Wie hoch ist der Anteil der Privatanleger bei Spekulationsblasen?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 19. September 2011, 12:00 Uhr
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Ein Trader´s Daily-Leser schrieb mir:
"Vielleicht können Sie einmal eruieren, wie groß der Anteil der wirklichen Privatanleger (sagen wir mit einem Vermögen < 1 Million Euro) an den erschreckenden Spekulationsblasen ist. Dann wird wahrscheinlich deutlich, dass unser privates Anlegerverhalten praktisch keine Rolle spielt. Das System ist entartet und braucht prinzipiell neue Spielregeln, die natürlich nicht von den Großspekulanten kommen können Frage nicht die Frösche, wenn Du einen Sumpf trocken legen willst!"
Meine Antwort:
Lässt sich genau beziffern, zumindest bei den Rohstoffen, welche an US-Börsen gehandelt werden.
Denn die USA sind meiner Ansicht nach vorbildlich, was die Organisation der Rohstoff-Börsen betrifft. So wird für die große Rohstoff-Börse Chicago (Chicago Board of Trade) genau angegeben, welche "Gruppen" long oder short sind, und mit wie vielen Kontrakten.
Nehmen wir mal den Mais. Unter dem Link der Behörde CFTC (Commodity Futures Trading Commission) finden Sie die Angaben dazu. Da muss man sich etwas durchklicken, erhält dann aber die gewünschten Daten. Beispiel Mais.
Da habe ich für den Stichtag 6. September diese Daten gefunden: Von den offenen Kontrakten ("open interest") wurden insgesamt 382.508 von kleinen Spekulanten ("non reportable") gehalten. Insgesamt 887.121 wurden von "Kommerziellen" gehalten, welche auch wirklich an einer Lieferung oder Bezug des Basiswertes = Mais interessiert sind.
Der Rest waren "große Spekulanten" der einen oder anderen Form, darunter können auch Banken sein, die für Klienten Absicherungen vornehmen.
Ich bin froh, wenn der Anteil der Kommerziellen möglichst hoch ist - denn das ist meiner Ansicht nach die ehrlichste Form des Trades im Fall von Lebensmitteln. Hier liegt der Anteil der Kommerziellen bei mehr als dem Doppeltem des Anteils der kleinen Spekulanten.
Bedenklich wird es meiner Ansicht nach, wenn weniger als 50% des open interest durch "Kommerzielle" zustande kommen. Die Kommerziellen orientieren sich meiner Erfahrung nach an fundamentalen Daten. Absehbare Höhe der Ernte, Wetter, Entwicklung der Nachfrage. Das sind Faktoren, die sich mit intensiver Analyse durchaus erschließen lassen.
Anders bei den Spekulanten, ob groß oder klein. Da kann es zu den üblichen Verhaltensweisen kommen, Herdentrieb, Gier, Angst...mit den Folgen für die Preise der jeweiligen Futures.
Wissen Sie was...mittlerweile finde ich ohnehin den Kauf physischer Metalle viel ehrlicher als den Handel mit Futures auf Nahrungsmittel.
Bei den strategischen Metallen geht es noch wirklich um Angebot und Nachfrage aufgrund physischer Entwicklungen. Und wenn ein strategisches Metall aufgrund explodierender Nachfrage durch neue Technologien im Preis ebenfalls explodiert - dann ist es doch eine ehrliche Sache, wenn man dann sein Angebot auf den Markt gibt. Und legitim, damit einen schönen Gewinn zu erzielen.
Das findet und darauf hofft und wünscht Ihnen eine erfolgreiche Woche:
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Helmut Specht (19.09. 2011 12:30 Uhr):
Moin, "man muß sich etwas durchklicken". Da habe ich mich sehr verlaufen. Hilfreich wäre, die "Klicks" - also Ihre Vorgehensweise - zu dokumentieren. Wegen der Nachvollziehbarkeit. Danke Helmut Specht
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