Wie lange hält die Erholungsfreude?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 16. Juni 2010, 20:00 Uhr
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Die Märkte haben also die Vuvuzela ausgepackt und sich zu einer Erholungsbewegung hinreißen lassen?! Na ja, zugegeben, ganz so euphorisch, sind sie noch nicht die Märkte. Noch kein Final-Gewinn, aber immerhin ein gutes Auftaktspiel.
Es ist deshalb nicht ganz leicht, zu unterscheiden, ob es sich generell bei der aktuellen "Stimmungsverbesserung" an den Märkten, tatsächlich um ein positives Umdenken, mit der Erwartung, dass von der Eurozone doch keine globalen Wachstumsrisiken ausgehen, oder schlicht um ein zwischenzeitliches Ermüden der Bären, mit einer vorerst ausgereizten pessimistischen Schmerzgrenze handelt.
Klar, wir wachsen noch immer alle ganz nett, nach der Rezession. Die USA allerdings schon wieder ein wenig weniger stark als zuvor (US-BIP-Wachstum im 1.Quartal 0,8%, nach 1,4% im 4. Quartal 09). Die Eurozone konnte dagegen wohl ein wenig zulegen. Nach ersten Schätzungen von Eurostat wuchsen sowohl die Eurozone, als auch die EU27 um jeweils 0,2% im 1.Quartal 2010, nach + 0,1% und + 0,2% im 4.Quartal 09. Japans Wirtschaft wuchs immerhin mit 1,2% im 1.Quartal, nach 1,0% im Vorquartal.
Na ja, immerhin, könnte man jetzt sagen! Immerhin wächst da was. Auf der anderen Seite haben sich eigentlich die zugrunde liegenden Probleme der hohen Defizite und Staatsschulden weltweit (und natürlich in der Eurozone) nicht geändert. Aber dafür gibt's ja jetzt die europäischen Sparprogramme! Doch, wie die sich allerdings auf das Wachstum dann auswirken werden, vermag und will von offizieller Seite noch niemand so wirklich sagen.
Deutschland die Wachstumslokomotive
"In der Tat," glaubt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret "Deutschland wird zur Wachstumslokomotive Europas." In der Tat, hat der Dombret aktuell gar nicht mal so unrecht, denn Deutschlands Exportmaschine ist im 1.Quartal wieder angesprungen. Und so bezeichnen denn auch nicht nur die Bundesbanker Deutschlands Exporte als Anstriebsmotor, nicht nur für das deutsche, sondern auch für das europäische Wachstum.
Die Bundesbank glaubt, dass die deutsche Wirtschaft, gestützt auf den Export, in diesem Jahr um 1,9% und im kommenden Jahr um 1,4% wachsen wird. Eurostats Prognosen liegen im Moment bei 1,2 % und 1,6%. Die EZB rechnet sich, dank Deutschland, dem Schrittmacher des Aufschwungs, für die Eurozone ein Wachstum von 1% aus. Tja, liebe Mitdeutsche, da haben wir viel zu tun. Auf uns ruhen offenbar die Hoffnungen eines halben Kontinents. (Aber im eigentlichen Sinne nicht nur auf uns, denn die Hoffnungen ruhen ja vor allem auf unseren Exporten, folglich auf irgendjemandem, der unsere Produkte abnimmt.)
Ob das allerdings auch alles so klappt, was sich die Offiziellen da so vorstellen, bleibt fraglich. Denn das deutsche Sparpaket hat bislang noch keiner in seinen Prognosen so wirklich berücksichtigt. Andererseits ist das deutsche Sparpaket gerade einmal groß genug, um auf die Schuldenbremse zu treten - und mit Absicht wohl klein genug, um zumindest die Hoffnung zu erwecken, dass das Wachstum nicht abgewürgt wird.
In anderen europäischen Staaten sieht das aber anders aus. Hier sind die Sparprogramme, gezwungenermaßen, wesentlich drastischer - und die Wachstumsaussichten damit wahrlich nicht verlockend.
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