Wie ETFs einen Index nachbilden!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 16. März 2009, 20:00 Uhr
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Eigentlich sollte man meinen, einen Index nachzubilden könnte die einfachste Sache der Welt sein. Doch - wie immer in der Finanzwirtschaft - gibt es mehrere Wege die zum Ziel führen, wobei manche dieser Wege regelrechte Umwege machen, die es sogar erlauben, den Basiswert ins ETF-Sondervermögen gar nicht erst aufzunehmen.
Wir unterscheiden grundsätzlich vier dieser Möglichkeiten zur Index-Nachbildung: die Full Replication Methode, den Representative-Sample-Ansatz, den Optimierungsansatz und die synthetische Replikation.
(Zur Vereinfachung der Erklärungen der vier Ansätze werde ich mich im Folgenden auf Aktien-Indizes beziehen.)
- Die Full Replication Methode
Diese Methode ist die einfachste Form und so wie man sich im Allgemeinen auch die Nachbildung eines Index vorstellt. Bei dieser Methode wird der Index genau nachgebildet: d.h. alle Aktien die im Index vertreten sind, werden gekauft und in den Aktienkorb integriert.
- Der Representative-Sample-Ansatz
Bei dieser Methode werden nicht alle Aktien eines Index, sondern nur die am höchsten gewichteten eingekauft. Dies kann für Indizes die ein sehr breites Marktsegment abbilden durchaus sinnvoll sein - z.B. für den MSCI World, der allein 1944 verschiedene Unternehmen abbildet. In einem solchen Index sind manche Unternehmen nur sehr gering gewichtet und haben kaum Einfluss auf die Entwicklung des Index. Die Performance generiert sich hierbei durch die größten und liquidesten Aktien, die auch die höchste Gewichtung haben. Bei dieser Nachbildungsmethode wird also eine repräsentative Stichprobe genommen.
- Der Optimierungsansatz
Ähnelt stark der Representative-Sample-Methode, nur dass hier mit Modellen gearbeitet wird. Mit Hilfe von mathematischen Modellen werden bei diesem Ansatz die Aktien aus einem Index ermittelt und gekauft, welche die höchstmögliche Rendite mit dem kleinstmöglichen Risiko mit sich bringen.
- Die synthetische Replikation
Hier sind wir bei dem von Herrn S. aufgezeigten SWAP-Ansatz angekommen.
Ein SWAP-Geschäft ist ein derivatives Finanz- oder Tauschgeschäft bei dem - vereinfacht gesagt - Zahlungsverpflichtungen zwischen zwei Parteien getauscht werden. Partei 1 leistet dabei Zahlungen in bestimmter Höhe, während Partei 2 Zahlungen auf der Basis der Rendite eines zugrunde liegenden Vermögenswertes leistet.
Im Klartext heißt das:
Da Indizes auch durch den Einsatz von Derivaten nachgebildet werden können, ist die ETF-Gesellschaft nicht verpflichtet die Basiswerte des Index nachzubilden. Stattdessen kann sie von einer zweiten Partei im Rahmen eines SWAP-Tauschgeschäfts, die Zahlung der Rendite des Index verlangen. Dafür wiederum verpflichtet sich die ETF-Gesellschaft die Rendite des eigenen Portfolios an die Gegenpartei abzuliefern.
Noch mehr im Klartext:
Stellen Sie sich einen ETF auf den DAX vor, der diesen Ansatz verfolgt! Dieser DAX-ETF könnte nun als Beispiel nur 5 reguläre DAX-Aktien tatsächlich in seinem Portfolio halten und beispielsweise 50 weitere Aktien von wo auch immer. Der Kontrahent mit dem der DAX-ETF sein SWAP-Geschäft eingegangen ist, garantiert dem ETF dennoch die gesamte DAX-Rendite. Im Gegenzug muss der DAX-ETF die Rendite des eigenen Portfolios an den Kontrahenten abtreten. - Austausch!
In den meisten Fällen handelt es sich bei den Kontrahenten im SWAP-Geschäft um die Muttergesellschaft der ETF-Gesellschaft. Bei Lyxor ist der Kontrahent also die Societe Generale, bei db-x-trackers die Deutsche Bank.
Vereinfacht kann man also sagen:
Bei einem Index-ETF mit SWAP-Technik garantiert eine Gegenpartei die Performance des Index.
So long liebe Leser...so viel einmal für den Anfang und zu den ersten Grundlagen...morgen geht es an dieser Stelle natürlich weiter...dann wollen wir uns unter anderem mit dem Marktkontrahenten-Risiko beschäftigen und damit wie der SWAP-Ansatz bei Rohstoff ETFs aussieht....bis morgen
Ihre Miriam Kraus