen liefen wie geplant am 1. Februar aus. Und das Programm zum Kauf von hypothekarisch gesicherten Wertpapieren in Höhe von $1.45 Billionen wird in zwei Phasen enden - am 31. März und am 30. Juni. Jedoch kann die FED diese Programme, wenn nötig, verlängern. Wenn sie dies tut, verschiebt diese Verlängerung den Zeitpunkt für eine Zinserhöhung nach hinten.
5. Liquidität aufsaugen (befristet): Bevor die FED die Zinsen erhöht, wird sie versuchen, die zusätzliche Liquidität aus dem System aufzusaugen. Achten Sie deshalb darauf, ob die Notenbanker die neu eingeführten „Vereinbarungen zum Rückkauf von Termingeldern“ nutzt.
Behalten Sie im Hinterkopf, dass dies nur befristete Maßnahmen sind und die Liquidität letztendlich wieder zurückkehren wird. Aber die FED wird diese Spezialwerkzeuge aufstocken müssen, bevor sie die Zinsen wieder erhöht.
6. Liquidität aufsaugen (permanent): Die Menge des überschüssigen Geldes im Bankensystem wird dazu führen, dass die FED diese Liquidität permanent aufsaugen muss. Erwarten Sie, dass die FED einige ihrer langfristigen Wertpapiere verkauft, um dies durchzuführen.
7. Die FED ändert ihre Grundsatzerklärung
Jedes Wort in den Aussagen der FED ist mit Bedacht und genauem Abwägen gewählt. Und mindestens einen Monat bevor die Zinsen erhöht werden, wird die FED ein oder zwei Schlüsselwörter aus ihrem Sprachgebrauch streichen müssen, welche die Hauptstützen ihrer Politik in der Krise waren - „außergewöhnlich niedrig“ und „verlängerte Periode“.
Letztendlich muss mein Leitfaden nicht der Reihe nach „abgearbeitet“ werden. Auch denke ich nicht, dass die FED diesem auf den Buchstaben genau folgen wird, bevor sie die Leitzinsen erhöht. Die wirtschaftlichen Bedingungen sind fließend und es kann zu schnellen und schlagartigen Bewegungen kommen.
Je mehr Punkte meines Leitfadens sich jedoch erfüllen, desto wahrscheinlicher werden mögliche Erhöhungen. Fangen Sie deshalb gleich heute an, auf die genannten Ereignisse zu achten.
Erfolgreiches Investieren,
Louis Basenese
Artikel weiterempfehlen