Wie sich Inflationsziele auf Ihr Vermögen auswirken
Investoren Wissen
vom 12. September 2006 16:00 Uhr
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Wie ernst nimmt es Notenbankchef Ben Bernanke mit der Bekämpfung der Inflation?
Sehr! Ein „Inflationsziel“, also die Politik der Fed unter dem neuen Chef Bernanke, kann Ihr Portfolio auf viele Arten beeinflussen.
Vor zwei Jahren wurde ich außerordentlicher Professor an der Columbia Business School. Dort traf ich Rick Mishkin oft beim Mittagessen. Sie haben wahrscheinlich noch nie von Professor Mishkin gehört. Aber Rick ist eine wichtige Person. Er kennt Bernanke schon sehr lange. Sie haben beispielsweise zusammen ein Buch und verschiedene Fachartikel über das Thema „Inflationsziel“ geschrieben.
Mishkin selbst ist ein Geldmarktexperte und Autor des wichtigsten Buches über Geldpolitik in den Staaten. Das Buch heißt übrigens „The Economics of Money, Banking and Financial Markets.“
Bernanke und sein Helfer Mishkin
Er und sein Kumpel Ben Bernanke sind entschlossen die Notenbankpolitik zu ändern.
Tatsächlich hat Mishkin seinen Posten an der Columbia Business School bereits aufgegeben und wurde zum Mitglied des mächtigen Zentralbankrats in Washington bestellt.
Zusammen mit ihm hat Bernanke gute Chancen seine Vorstellungen einer amerikanischen Geldpolitik durchzusetzen. Wenn er Erfolg hat, dann wird dass Aktien, Gold und andere Assets beeinflussen. Es könnte folgendermaßen aussehen...
Bernanke kopiert mit seinem Inflationsziel die Geldpolitik in Neuseeland
Zuerst einmal ein paar geschichtliche Hintergründe zum Thema „Inflationsziele“.
Bis Ende der 70er Jahre schuf die Fed ein Umfeld mit niedrigen Zinssätzen, damit die Regierung ihre Defizite günstig finanzieren konnte.
Das änderte sich von 1979 bis 1982, als Paul Volcker die Inflation bekämpfen sollte. Er änderte sofort die Regeln zu Gunsten des Monetarismus und konzentrierte sich dabei auf die Kontrolle der Geldversorgung über frei schwankende Zinssätze. Unter Volcker explodierten die Zinssätze dann auf bis zu 21 Prozent.
Volcker´s Experiment in der Geldpolitik endete Mitte der 80er Jahre, als der Zusammenhang zwischen Geldversorgung in den USA und der Weltwirtschaft wegen der Liberalisierung des Bankensystems und der zunehmenden Globalisierung schwächer wurde.
In den folgenden 20 Jahren unter Alan Greenspan wechselte die Fed ihre Politik wieder und orientierte sich vor allem an den Zinssätzen. Sie wurden erhöht, um die Inflation zu bekämpfen und gesenkt, um eine Rezession zu verhindern. Greenspan war damit ziemlich erfolgreich, obwohl sich die Fed-Politik in der Zeit zwischen 1987 und 2006 sieben mal geändert hat.
Jetzt will Bernanke die Notenbankpolitik wieder ändern und dabei ein Inflationsziel von etwa zwei Prozent pro Jahr einführen.
Inflationsziele der Notenbank senken Preisanstieg
Studien von Bernanke und Mishkin zu Folge konnten Ländern mit einem Inflationsziel ihre Kerninflation deutlich senken.
In Neuseeland beispielsweise fiel die Inflationsrate durch das Inflationsziel der Notenbank von zehn bis 15 Prozent im Jahr 1990 auf inzwischen weniger als drei Prozent im Jahr.
Das will Bernanke auch in den USA erreichen. Das Problem ist, dass die Inflation jetzt, bei steigenden Öl- und Rohstoffpreisen in Folge von Krieg und weltweiter Unsicherheit, wieder anzieht. So hat sich der Anstieg der Verbraucherpreise in den letzten Jahren verdoppelt.
Bernanke sieht sich selbst als ein kleiner Paul Volcker. Er will zum Führer im Kampf gegen die Inflation werden. Aber dieses Ziel ist in einer Zeit mit hohen Staatsdefiziten und dem weltweiten Kampf gegen den Terrorismus schwer zu erreichen. Die Fed hat inzwischen schon eine inverse Zinsstruktur verursacht, reduzierte die Geldversorgung stark und verursachte beim Wachstum der Volkswirtschaft schon einen Rückgang auf ein Plus von nur noch 2,5 Prozent. Damit wird klar, dass Bernanke die Bedrohung durch Inflation Ernst nimmt.
Was Inflationsziele für Ihr Portfolio bedeuten
Wenn Bernanke Erfolg hat und die Inflation besiegt, dann sollten Sie den Depotanteil von Anlagen, die Sie jetzt noch als Schutz vor Inflation haben, senken. Da sind etwa Rohstoffe oder Goldaktien. Wenn sich die Inflation stabilisiert, dann dürften es in den USA einen Bullenmarkt bei Aktien geben.
Aber bevor das passiert, gibt es normalerweise eine Krise. Beispielsweise kollabieren Kursblasen bei den verschiedensten Vermögensklassen. Denken Sie an den starken Rückgang im Immobiliensektor in jüngster Zeit. Die Anti-Inflations-Politik der Fed kann zu einer Rezession oder Deflation führen. Eine hohe Cashposition könnte in dieser Zeit der Unsicherheit nicht schlecht sein.
Denken Sie an die 20er-Jahre, als Irving Fisher, der wichtigste Vertreter der Geldsteuerung seiner Zeit, Inflationsziele als beste Möglichkeit ansah, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Die Preise waren in den 20er-Jahren ziemlich stabil.
Fisher versäumte es aber, das Wachstum der Wirtschaft vorwegzunehmen. Er wurde vom Crash 1929 und der Depression zwischen 1930 und 1933 völlig widerlegt.
Ich rechne nicht mit einer Katastrophe im Ausmaß der großen Depression. Aber es könnte zu einer Krise kommen. Und wir müssen uns darauf vorbereiten falls die Politik des Inflationsziels nach hinten losgeht.