Wie im Sturzflug
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 26. September 2007 07:30 Uhr
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Es ist das Gefühl, das man bekommt, wenn man älter wird. Es kommt, wenn man mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug abspringt, erklärt Doug. Während einer langen Zeit hat man das Gefühl, dass man in der Luft schwebt. Und dann, ganz plötzlich, nähert sich der Boden.
Wenn man ein Kind ist, dann ist eine Woche eine lange Zeit. Heute geht eine Woche vorbei wie ein Bus durch die Innenstadt. Ich stehe am Bordsteinrand, lese die Schlagzeilen der Financial Times und er fährt vorbei. Es fällt mir kaum auf.
Das Herbstwetter ist in London angekommen. Es ist immer noch warm, aber der Himmel ist bewölkt und die Blätter werden gelb. Was ist mit dem Sommer und dem Frühling passiert, frage ich mich. Ich kann mich kaum an sie erinnern.
Gestern Abend bin ich mit meinen beiden Töchtern ... Freunden ... Freundinnen und Leuten, die von der Straße hereinzukommen schienen, bei einem Abendessen in einer kleinen Wohnung gewesen. „Oh je, oh je“, sagte ich zu mir, „sie werden so schnell erwachsen. Lange Zeit waren sie Kinder. Ich dachte, sie würden auf ewig Kinder bleiben. Aber jetzt passiert alles wie beim Sturzflug ... alles passiert so schnell.“
Die beiden Mädchen sind heute keine kleinen Mädchen mehr; sie sind erwachsene Frauen. Sie sind erwachsen, mit erwachsenen Verhaltensweisen und erwachsenen Problemen. Ich habe versucht mich an sie zu erinnern, als sie noch fünf oder sechs waren. Die Erinnerungen müssen noch irgendwo sein ... aber ich konnte sie nicht mehr finden ... ich konnte mich nicht mehr wirklich erinnern, wie sie damals waren. Ich kenne sie heute nur so, wie sie sind.
Warum sollte das meine lieben Leser interessieren? Nun, ich frage mich, ob es nicht auch in der Wirtschaft so eine Art „Sturzflug“ gibt. Über eine lange Zeit ist alles mehr oder weniger das Gleiche geblieben – in der Luft schwebend. Die Aktien sind leicht gestiegen. Der Kredit floss wie ein Jetstream. Der Dollar ist leicht nach unten gerutscht.
Und dann, wenn man anfängt zu denken, dass diese bequemen Trends dauerhaft sind, dann ändert sich plötzlich alles. Die gesamte „-flation“ im System explodiert ... die Preise schießen in den Himmel ... oder brechen ein. Die Märkte sind getroffen – als ob Leute die Fallschirmspringen, vergessen hätten, den Fallschirm zu öffnen. Und dann kann man sich nicht mehr wirklich erinnern, wie es vorher gewesen ist ... zuerst ist man ganz benommen ... und dann konzentriert sich die gesamte Aufmerksamkeit auf das Niedersausen auf die Erde, dass man nicht mehr an etwas anderes denken kann. Man verliert die Perspektive. Und das, was ist, wird so viel wichtiger als das, was einmal war.
Ben Bernanke hat am vergangenen Dienstag einen Not-Fallschirm geöffnet. Es hat die Stimmung der Anleger nach oben getrieben. Aber wird er wirklich aufhören zu fallen? Wird die Phase des Schwebens in der Luft noch länger andauern? Wie viel länger kann man diese Phase des Schwebens noch verzögern? Das müssen wir abwarten.
Aber es scheint mir, als sei die Richtung der Wirtschaft ... und der Märkte ... immer noch die Gleiche.
“Der Rückgang der Hauspreise wird wohl auch in der Zukunft noch weitere Verschiebungen hervorrufen, wie die Kreditkrise, die wir eben beobachten konnten“, sagt Robert Shiller, Wirtschaftswissenschaftler aus Yale vor dem gemischten Wirtschaftsausschuss des amerikanischen Senats.
Bauanträge sind auf den geringsten Wert in 12 Jahren gefallen. Sie sind jetzt auf dem geringsten Wert seit Juni 1995. Und die Verbraucherpreise sind im vergangenen Monat tatsächlich gefallen – angeführt von den Preisen für Benzin. Regierungsberichten zufolge ist die Inflationsrate zurückgegangen, von 2,2% auf 2,1%.
Nachdem die Inflation nachließ, hatte die Notenbank ausreichend Zeit, die Kräfte vom Kampf gegen die Inflation abzuziehen und sie gegen die andere Sorte der „-flation“ vorgehen zu lassen.
Alan Greenspan, den Sie alle kennen, hat der Financial Times in der vergangenen Woche gesagt, dass er davon ausginge, dass die Immobilienpreise in den USA um mehr als 10% fallen könnten. Die Hauspreise haben sich in den vergangenen 10 Jahren mehr als verdoppelt. Eine Korrektur von 10% erscheint eher als kleinere Anpassung. Aber es hätte schwerwiegende Konsequenzen, sagt Shiller.
Das Center for Responsible Lending (Zentrum für verantwortungsvolle Kreditvergabe) sagt voraus, dass die Zwangsvollstreckungen bei minderwertigen Krediten zu einem Gesamtverlust von 164 Milliarden im Bereich des Eigenkapitals führen könne. Aber die wahren Verluste werden von den einfachen Hausbesitzern erlitten. Der Gesamtverlust im Bereich der Wohnimmobilien in den USA liegt bei ungefähr 21 Billionen Dollar. Ein Verlust von 15% entspräche einem Verlust bei den Haushaltsvermögen von 3 Billionen Dollar. Die Sache sieht für den durchschnittlichen Hausbesitzer nicht gut aus.
Das wäre eine ganze Menge “-flation”, die damit aus dem System genommen würde ... und es würde für sehr viele Menschen eine harte Landung in Aussicht stellen, die in den vergangenen 20 Jahren durch die Luft geschwebt sind.
Der arme Mervyn King. Der Mann ist der Vorsitzende der Bank of England. Er hat einfach nur versucht, alles richtig zu machen. Als es in diesem Sommer mit der Kreditblase los ging, widerstand er als einziger unter den Zentralbankern. Wenn wir die leichtsinnigen Kreditgeber und die unbedachten Spekulanten retten, meinte er, dann würde das die „Saat für künftige Finanzkrisen sein.“
Aber mit der Integrität eines Zentralbankers ist es wie mit der Ehrlichkeit eines Politikers oder der Keuschheit einer Prostituierten – die Qualität steht im Konflikt mit dem Beruf. Wirtschaftler sprechen über die „moralische Gefahr“, wenn man es den Anlegern erlaubt, das Falsche zu tun und damit durchzukommen. Aber die Gefahr ist für die Zentralbanker selbst am größten. Seit Paul Volcker war kein Zentralbanker mehr in der Lage gerade zu bleiben. Stattdessen beugen sie sich dem Druck – durch die Politiker, die Öffentlichkeit, die Medien und die verrückten Berufe im Bereich der Wirtschaft selbst. Das hat zu dem geführt, was einige Wirtschaftler als „asymmetrische Reaktion“ der Finanzbehörden bezeichnen. Wenn alles gut läuft zögern sie, die Kreditbedingungen zu verschärfen. Aber wenn die Dinge nicht gut laufen, dann halten sie sich schnell zurück.
Mr. King hat dem Druck einige Wochen lang widerstanden. Und dann, als die Boulevardblätter anfingen, Photos mit Kontoinhabern zu zeigen, die sich in einer Reihe aufgestellt hatten, um ihr Geld von Northern Rock zurückzuholen, einem Kreditgeber, der in Schwierigkeiten geraten war, hat er sich gebeugt. Er drehte sich zu den Kameras und bot an, auszuhelfen. „Sie brauchen Geld ...“, schien er zu sagen, „dann kommen sie doch einfach bei mir vorbei.“
“Ich habe diesen Film schon gesehen”, sagte Angelo Mozilo, Chef von Countrywide Financial, “und er endet immer mit irgendeiner Form von Rezession.“
Wirklich? Immobilienpreise sind in den Vereinigten Staaten auch in der Vergangenheit schon gefallen – manchmal sogar deutlich. Einige dieser Rückgänge betrafen bestimmte Regionen. Heute fallen die Immobilienpreise zum ersten Mal überall im Land.
Wenn sie um 10% und mehr zurückgehen – so wie Alan Greenspan nahegelegt hat – dann fallen 2 Billionen Dollar des Vermögens im Land weg. Natürlich war das nie wirkliches Vermögen ... wie ich schon viele Male geschrieben habe. Es war einfach nur auf Papier gedruckt.
Immer noch geben viele Amerikaner ihr Geld trotzdem aus … sie leihen Geld gegen den inflationierten Wert ihrer eigenen Häuser, in der Absicht, an Bargeld zu kommen. Jetzt kann es sein, dass dieser Wert verschwindet. Aber die Schulden werden immer noch da sein. Was dann passieren wird, hängt davon ab, welches Präfix man vor „-flation“ hängt. Wenn es „In-“ ist, dann steigen die Zinssätze normalerweise ... und dann werden die Kosten, die entstehen, um die Kredite abzuzahlen, den glücklosen Kreditnehmer ins Armenhaus bringen. Wenn es „De-“ ist, ... dann wird er seinen Job verlieren ... sein Haus wird im Wert fallen, zusammen mit seinen Aktien ... und er wird kein Glück mehr haben. Was auch immer, die Folge wird ein Konjunkturrückgang sein (letzten Endes).