Wie man Haushaltsprobleme löst...
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 21. Dezember 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
bevor ich zur heutigen Ausgabe komme noch ein kurzes Wort zum letzten Freitag:
Ich freue mich, dass derart viele von Ihnen sich für meinen neuen Dienst interessieren und sich für ein Probe-Abo angemeldet haben. Gerade weil es sich bei Optionen aus Sicht zahlreicher deutscher Anleger ja eher um ein "Randthema" handelt, hat mich das wirklich hohe Interesse Ihrerseits um so mehr überrascht und natürlich sehr erfreut!
Kommen wir nun aber zur heutigen Ausgabe.
Verweigerten vor Monaten zahlreiche Anleger und "Experten" noch die Realität und befürworteten wie besessen diverse "Rettungsprogramme" und "Bailouts" für den Finanzsektor, so setzt sich nun in der Öffentlichkeit und in verschiedenen Medien immer mehr die Erkenntnis durch, dass das Thema "Staatsschulden" durchaus ein gewisses Gewicht hat.
Das Handelsblatt etwa schreibt in einem sehr interessanten Artikel "Ökonomen öffnen den Giftschrank" von einer US-Studie, welche darlege, wie mit jedem neuen Schulden-Dollar der USA die Versuchung, die Inflation hochzudrehen, für die US-Regierung immer weiter steigt. Dies ist vom Grundgedanken natürlich richtig, jedoch entgeht dem Handelsblatt hier offenbar, dass schon seit einigen Jahren ein Inflationsprogramm in den USA läuft, welches durch entsprechende "Kleinrechnungen" und Statistiktricks nur in begrenztem Maße offensichtlich war (allerdings auch maßgeblich dazu beitrug, ein Scheinwachstum in den Wirtschaftsstatistiken zu erzeugen, indem von der nominellen Wirtschaftsleistung über den sog. "GDP-Deflator" und einige weitere Tricks weit weniger Inflation abgezogen wird als tatsächlich auftretend).
Für kritische Beobachter des geldpolitischen Wahnwitzes der USA und der FED dürften diese Nachrichten also nicht wirklich überraschend sein. Ob diese Nachricht aber auch damit zu tun hat, dass China gerade dabei ist, den US-Dollar-Geldhahn immer weiter zuzudrehen?
In der BRD ist man kreativer: Klima-Steuern im Anflug!
Deutlich interessanter scheint man allerdings hierzulande vorgehen zu wollen. Nachdem ja seit Jahren bereits mit medialen Panikkampagnen zum sich täglich verschlimmernden, drohenden CO2-Armaggedon auf den Verstand der Bevölkerung eingeschlagen wird, sehen einige "schlaue Köpfe" nun anscheinend ihre Chance zur "Haushaltskonsolidierung" (in anderen Worten: weiteres Auspressen des Steuerzahlers).
Das Rezept: Die Klimasteuer!
Eigentlich eine wunderbare Sache, oder nicht? Nahezu kein Mensch kann überprüfen, wann das Klima vielleicht eines Tages einmal gerettet ist (oder ob man es überhaupt in der besagten Form, wie immer gepredigt, "retten" muss?). Und falls dem Steuerzahler Zweifel kommen sollten, werden eben notfalls schnell die Daten passend gemacht, wie bereits in größerem Stil erfolgt.
Sie denken, ich spinne mir hier eine Verschwörungstheorie zurecht? Wie Sie meinen...
Nur sollten Sie dann vielleicht bedenken, dass auch das Research der Deutschen Bank wohl unter die ganz ganz bösen "Verschwörungstheoretiker" gegangen ist, denn dort kam man in einer Studie mit dem Titel "Mit Klimasteuern die Haushalte sanieren?" auf richtig "tolle" Ideen:
Schon der einleitende Satz der Studie lässt eine schlimme Richtung für den hart arbeitenden Steuerzahler erahnen:
Nahezu alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben wegen Konnjunkturprogrammen, Rettungspaketen und krisenbedingten Steuerausfällen mit gravierenden Haushaltslöchern zu kämpfen.
Es ist nun aber kein Geheimnis, dass Steuererhöhungen in der Bevölkerung nicht unbedingt zu Freudentaumel führen. Die Deutsche Bank hat dafür natürlich auch sofort ein Rezept bereit:
Daher kann es sinnvoll sein, die Erhöhung von Abgaben nicht nur mit dem Konsolidierungszweck, sondern mit – öffentlich unterstützten – Lenkungszwecken zu rechtfertigen. Dies ist bei so genannten Klimasteuern der Fall. Sie sollen gleichzeitig zu steigenden Einnahmen für den Staat führen und die Lösung eines großen, weltweiten Problems, nämlich des voranschreitenden Klimawandels, vorantreiben.
Im Klartext: Wenn man den Leuten erzählt. dass sie für "den guten Zweck", also den "Kampf" gegen das "böse CO2", bald noch mehr zahlen dürfen, werden sie es schon schlucken.
Dabei erkennt die Deutsche Bank in ihrer Studie sehr richtig:
Langfristig drückt eine hohe Schuldenlast auf die öffentlichen Haushalte, die dringend konsolidiert werden müssen.
Dann wird in der Studie vorgerechnet, welche Einnahmen durch Klimasteuern für den Staat winken dürften:
Das Rechenbeispiel zeigt aber, dass in vielen Ländern – darunter z.B. Deutschland und Spanien – kurzfristig die Erhebung von Klimasteuern in Höhe von bis zu 1% des BIP möglich wäre [...] Würde Deutschland dagegen die fiktive Marke von 3% des BIP erreichen, bedeutete dies ca. EUR 20 Mrd. Mehreinnahmen aus Klimasteuern für den deutschen Fiskus.
Was wohl der Bundesfinanzminister zu 20 Milliarden Mehreinnahmen in solch "klammen Zeiten" sagen würde? Ich bin mir sicher, diese Studie liegt dort wahrscheinlich schon auf dem Schreibtisch (und wird dort auch im Gegensatz zu manch anderen Dingen in der Vergangenheit nicht in irgendeiner der vielen Schubladen verloren gehen bzw. in Vergessenheit geraten...).
Jetzt fehlt nur noch der letzte Schritt: Es müssen genug "Experten" her, welche die Bevölkerung immer wieder in den Massenmedien zeitgleich mit dem Gedanken konfrontieren, dass all die "Klimaschutzabgaben" und etwa die Mineralölsteuer leider steigen müssen. Und wer hätte das denn gedacht? Die Medien sind bereits voll damit:
Die Zeit etwa schreibt:
Für den Klimaschutz soll Benzin teurer werden. Wer fährt, soll auch für den Klimaschutz zahlen. Verkehrsexperten verlangen von der Politik eine Strategie, die Mobilität umweltschonender macht.
Na wenn das nicht ein guter Zweck ist? Natürlich nur für's Klima. Alles andere ist, wie immer, "Verschwörungstheorie", denn Berlin möchte bekanntlich nur Ihr Bestes! Und an den stets aufrichtigen Absichten in Berlin wird doch in einer "Musterdemokratie" wie der Bundesrepublik Deutschland niemand, der noch bei Verstand ist, zweifeln?
Ein weiteres Beispiel: Der Berliner Tagesspiegel schreibt:
Für die Verbraucher muss es Anreize geben, langfristig Benzin zu sparen – etwa durch eine höhere Besteuerung von Benzin oder eine umweltorientierte Kfz-Steuer.
Wenn die Bundesregierung also demnächst die Steuern natürlich nur "für's Klima" erhöht, dann werde ich diese Abgaben ganz besonders gerne bezahlen. Schließlich geht es ja um einen guten Zweck. Wenn es darum ginge den durch ewige Misswirtschaft und Banker-"Rettungspakete" angeschlagenen Haushalt irgendwie weiterhin mit Geld zu füllen, dann wäre das ja etwas anderes. Aber für einen guten Zweck öffnen wir doch gerne die Geldbeutel. Ein Schelm, wer sich dabei wundert, wie geschickt all diese Punkte doch zeitlich und medial mit dem sog. "Klimagipfel" in Kopenhagen wirksam zusammenfallen. Wie gut, dass solche "Verschwörungstheorien" ja nur von irgendwelchen Spinnern im Internet geschrieben werden. Denn was im Internet steht, stimmt ja bekanntlich sowieso nie...
Beste Grüße
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Papp Ernoene (21.12. 2009 16:23 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn. Ihre heutige Ausführungen über Klimasteuer, bzw. Klima: Einfach herrlich. Und wie die große Massen - auch ich - es schlucken müssen. Panem et circensis - Spruch der alten Römer, ist heute viel aktueller. Wünsche Ihnen einen schönen Weihnachtsfest, sowie ein erfolgreiches Neujahr, Dr Ernoene Papp Ungarn
Antworten - Kommentar von Thomas (21.12. 2009 17:24 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, es gibt längst Klimasteuern. Die Stromsteuer finanziert die Zuschüsse für die erneuerbaren Energien in Milliardenhöhe. Ich möchhte ABER hier auf folgendes hinweisen. 1. Wenn wir den Klimawandel ignorieren, dann werden zuerst andere Staaten dafür bezahlen (Inselstaaten, Afrika). Die Folgen sind doch längst sichtbar. Es ist doch wohl unstrittig, dass es einen hohen CO2-Ausstoss durch den Menschen gibt. Wollen wir erst darauf warten, dass das Klima kollabiert und DANACH sagen - o.k., hatten halt doch die meisten Wissenschaftler Recht, war wohl doch der Mensch, Pech gehabt ? 2. Zum Thema Steuern. Die aktuelle lachhafte Steuersenkung von CDU und FDP zeigt doch, das es so auch nicht geht. Sie zeigen doch selbst immer wieder auf, wo die massive Verschuldung des Staates hinführt. Was wird denn passieren ? Irgendwann können die Staaten ihre Zinsen nicht mehr bezahlen. Es ist m.E. sogar ein Demokratieproblem, dass nur der Politiker gewählt wird, der das meiste Geld ausgibt. Das führt aber zwangsläufig zum Kollaps. Wenn alle etablierten Parteien den Sparkurs fahren würden, wäre allerdings Oskar Lafontaine schon Bundeskanzler. 3. Es wäre wichtig, Alternativen aufzuzeigen. Ich sehe aber keine einfache ! Nur auf den Polikern herumzuhaken, bringt somit auch nichts. 4. Das Hauptproblem unserer gegenwärtigen Welt ist der massive Reichtum einer weniger Millardäre. Die ziehen den gesamten Wohlstand ab und lassen dem Rest keine Luft zum Atmen. Und man kann diesen Leuten nicht mal an der Börse das Geld abnehmen, da sie auch hier sehr clever sind.
Antworten - Kommentar von Günter Reiter (21.12. 2009 20:03 Uhr):
Ich stimme Ihnen zu!
Antworten - Kommentar von Andreas Franke (04.01. 2010 13:43 Uhr):
Hello Alexandre, RESPEKT, Ihr Andreas
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