Wie sicher sind ETFs? (Fortsetzung)
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen zum Thema Fonds
vom 31. Januar 2012, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin , lieber Leser
gestern habe ich Ihnen die ETF-Welt mit ihren Ausprägungen der physisch replizierenden ETFs und die Alternative der Swap- basierten ETFs vorgestellt. Swap-basierte ETFs eröffnen weitere Möglichkeiten ETFs oder ETPs (Exchange Traded Produkts) zu konzipieren, die den Wünschen nach kostengünstigen Anlageprodukten der Anleger noch mehr entgegen kommen. Ich möchte hier voranstellen, dass eine Diskussion ob solche Produkte gefährlich sind an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde. Solange die Konstruktionen transparent sind und die Aufsichtsbehörden keine Bedenken gegen die Sicherungskonzepte haben sollten Privatanleger dieselben kostengünstigen Produkte in Deutschland handeln können wie Vermögensverwalter und nicht auf außerbörsliche Märkte im Ausland ausweichen müssen.
Trotzdem gibt es gerade bei den ETF-Produkten, die es erlauben auf fallende Kurse zu spekulieren oder mit Hebel zu arbeiten einige Besonderheiten zu beachten, die in der Diskussion um das Kontrahentenrisiko unter dem Tisch zu fallen drohen, auf die ich jetzt näher eingehen möchte.
Wenn Sie gewohnt sind Wertpapiere insbesondere Aktien und ETFs auf steigende Kurse zu handeln und länger im Depot halten so werden Sie es sehr wahrscheinlich als Bereicherung empfinden wenn Ihnen Ihre Emissionsbank auch short oder gehebelte ETFs offeriert. Auf den ersten Blick wirken diese Produkte sehr Anlegerfreundlich weil es häufig keine Laufzeitbegrenzung gibt und wenn mit Hebel gearbeitet wird diese in der Regel mit 2 oder 4 recht überschaubar sind. Aber der Berechnungsmodus für die Partizipation kann trotzdem völlig anders sein als es der Anleger gewohnt ist. Grundsätzlich muss das nicht schlecht sein, aber der Anleger erlebt nicht selten eine Überraschung wenn er von der Marktrichtung her richtig liegt aber die Performance seiner short oder leverage ETFs trotzdem zu wünschen übrig lässt und das kann an folgendem Umstand liegen: Wenn der Hebel zu vordefinierten Zeitpunkten zurück gesetzt wird oder sich wie bei vielen Produkten nur auf eine Tagesperformance des Index bezieht ist die Überraschung perfekt. Ist die Volatilität besonders hoch, was in Börsenphasen fallender Kurse die Regel ist, so ergeben sich negative Performanceeffekte, die wenn Anleger sich nicht schnell genug von ihrem Engagement trennen zu den bereits geschilderten Überraschungen führen können.