Wie es zu “Contango” kommen kann
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 31. Juli 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Trader´s Daily-Leser Martin M. fragt:
“Ein Future ist ja ein Kauf des entsprechenden Rohstoffs zur Lieferung in der Zukunft. Wenn der Future abläuft, erfolgt die Lieferung der Ware an den, der den Future dann besitzt. Wenn wir mal annehmen, dass die Referenz für den Rohstoffpreis der kürzest laufende Future ist, warum soll jemand nun für einen länger laufenden, also für denselben Rohstoff, nur eben zur späteren Lieferung mehr bezahlen (=Contango)? Stattdessen könnte er ja auch warten und dann, wenn sein Bedarf unmittelbar bevorsteht zu dem günstigeren Preis kaufen (und solange Zinsen kassieren). Habe ich da folgerichtig gedacht oder interpretiere ich etwas falsch?“
Meine Antwort:
Die Sache ist die: Beim Handel mit Rohstoff-Futures spielen naturgemäß die Kommerziellen eine wichtige bis zentrale Rolle.
„Die Kommerziellen“, das sind Leute, die die Rohstoffe wirklich haben möchten bzw. wirklich produzieren.
Das Schöne bei Rohstoffen (finde ich) ist, dass es genaue Zahlen zu den verschiedenen Gruppen der Trader gibt. In den USA veröffentlicht eine staatliche Behörde Zahlen darüber, wie viele Rohstoff-Futures von Kommerziellen und wie viele von großen und kleinen Spekulanten gekauft und verkauft worden sind. Diese Veröffentlichungen schaue ich mir interessiert an…denn sie lassen einige Schlussfolgerungen zu. Doch ich schweife ab…
…zurück zu den Kommerziellen:
Das sind genau die, die für spätere Lieferung mehr bezahlen als für sofortige Lieferung!
Warum das jemand macht?
Na, nehmen wir einmal eine Imbiss-Kette, die Hamburger verkauft. Die braucht kontinuierlich Rindfleisch. Und wenn diese der Ansicht ist, dass der Rindfleischpreis gerade relativ günstig ist, dann kauft sie fleißig ein. Und zwar auch für spätere Lieferung…denn dann braucht sie nicht alles lagern und kann „just in time“ (wie es auf neudeutsch heißt) verwerten. Die Imbiss-Kette spart Lagerkosten, und deshalb ist sie bereit, für die Lieferung in der Zukunft einen etwas höheren Preis zu bezahlen, als für sofortige Lieferung.
Außerdem kann hinzukommen: So ist eine Absicherung gegen starke Preissteigerungen möglich. Die Imbiss-Kette zahlt zwar ein wenig mehr, aber dafür weiß sie auch, zu welchem Preis sie z.B. in 6 Monaten Rindfleisch einkauft. Der Preis ist fix. Risiko ist rausgenommen. Und diese Planungssicherheit kann sich ein Unternehmen durchaus ein paar Dollar kosten lassen. (Wenn ein Firmenlenker in diesem Zusammenhang von "Heding Kosten" spricht, dann wissen Sie ab sofort, was gemeint ist - nämlich genau das.)
Fazit: Eine solche Vorgehensweise führt dazu, dass bei manchen Rohstoffen die Rohstoff-Futures mit längerer Laufzeit etwas teurer sind als die mit kürzerer Laufzeit.
Diese Situation nennt sich „Contango“ - für regelmäßige Trader´s Daily-Leser(innen) nichts Neues! Und auch diejenigen, die den Trader´s Daily nicht regelmäßig lesen (von mir weiterhin „Ungläubige“ genannt), sollten dies wissen. Wenn Sie mit Rohstoffen traden möchten.
Viele Grüße,
Michael Vaupel