Wie lange hält die Risikofreude diesmal?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 20. Juli 2009, 20:00 Uhr
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Große Freude macht sich in den Märkten breit - allgemein bekannt als Risikofreude.
Doch was soll das eigentlich heißen? Aktuell sind es eigentlich "nur" die besser als erwartet ausgefallen Berichts-Ergebnisse, die Freude aufkommen lassen. Bis jetzt haben etwa 71% der S&P-Unternehmen, welche ihre Ergebnisse für das 2.Quartal berichtet haben, besser als erwartet ausgefallene Ergebnisse bekannt gegeben. Man muss es schon zugeben: die Erwartungen waren vorher wohl doch zu pessimistisch.
Nichts desto trotz sprechen wir hier ja im Allgemeinen noch nicht von großen Gewinnen, sondern einfach übertroffenen Erwartungen.
Doch schließlich tut das den mittlerweile hinlänglich bekannten Auswirkungen keinen Abbruch: die Aktienmärkte legten in der vergangenen Woche fulminant zu. Der Dax schloss am Freitag im Wochenvergleich mit rund 8,8% im Plus, der Hang Seng schloss mit 6,2% Plus gegenüber der Vorwoche. Der Nikkei legte 1,2% im Plus im Wochenvergleich zu und der Dow Jones sogar 7,33%. Der S&P schloss mit 6,97% im Plus.
Solch Freude übertrug sich auch auf die Rohstoffmärkte - Erdöl notiert deutlich über 60 US-Dollar das Barrel und auch die Industriemetalle haben weiter zugelegt.
Doch, Halt! Auch der Goldpreis ist deutlich gestiegen. Der London Gold Fix PM wurde heute bei über 952 US-Dollar festgesetzt. Wie kann das sein, wenn es nur um Risikofreude geht, wenn die so genannten Safe-Haven-Assets gerade nicht cool sind?!
Eine fast schon rhetorische Frage, ich weiß! Die Antwort lautet natürlich: der US-Dollar, welcher mittlerweile wieder schwächelt.
FX-Märkte in Hab-Acht-Stellung!
Sicher, der USD notiert wieder schwächer, aber eigentlich noch nicht wirklich außerhalb der Range. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,4226.
Quelle: CFX-Broker
Sicher, der Risikoappetit ist wieder da, doch bei den FX-Märkten, die im Moment noch in dünneren Volumina handeln, gewinnt man das Gefühl, dass eine gewisse Vorsicht nicht außer Acht gelassen wird.
Zwar werden die FX-Märkte ganz aktuell auch von den Bewegungen in den Aktienmärkten und damit durch die Berichts-Saison dominiert, doch wie lange das so bleiben wird, ist fraglich. Denn die Devisenmärkte scheinen doch noch auf etwas zu warten: nämlich bedeutsame, ernsthafte Erholungs-Signale von Seiten der Wirtschaftsindikatoren-Front, die aber bekanntlich noch auf sich warten lassen.
Ob sich der Risikoappetit hält ist fraglich - ebenso, ob der Druck auf die US-Währung auch mittelfristig anhält.
Dennoch gilt es eine weitere Überlegung mit einzubeziehen, die mich gerade in Bezug auf den zweiten Punkt positiv stimmt: ein Trend der sich sehr langsam zu etablieren beginnt:
Die internationale Nachfrage nach US-Assets ist rückläufig
Wie das US-Finanzministerium berichtet haben ausländische Investoren im Mai so viel Treasury Notes und Bonds verkauft wie seit 6 Monaten nicht mehr. Vor allem zielen die Verkäufe auf Anleihen mit längerer Laufzeit ab.
Im Total wurden für Mai Netto-Verkäufe von Bonds und Notes mit längeren Laufzeiten in Höhe von 19,8 Milliarden US-Dollar verzeichnet. Dies im Vergleich zu Netto-Käufen in Höhe von 11,5 Milliarden US-Dollar im Vormonat.
Ausländische Regierungen haben im Mai insgesamt Notes und Bonds (mit längerer Laufzeit) im Wert von 21,8 Milliarden US-Dollar verkauft. Dafür wurden Bills mit kurzer Laufzeit im Wert von 55,6 Milliarden US-Dollar gekauft.
Der Trend von US-Staatsanleihen mit längerer Laufzeit hin zu solchen mit extrem kurzer Laufzeit bestätigt sich immer mehr. Ein deutlicher Grund zur Besorgnis für die hochverschuldeten USA - und ein Zeugnis nachlassenden Vertrauens ausländischer Regierungen in die Stabilität von US-Assets.
Nun ja, wie immer: man wird sehen, was da noch kommen mag! Widmen wir uns im zweiten Teil noch kurz dem Goldpreis, für welchen die USD-Entwicklung offenbar so bedeutsam ist.