Wie können Swapspekulanten an Pleiten verdienen?
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 20. Oktober 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
In den beiden vorhergehenden Beiträgen haben wir untersucht, ob mittels Swapspekulationen Pleiten herbeigeführt werden können. Anhand der verfügbaren Daten muss das verneint werden. Das heißt aber nicht, dass Investoren und Spekulanten nicht trotzdem Geld mit der Pleite eines Unternehmens oder Landes verdienen können. Wie das geht, zeigt der heutige Beitrag.
Swapgeschäfte sind im Prinzip günstig und einfach
Wie würde eine Spekulation auf die Pleite eines Staates oder auch Unternehmens ablaufen? Nehmen wir an, Sie würden auf die Pleite von Deutschland spekulieren. Dann kaufen Sie sich jetzt eine Kreditausfallversicherung (Credit Default Swap, CDS) und zahlen dabei pro Million Euro versichertes Anleihevolumen pro Jahr 9.000 Euro an den Versicherungsgeber. Aufbringen müssen Sie also keine Million, sondern pro Jahr nur 9.000 Euro.
Sollte Deutschland wirklich die Zahlungsunfähigkeit verkünden, könnten Sie die Anleihe mit einer Nominale von einer Million Euro zum Spottpreis auf dem freien Markt einkaufen, reichen Sie an den Versicherungsgeber weiter und bekommen dafür eine Million Euro ausgezahlt.
Sie brauchen keine Staatspleite, um Geld zu verdienen
In der Realität dürften aber die wenigstens eine Staats- oder Unternehmenspleite abwarten. Lukrativer ist es, auf eine Verschlechterung der Bonität zu setzen. Denn je geringer die Bonität eines Schuldners ist, desto höher sind die Versicherungsprämien.
Nehmen wir wieder Deutschland. Sie kaufen einen CDS und zahlen dafür fortan 9.000 Euro pro Jahr. Sie haben richtig gesetzt, die Bonität Deutschlands verschlechtert sich. In drei Jahren sind die Prämien von 9.000 auf 90.000 Euro gestiegen. Doch Vertrag ist Vertrag - Sie müssen für Ihren Altvertrag weiterhin nur 9.000 Euro bezahlen.
Sie können diesen CDS-Vertrag nun weiterverkaufen. Sie bekämen vom neuen Käufer pro Jahr 90.000 Euro und würden davon 9.000 Euro an Ihren Versicherungsverkäufer weiterreichen. Die Differenz von 81.000 Euro ist Ihr Gewinn.
Oder Sie bitte um Auflösung des Vertrages. Dann wird ausgerechnet, wie viel Sie mit Ihrem Altvertrag und wie viel Sie mit einem neuen Vertrag bis zum Vertragsende bezahlen müssten. Die abgezinste Differenz wird Ihnen dann vom Versicherungsgeber ausgezahlt, der durch die Vertragsauflösung seine Risiken reduziert.
Mit einer Wette gegen Griechenland wären Sie jetzt Millionär
Wie Sie sehen, bedarf es gar keiner Pleite, um mit Credit Default Swaps viel Geld zu verdienen. Hätten Sie vor zwei Jahren einen Swap für griechische Anleihen gekauft, wäre der Gewinn enorm. Sie hätten bis jetzt bei einem versicherten Volumen von einer Million Euro keine 50.000 Euro bezahlt - Ihr Vertrag wäre jetzt aber mehrere Millionen Euro wert. Also mehr als das versicherte Volumen.
Vielleicht sind Sie bereits Swapspekulant, ohne es zu wissen?
Es sind übrigens nicht (nur) milliardenschwere Großspekulanten, die an einer Pleite von Staaten und Firmen verdienen würden. Während meiner Tätigkeit für eine europäische Großbank hatte ich Einblick in die Geschäfte deutscher Pensionsfonds. Pensionsfonds, in die hunderttausende Deutsche direkt oder indirekt über ihren Arbeitgeber einzahlen. Und es waren auch diese Pensionsfonds, die teilweise sehr aktiv auf dem Swapmarkt handelten. Letztendlich sind also auch viele normale Bürger, die sich privat rentenversichern, Swapspekulanten.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (20.10. 2011 10:38 Uhr):
Ihre Diktion gefällt mir nicht, wenn Sie leichtfertig schreiben "letztendlich sind also auch viele normale Bürger, die sich privat rentenversichern, Swapsspekulanten. So kann man das nicht darstellen, wenn man genau weiß, dass diese normalen Bürger ja nicht wissen können in welcher Form die Pension-Fonds Manager die Gelder anlegen. Eine solche Darstellung passt einfach nicht ins Bild, aber ich schreibe es Ihrem krankheitsbedingten Zustand zu.
Antworten - Kommentar von Thomas Kallwass (20.10. 2011 15:21 Uhr):
Sehr geehrter Herr Karl, Swapspekulant ist weder Schimpfwort noch Beleidigung - ich sehe daher keinen Grund, weshalb Sie den anonymen Swapspekulanten verteidigen müssten. Abgesehen davon reicht mir der Rückzug auf die Position "Ich konnte es nicht wissen" nicht aus. Wer Swapspekulationen als negative Begleiterscheinung des Finanzmarktes ansieht, ist in der Pflicht sich zu informieren, wie sein eigenes Geld angelegt wird und muss ggf. Konsequenzen ziehen. Mit freundlichen Grüßen Thomas Kallwass
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