Wie Sie ein Unternehmen präzise bewerten
Dr. Steve Sjuggerud in Investors Daily
vom 15. Februar 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Ein Unternehmen ist meist mehr wert als sein reiner Buchwert. Ein Beispiel – nehmen wir an, Sie wären Besitzer eines T-Shirt-Geschäfts. Die Bank hat ihm einen Buchwert von 25.000 Dollar ausgestellt. Eines Tages kommt einer Ihrer Kunden mit dem Angebot vorbei, Ihr Geschäft zu übernehmen.
"Wie viel bieten Sie mir?", fragen Sie.
"Ich bin bereit, 150 % des Buchwertes zu zahlen", antwortet er.
Da Sie wissen, dass der Buchwert bei 25.000 Dollar liegt, wird es sie nicht viel Zeit kosten, herauszufinden, dass er bereit ist, Ihnen 37.500 Dollar (25.000 x 1,5) zu bieten.
Sollen Sie dieses Angebot annehmen? Das hängt von verschiedenen Dingen ab ...
Wenn Sie aus irgendeinem Grund verzweifelt sind – beispielsweise weil Sie das Geld dringend für eine Operation benötigen –, dann klingt das Angebot verlockend und könnte eine gute Sache sein.
Wenn Sie sich ansehen, wie in der Vergangenheit in Unternehmen investiert wurde, werden Sie herausfinden, dass Unternehmen ihre Aktien in schlechten Zeiten mit einem kleinen Abschlag auf den Buchwert (oder Nettowert) verkauften. Mit anderen Worten: Sie verkaufen sich zu weniger, als sie eigentlich wert sind.
Wenn Sie also wirklich verzweifelt sind, würden Sie Ihr kleines T-Shirt-Unternehmen wahrscheinlich noch für weniger als 25.000 Dollar verkaufen – sagen wir mal für 20.000 Dollar, was ein 20 %iger Abschlag dessen ist, was die Bank als unseren Wert angab.
Aber Sie sind ja gar nicht verzweifelt. Wenden Sie sich also noch einmal den Geschichtsbüchern zu, und Sie werden herausfinden, dass Unternehmen in guten Zeiten für mehr als das Zweifache Ihres Buchwertes verkauft worden sind. Das ist so, weil die Käufer glauben, dass sie ihren Einsatz in immer größere Gewinne umwandeln können.
Wenn man also von dem doppelten Buchwert ausgeht, wäre Ihr T-Shirt-Geschäft 50.000 Dollar wert – bzw. 12.500 Dollar mehr als Ihr finanzkräftiger Kunde Ihnen zuvor geboten hatte. Was machen Sie also?
Sie bedanken sich bei dem finanzkräftigen Herrn, aber lehnen sein Angebot ab.
Am nächsten Tag schaut er wieder vorbei und deutet an, dass er sich noch immer für Ihr Geschäft interessiert. Genau wie Sie weiß er, dass die Bank den Wert Ihres Unternehmens wahrscheinlich zu niedrig eingeschätzt hat.
Damit Sie und Mr. Bigshot sich in Ihren Verhandlungen annähern, möchte er weitere Details zu Ihrem Geschäft wissen ...
Er möchte wissen, wie hoch Ihre Umsätze waren.
"Wir haben im ersten Jahr T-Shirts im Wert von 50.000 Dollar verkauft", erklären Sie ihm stolz.
"Und Ihre Ausgaben? Wie hoch waren die?"
"Wir haben 45.000 Dollar ausgegeben."
Ihr Nettogewinn (auch Gewinn genannt) war 5.000 Dollar. "Das ist eine 10-prozentige Gewinnmarge", sagt er. Und nun wissen Sie, was eine Gewinnmarge ist – der prozentuale Anteil des Gewinns vom Umsatz.
Sie wenden sich nochmals Ihren Büchern über die Finanzgeschichte zu und finden heraus, dass eine 10 %ige Gewinnmarge auf historische Standards übertragen ziemlich gut ist. Sie sehen selbst: Es ist nicht die stationäre Größe "Buchwert", die den Wert eines Unternehmens bestimmt – sondern mindestens genauso wichtig sind die Strömgrößen wie Gewinn und Gewinnmarge!