Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus…
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 25. Juni 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Jedes Land der Welt musste schon mit der Schelte und einem gehobenen Zeigefinger von den Vertretern der Vereinigten Staaten klarkommen. Die amerikanische Wirtschaft war über so viele Jahre die beste der Welt... und die amerikanischen Experten, Regierungsvertreter, Professoren und Berater wurden nie müde, das auch zu sagen.
Doch heute gilt, dass sich, wie die Rolling Stones sagen... "Tables turn and now her turn to cry." [das Blatt wendet und jetzt ist sie an der Reihe, zu weinen] Jetzt kommen die Tränen aus den Augen der Vereinigten Staaten, und die Menschen aus dem Ausland erledigen das Schelten.
Bloomberg berichtet, dass die amerikanische Neubautätigkeit auf dem geringsten Niveau in 17 Jahren liegt. Die Hauspreise fallen zudem, während die Verbraucherpreise steigen - und beide tun dies anscheinend immer schneller.
Die Verbraucherpreise sind in den Vereinigten Staaten im vergangenen Monat um 1,4% gestiegen, nach einem Anstieg von 0,2% im Vormonat... rechnet man diese beiden Monate auf das Jahr hoch, dann erreicht man eine Wachstumsrate von knapp 10%.
Gleichzeitig sind die Preise, die von den Herstellern bezahlt werden, 7,2% höher als noch vor einem Jahr.
Weltweit liegt die Inflation bei ungefähr 7% berichtet Bill Gross von PIMCO.
Und weil die Preisinflation mittlerweile globalisiert ist, gibt es kein Entkommen mehr.
Hier in Großbritannien liegt die Verbraucherpreisinflation offiziell auf dem höchsten Niveau in 10 Jahren.
"Es gibt wirklich nichts, was man dagegen tun kann", sagte ein Analyst bei einem Morgentreffen in der vergangenen Woche. Wir sind eine kleine Insel. Wir müssen Produkte aus dem Ausland importieren. Die Preise steigen überall. Wie sollen sie dann hier nicht steigen?
Wir sind doch erst am Anfang des Trends. Es wird noch schlimmer werden.
Es wird überall noch schlimmer werden. Die Inflation steckt in den Leitungen. Schon bald werden wird sie die Abflussrohre der Badewanne verstopfen und aus den Gullideckeln hervorquellen.
In den vergangenen 15 Jahren hat die Welt gewaltige Inputs von Liquidität gesehen - Bargeld und Kredite von den Zentralbanken und von der Finanzindustrie. Alle waren absolut zufrieden, wenn der Saft in die Preise der Anlagewerte ging. Aber die Blasen sind eine nach der anderen geplatzt... und jetzt geht die Liquidität an Orte, an denen sie nicht willkommen ist - in die Rohstoffe, die Lebensmittel und den Treibstoff.
Verbraucher und Zentralbanken sitzen beide in der Falle.
Die Zentralbanken wollen die Zinssätze senken und die Liquidität erhöhen, und die nachgebende Wirtschaft zu stimulieren. Aber ihre Inflation lässt heute nicht mehr die Preise der Anlagewerte steigen und sie fördert heute auch nicht mehr das Wirtschaftswachstum, heute schwappt sie zu den Verbraucherpreisen über.
Und die armen amerikanischen Verbraucher... sie haben ihre ganze Karriere dafür hergegeben, sich auf eine Wirtschaft vorzubereiten, die es so nicht mehr gibt. Sie haben ein großes Haus... ein großes Auto... und häufig auch eine große Hypothek.
Amerikas weit entfernte Vororte wurden gegründet, als die Benzinpreise noch bei 25cent pro Gallone lagen und die Einkommen in den Vereinigten Staaten effektiv stiegen. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Ich bin zur Tankstelle gefahren und habe dem Typen, der dort arbeitete gesagt: Für 2 Dollar." Verdammt, damals brauchte man nur 2 Dollar. Und man bekam acht Gallonen - genug, um eine ganze Woche auszukommen.
Heute kostet Benzin vier Dollar pro Gallone... und die Einkommen sind kaum höher als in den späten Sechzigern. Und heute leben die Pendler häufig zu weit in den Vororten, als dass sie noch zur Arbeit laufen könnten. Und selbst wenn sie es könnten, gibt es hier noch einen Beitrag aus dem Wall Street Journal, der auch wenig beruhigend ist.
Noch mehr Leid: Die Schuhpreise steigen."
In dem Beitrag heißt es, dass auch die Preise für Schuhe steigen, um ungefähr 10% bis 15% im nächsten Jahr, was dann der höchste Anstieg innerhalb eines Jahres seit mehr als 50 Jahren sein würde."
Und der arme Mensch hat sich nicht die Mühe gemacht, Geld zu sparen. Denn das war nicht nötig. Sein Haus ist im Wert gestiegen... und es gab immer jemanden, der ihm Geld geliehen hat, wenn er es brauchte. Doch heute... steigt der Preis für Kredite auch zu schnell.
Wir betrachten hier etwas ganz Großes. Es ist eine historische Wende.
In finanzieller Hinsicht ist es das Ende der Ära günstiger Kredite. In kultureller Hinsicht ist es das Ende des wohlhabenden, vorstädtischen Amerikas, so wie wir es immer gekannt haben...
das Ende der Vereinigten Staaten, in denen ich aufgewachsen bin.
Die letzte Kreditexpansion hat, nebenbei, mit der Revolution unter Reagan angefangen, in den frühen Achtzigern, als die Anleihenerträge noch bei über 15% lagen. Sie endete entweder 2003 oder 2005 oder vor zwei Wochen. Die Erträge von zehnjährigen Schatzanleihen sind zu verschiedenen Gelegenheiten auf unter 4% gefallen.
Aber heute steigen sie. Die Investoren fürchten eine steigende Inflation. Selbst bei den aktuellen Wachstumsraten kaufen sie immer noch die Schatzanleihen mit Erträgen, die unter dem Satz der Verbraucherpreisinflation liegen. Aber sie werden es, meiner Ansicht nach, bereuen. Der Trend scheint nach oben zu gehen. Es ist der Anfang einer vermutlich langen Phase höheren Inflationsraten... höherer Anleihenerträge... und ganz allgemein strafferer Kreditbedingungen.
Ebenso sind wir in eine Phase steigender Energiepreise eingetreten. Der Ölpreis hat zuletzt einen neuen Intraday-Rekord von fast 140 Dollar aufgestellt. Er wird vermutlich auf unter 100 Dollar zurückfallen... aber die Tage, an denen Öl 10 Dollar... 20 Dollar... oder auch 50 Dollar kostete, sind vermutlich auf ewig vorbei.
Und die Vororte? Sind sie heute auch tot? Ich weiß es nicht... aber ich hoffe es; sie haben mir noch nie gefallen.
All das sind schlechte Nachrichten für diejenigen, die ihr Leben rund um das billige Öl und die günstigen Kredite aufgebaut haben - und ganz besonders für diejenigen, für die es heute schon zu spät ist, große Veränderungen zu machen.
USA Today berichtet beispielsweise, dass die Zahl der Konkurse unter alten Menschen in die Höhe schießt. Zwischen 1991 und 2007 ist ihre Zahl um 150% gestiegen. Aber für diejenigen im Alter zwischen 75 und 84 ist die Zahl um 433% explodiert.
Die armen alten Knacker.
Es ist doch schon schlimm genug, alt sein. Aber stellen sie sich vor, dann auch noch pleite zu sein.