Wie lange kann das noch gut gehen?
Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 14. Februar 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Tom Firley
Die vordringliche Frage zum Dax ist in den meisten allgemeiner gehaltenen Börsen-Berichten eigentlich nicht mehr: „Wie weit kann der Dax noch steigen?“, sondern „Wann kommt die Korrektur?“.
Und da so (eigentlich) jeder auf eine Korrektur wartet, kommen wieder andere Analysten zu dem Schluss, dass es genau wegen dieser Erwartungshaltung so schnell eben zu keiner Korrektur kommt.
Verwirrend, nicht wahr? Finde ich auch.
In solchen Börsen-Situationen stelle ich mich gerne selbst ein wenig näher an die Seitenlinie, gucke mir meine Depotwerte an und schiebe die gewinnsichernden Stopps bei den einzelnen Positionen etwas höher. Dabei kommt es natürlich ganz darauf an, welche Erwartungshaltung ich selbst beim Kauf einer Position hatte.
Es ist, denke ich, kein großartiges Geheimnis, dass ich eine Exxon-Aktie als langfristiges Investment sehen würde. Daher würde ich bei diesem Wert auch keinen Stopp setzen. Vielmehr stelle ich mir immer wieder die Frage, bei welchem Kurs ein Aufstocken der Position Sinn machen würde. So gesehen habe ich – dank meinen Charts – ein gewisses „Gefühl“ für den Öl-Giganten. Und so gesehen brauchen Sie für die langfristige Auswertung wirklich keine ausgeklügelten Methoden, ein Wochen-Chart reicht vollkommen:

Vollkommen emotionslos dagegen handle ich bei sogenannten Mode-Werten, z.B. aus dem TecDax. Wenn die Story einer erworbenen Aktie oder das Umfeld nicht mehr absolut überzeugend erscheint oder der Wert heiß gelaufen ist, dann fahre ich stur meine Strategie und lasse dem jeweiligen Wert sogar noch weniger Luft zum Atmen, d.h. ich nehme statt einem 10%-Trailing-Stopp z.B. einen 5%igen Stopp.
Manchmal wird man mit solch einer Strategie zu früh ausgestoppt und man muss nach dem ausgelösten Stopp einen davon eilenden Kurs hinterhersehen. Auf der anderen Seite (und das ist ja der Sinn der Sache) ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Kurs nach dem ausgelösten Stopp noch weiter fällt. In diesem Fall hat es sich also gelohnt, die eigene Strategie zu verfolgen.
Und das, meine lieben Leser, hat nichts mit Glück oder Pech zu tun, sondern einzig und allein mit etwas Erfahrung und Mathematik. Mehr nicht.
Das einzige Ziel eines Investors (oder auch Spekulanten) muss es sein, mehr Gewinne zu realisieren als Verluste hinzunehmen. Je nach Börsenentwicklung kann das in einem Jahr 100% Plus (oder wesentlich mehr) bedeuten, in einem anderen Jahr muss sich ein Investor auch einmal mit einem Nullsummenspiel begnügen.
Ich nehme an, dass die meisten von Ihnen seit Jahresanfang hübsche, aber noch nicht realisierte Gewinne eingefahren haben, Ihre Aktien also noch halten. Seien Sie jetzt besonders wachsam, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß (bzw. wird immer größer), dass Sie mit einem Wert heute beispielsweise 40 Prozent im Gewinn liegen und nächste Woche mit demselben Wert nur noch 30 Prozent. Auf was kommt es dann an?
Denken Sie zurück an den Kauf der Aktie. Hatten Sie damals eine Strategie oder gar ein festgelegtes Kursziel? Wollten Sie tatsächlich mehr als 30% erreichen oder wären Sie damals schon vollkommen zufrieden gewesen mit den jetzt erreichten 30%?
Sobald Sie sich diese Frage beantwortet haben, liegt das weitere Vorgehen auf der Hand. Trauern Sie also nicht den möglich gewesenen 40% Gewinn nach, sondern realisieren Sie die 30% Gewinn und beobachten Sie den Wert weiterhin. Ich wette mit Ihnen, dass es auch danach – wenn die Fundamentals stimmen und sich die Aktie wieder beruhigt hat – einen erneuten sinnvollen Einstieg gibt, möglicherweise aber ein sehr gutes Stück unter Ihrem Verkaufskurs…
Diese Prozentzahlen sind übrigens rein hypothetisch zu verstehen. Die genauen Ausstiegspunkte ergeben sich, ich wiederhole, meist im kürzerfristigen Chartbild.
Viel Spaß beim möglichen Gewinne mitnehmen
Ihr
Tom Firley