Wie Sie das 20-Jahres-Tief bei der Volatilität nutzen können
Von Dr. Steve Sjuggerud in Investoren Wissen
vom 04. August 2005 16:00 Uhr
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Die Volatilität bei Aktien ist auf einem 20 Jahres Tief ...
Zur Zeit läuft der Aktienmarkt ganz friedlich vor sich hin. Aber was bedeutet ein so harmonischer Aktienmarkt für uns als Investoren? Sollen wir Aktien kaufen oder verkaufen?
Die kurze Antwort darauf: Gehen Sie Ihrem normalen Geschäft nach. Sicher, es wird auch wieder stürmische Zeiten geben. Aber die langfristige Betrachtung über 100 Jahre zeigt, dass Aktien gut laufen, wenn die Volatilität steigt. Wenn die Volatilität hoch ist, ist es Zeit zu kaufen. Und wenn die Volatilität niedrig ist, wie jetzt, dann sollten Sie deswegen keinen Bogen um die Börse machen.
Der VIX Index ist in den USA der am meisten verwendete Index für die Volatilität von Aktien. In Deutschland misst man sie über den VDAX. Auf den VIX gibt es übrigens auch ein Zertifikat von ABN Amro (ISIN NL0000449387).
Im Chart sehen Sie, dass der VIX Index auf seinem niedrigsten Stand seit dem Start 1986 notiert.
http://www1.youreletters.com/ t/ 164066/ 8188663/ 778034/ 0/
Sie sehen auch: Im Crash 1987 stieg die Volatilität stark an. Ebenso beim Einmarsch des Irak in Kuwait und während der Asienkrise 1997. Dann auch nach dem Zusammenbruch des LTCM Hedgefonds 1998 und natürlich auch am 11. September 2001. Das zeigt: Die Volatilität bei Aktien steigt nach großen und unerwarteten Ereignissen.
Für Anleger galt in der Vergangenheit: Wenn der VIX Index hoch ist, dann ist es Zeit Aktien zu kaufen. Wenn die Volatilität hochschnellt und dann wieder langsam zu fallen beginnt, dann steigen die Aktien hoch. Das macht Sinn. Denn Sie verdienen am meisten, wenn Sie dann einsteigen, wenn die anderen nicht kaufen wollen.
Wenn Sie Aktien bei hoher Volatilität kaufen, wetten Sie darauf, dass das, was den Kursausschlag verursacht hat, vorbei geht und dass nach dieser Unsicherheit die Aktien steigen. Seit es den VIX Index gibt, war diese Strategie wirklich profitabel.
Umgekehrt müssten Sie jetzt folgern, dass man bei niedriger Volatilität Aktien verkaufen sollte. Aber diese Folgerung war bisher falsch.
100 Jahre Volatilität an der Börse
Mein Freund Jason Goepfort untersuchte die Volatilität bis ins Jahr 1900.
Liegt der VIX bei 11 wie jetzt, heißt das, dass die Anleger nicht erwarten, dass die Börse in den nächsten 12 Monaten mehr als 11 % in die eine oder andere Richtung läuft. Während dieser niedrige Index-Stand in den vergangenen 20 Jahren ziemlich selten war, kam das in den letzten 100 Jahren in über 1/3 der Zeit vor.
Jason sagt, die Börse hat längere Perioden mit hoher Volatilität und solche mit niedrigerer Volatilität. Er sagt, die Zeitspanne dafür ist im Durchschnitt 5 Jahre.
Ergebnis: Wenn die Volatilität hoch ist, dann sollte man kaufen. Wenn sie niedrig ist, sollte man das einfach ignorieren. Das ist alles.
Zur gegenwärtig niedrigen Volatilität sagt Jason: "Wenn die Periode durch einen Anstieg der Volatilität über 20 vorbei geht, sollte man dann verkaufen? Nein. In der Vergangenheit lag der Dow Jones 2 Monate nach dem Ende eines Tiefs in 9 von 13 Fällen im Plus bei einem durchschnittlichen Gewinn von 7,4 %. 6 Monate später lag er in 12 von 13 Fällen höher bei einem Gewinn von durchschnittlich 10,3 %.
Mich beunruhigte die Ruhephase an der Börse. Es kam mir so vor wie die Ruhe vor dem Sturm. Und es kann tatsächlich auch einer kommen. Aber egal, die Geschichte zeigt uns, dass wir schon immer längere Perioden mit niedriger Volatilität hatten und das ein Anstieg der Volatilität nicht gefährlich ist.
Natürlich kann auch ein extremer Sturm über die Börse fegen, die Aktienkurse in den Keller drücken und den Volatilitätsindex auf unglaubliche Höhen treiben, dass jedem schwindlig wird.
Dann sollten Sie aber daran denken: "Wenn die Volatilität hoch ist, sollte man kaufen." Sie kaufen dann, wenn die anderen verkaufen.
Die Märkte schlummern zur Zeit. Schwere Stürme sind nicht vorherzusehen. Die niedrige Volatilität im Moment ist auf jeden Fall für sich genommen nichts beunruhigendes.