Wie lange hält die gute Stimmung an?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 10. Dezember 2008, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
was wir da in den letzten drei Tagen beobachtet haben sollte uns durchaus nachdenklich stimmen. Der noch nicht einmal amtierende US-Präsident Obama kündigt ein Konjunkturpaket an (ich schrieb am Montag von der Euphorie) und was passiert? Die Märkte starten eine fröhliche kleine Rallye.
Fand ich toll, muss ich ganz ehrlich sagen! Die Aktienmärkte notieren immer noch leicht im Plus und die Rohstoffpreise konnten ebenfalls zulegen. Natürlich geht der Markt mittlerweile schon wieder langsam zur Tagesordnung" über und die Bilder von Magic-Obama verblassen langsam in den Köpfen.
Was die letzten drei Tage uns aber vermitteln wollen ist klar: der Markt will und braucht Hoffnung. Er will und braucht jemanden der ihm Zuversicht und Vertrauen zurückgibt.
(Wobei ich die massiven angekündigten Konjunkturprogramme in China und den USA, mit ihrem Fokus auf der Stimulierung des Infrastrukturwachstums nur begrüßen kann. Auch im Hinblick auf die Rohstoffpreise.)
Doch sind wir ganz ehrlich: keines der weltweit angekündigten Konjunkturprogramme hat bislang Einfluss auf die Realwirtschaft genommen. Doch der Markt geht wohl davon aus, dass weitere Reaktionen von Seiten der Staaten folgen werden und preiste in den letzten Tagen sogar negative Konjunkturdaten positiv ein.
Die Zukunft sieht wohl doch nicht ganz so rabenschwarz aus wie manche glauben...
Doch ist das nun schon der Beginn von Alles-wird-wieder-gut?
Möglich, aber ich möchte davor warnen sich nicht täuschen zu lassen.
Lassen Sie uns nun gemeinsam die US-Dollar-Entwicklung betrachten. Schließlich ist gerade die Entwicklung der US-Währung bedeutsam für einen Rohstoff-Interessierten Anleger, aufgrund der hohen Korrelation zur Entwicklung der Rohstoffpreise.
Der USD hat in der positiven Stimmung der letzten drei Tage weiterhin deutlich schwächer gehandelt. EUR/USD notiert gegenwärtig bei 1,3025.
Wir können nun in die Hände klatschen, uns freuen und laut ausrufen: haben wir es nicht immer gesagt?! Irgendwann muss das künftige inflationäre Szenario ja eingepreist werden - was dann USD-negativ und Gold-positiv ist.
Ja, so oft ich hier im Rohstoff-Daily, als auch im Devisenmonitor schon geschrieben habe, dass dies meine Erwartungshaltung ist, so vorsichtig bin ich jetzt zu für in Euphorie zu geraten.
Warum?
Ich beobachte die US-Schatzanleihen. Die Nachfrage nach US-Treasuries ist weiterhin sehr hoch. Und zwar so hoch, dass die 3-Monats-T-Bill-Yield mittlerweile im Negativen Bereich liegen. Gestern passierte dies zum ersten Mal seit 1940.
Wenn nun aber das US-Finanzministerium Kredit - auf gut deutsch - zu 0% aufnehmen kann, dann bedeutet das, dass der USD seinen Reserve Status eben doch noch nicht eingebüßt hat. Auch das Deleveraging im Finanzsektor scheint mir noch nicht beendet zu sein.
Anzeichen, die folglich eher USD-positiv zu werten sind.
Was bedeutet das nun für uns? Steigt der USD wieder und fällt dann der Goldpreis?
Sagen wir es mal so: kurz- bis mittelfristig würde ich das gar nicht ausschließen (wobei ein Rückgang im Goldpreis ja immer einen guten Kaufanreiz bietet).
Worauf es aber - meiner Meinung nach - tatsächlich ankommt, ist die Stimmung!!
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