Wie man richtig spart am Beispiel Irlands und „Sorgenkind Frankreich“

in Rohstoff Daily zum Thema Finanzkrise
vom


 

Ich hatte es Ihnen ja schon letzte Woche geschrieben: von allen bösen Pleite-Euroländern ist Irland das wirklich brave. Die Iren haben sich letzte Woche zum ersten Mal seit 2 Jahren wieder alleine Geld beschafft und werden uns sicher bald nicht mehr brauchen. Irland, das im Übrigen im Vergleich zu den anderen, von uns auch relativ wenig Geld bekommen hat, ist ein Beispiel dafür, dass Notkredite tatsächlich funktionieren können. Ich befürchte aktuell aber, dass Irland erst einmal das einzige Positivbeispiel bleiben wird.


 

Warum? Schauen wir uns dazu erst einmal an, was Irland richtig gemacht hat...

 

Irland hat auf die richtige Art und Weise gespart

 

Als Irland im Jahr 2010 sein Sparprogramm vorstellte, gab es viele die klagten und aufheulten. Zwar wurde auch ein wenig an der Einnahmenseite gedreht und eine Steuererhöhung beschlossen, doch der Großteil des Programms (¾) wurde über tatsächliche Abgabenkürzungen durchgeführt. Es wurden Sozialleistungen, Arbeitslosen- und Kindergeld und Pensionen gekürzt. Die Löhne im Öffentlichen Dienst wurden gesenkt und sogar sich selbst beschnitten die Minister die Gehälter. Aber, die Unternehmenssteuern wurden nicht angetastet.

 

Ich weiß, viele Menschen halten es für ungerecht wenn auf diese Art und Weise gespart wird. Aber, das Wichtigste in einem Staat muss sein, dass genügend Möglichkeiten vorhanden sind um etwas zu erwirtschaften. Es kann und darf nicht der Staat sein, der die meisten Menschen ernährt (das funktioniert nicht... na ja, es sei denn man ist ein Ölstaat), die Menschen müssen sich selbst ernähren, damit sie überhaupt erst einen Staat bilden können.

 

Man kann es auch so sagen: der Staat, der seine Unternehmen über Gebühr belastet, schlägt nicht nur die Hand, die ihn überhaupt erst füttert, er wird auf Dauer auch massiv verlieren.

 

Sorgenkind Frankreich

 

Und leider ist ausgerechnet unser Nachbar und die zweitstärkste Volkswirtschaft Europas ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte.

 

Frankreich hat in den letzten 10 Jahren nicht etwa deshalb an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, weil die Märkte so böse wären, sondern weil eine ganze Reihe an Maßnahmen dafür gesorgt haben, dass zwar der französische Sozialstaat gewachsen, das Verarbeitende Gewerbe dafür aber deutlich geschrumpft ist - um genauer zu sein, ist sein Anteil am BIP seit 2000 sogar um ein ganzes Drittel gesunken.

 

Frankreich weist die höchsten Lohnnebenkosten in ganz Europa auf, dafür arbeiten die Franzosen trotzdem nur 35 Stunden pro Woche. Und von der Spitzenbesteuerung französischer Unternehmen will ich gar nicht erst sprechen. All das hat nicht nur dazu geführt, dass Frankreichs Anteil an den Exporten der Zone seit 2000 um mehr als 3,5 Prozentpunkte gesunken sind, sondern auch dazu, dass die Margen der Unternehmen schwinden, und mit Schließungen, Abwanderungen und generell sinkender Produktivität (die natürlich auch dazu führt, dass weniger Menschen eingestellt werden) vor allem die Ausgaben des Sozialstaates wachsen.

 

Kein Wunder, dass Frankreichs Jugendarbeitslosigkeit bei 23% liegt....wenn die Unternehmen weniger Menschen in Brot und Arbeit stellen können, dann wirkt sich das immer auf die aus, die gerade frisch zum Arbeitsmarkt dazu stoßen und dann einfach zu viel sind.

 

Frankreichs großes Problem ist also, meiner Meinung nach, die Politik mindestens der vergangenen 10 Jahre!

 

Und jetzt will Hollande genau die gleichen Fehler weiter machen...dass das Renteneintrittsalter schon wieder abgesenkt wurde, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Denn auch der Ober-Politschki der Franzosen scheint nicht zu kapieren, dass Staatshaushalt und Schulden vor allem des ausufernden Sozialstaates wegen so aufgebläht sind. Und deshalb besteht auch sein "Sparprogramm" größtenteils (neben anderen Steuererhöhungen und der Rücknahme von Steuererleichterungen aus der Sarkozy-Administration) aus steigenden Steuern und Abgaben für Unternehmen.

 

Na Prost Mahlzeit...ich hab' kein gutes Gefühl, was Frankreichs Zukunft anbelangt.

 

Im Endeffekt wird das Frankreich nicht nur die Rezession, sondern eine weitere Aufblähung des Sozialstaates bescheren, wodurch am Ende die geplanten Einsparungen im Staatshaushalt vermutlich gar nicht erreichbar sein werden. Ich möchte gar nicht daran denken, was passiert, wenn die Märkte das heraus finden, regelrecht beunruhigt sind und schließlich noch weiter steigende Zinsen für Frankreich-Bonds verlangen. Tja...aber sollte Frankreich kippen, dann wird auch Deutschland hinterher schwanken, schließlich ist Frankreich unser Handelspartner Nummer 1 und wir über Gebühr vom Export abhängig....davon, dass dann auch die Zone in der aktuellen Form keine Zukunft mehr haben kann, will ich heute gar nicht erst anfangen...

 

So long liebe Leser....vermutlich wird Frankreich zudem noch mit Ausgabenkürzungen nachlegen müssen, was die Situation aber natürlich nicht besser macht...ach noch was...wissen Sie, welcher massiv verschuldete Staat tatsächlich mit Steuererhöhungen was bewirken kann? Japan...falls die sich jemals dazu durchringen können, ihren Bürgern echte Steuern abzuverlangen...ach warum sollten sie...in Japan kaufen die Japaner stattdessen Staatsanleihen und finanzieren ihren Staat auf diese Weise.....;-).....bis morgen und liebe Grüße...

 

Ihre Miriam Kraus

 

 

Zum ersten Teil von: Für wen arbeiten Sie?
von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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