Wie es weitergehen könnte
John Mauldin in Baltimore in Traders Daily
vom 03. Januar 2006 12:00 Uhr
ENL5454
In den späten Siebzigern und den frühen Achtzigern herrschte eine allgemeine Stimmung der Krise und des Untergangs an den Märkten. Viele drängten darauf, dass man Lebensmittel- und Notvorräte ansammeln sollte, Gold und Silber kaufen und die Aktien verkaufen sollte. Wir konnten den Schaden beobachten, der durch Japan an unserer Produktionsbasis entstand. Millionen von Arbeitsplätzen verlagerten sich ins Ausland und kehrten nie zurück. "Wo", fragten sich viele "werden in Zukunft die Arbeitsplätze herkommen?" Mit Amerika ging es bergab.
Die richtige Antwort lautete damals wie heute: "Ich weiß nicht, woher die Jobs kommen werden, aber sie werden kommen." Und sie kamen, als die amerikanischen Unternehmer vollständig neue Industriezweige entwickelten.
Aber was war dann? Wo liegen heute die wirtschaftlichen Zauber, die uns vor uns selber retten werden? Welche Rolle spielen die Schulden riesigen Ausmaßes, die wir ansammeln? Sowohl hier als auch im Ausland?
Ich glaube nicht, dass man sich seinen Weg in den Reichtum durch Kredite ebnen kann. Irgendwann, und das will ich hier deutlich machen, wird es wieder ausgeglichen werden müssen. Aber ich denke nicht, dass es zu einer Depression führen wird, weder weich noch anders. Es wird ein Durchmogeln geben. Und nach der Phase des Ausgleichs, wird es zu einem weiteren großen Boom kommen, der vielleicht zur Mitte des folgenden Jahrzehnts beginnen wird.
Wenn es in der heutigen Wirklichkeit auch so aussehen mag, als sei die Vorstellung, es gäbe 'bei der Fed eine Maschine, die die Geldmenge mit einer vernünftigen Wachstumsrate steigert, in Verbindung mit einer Regierung, die geringe Überschüsse erwirtschaftet' ins Reich der Phantasie zu verbannen ist, dann ist es doch meine persönliche Phantasie. Ich wünschte, es wäre so. Aber wir investieren ja in die Wirklichkeit und nicht, weil wir wünschen, dass etwas wahr wäre.
Ich will das deutlich machen. Sich durchzumogeln ist nicht immer lustig. Die Siebziger waren eine Zeit des Durchmogelns und nur Wenige wären freiwillig bereit, in diese Zeiten zurückzukehren. Die Dinge haben sich zwischen 1970 und 1990 dramatisch verändert und danach ging es noch schneller weiter. Ich denke, dass die nächste Phase des Wandels noch schneller ablaufen wird.
Aber die freien Märkte und die Unternehmer werden sich den neuen Bedingungen anpassen. Das ist in den Siebzigern, den Achtzigern und den Neunzigern so gewesen, und es wird auch in der zukünftigen Finanzkrise, über die Volcker spricht, so sein. Und ich vermute, dass er Recht hat. Es wird eine ganze Reihe von Krisen geben. Aber ich denke auch, dass wir in den letzten 35 Jahren ebenso eine ganze Reihe von Krisen hatten, und es sieht nicht nur so aus, als hätten wir sie überlebt, wir sind dabei auch noch reicher geworden. Das soll nicht die Schmerzen abwerten, die einige während dieser Krisen zu spüren bekamen und auch nicht die Verluste in den Anlageportfolios.
Das Argument von Bill Bonner, Marc Faber, Steve Roach und anderen ist, dass die USA von dem Wohlwollen Fremder abhängig sind. Es sind die Ersparnisse aus der ganzen übrigen Welt, hauptsächlich aus Asien, die unser massives Handelsdefizit finanzieren. Ich behaupte, dass es in beide Richtungen so läuft. Sie sind ebenso abhängig von den amerikanischen Verbrauchern, die ihre Produkte kaufen und die Fabriken damit am Laufen halten. Es ist dieses symbiotische Verhältnis, welches den Amerikanern gestattete, massive Defizite auflaufen zu lassen, ohne dass der Dollar deswegen zusammengebrochen wäre. Wie lange kann das noch gut gehen? Mehr dazu demnächst, hier im Trader's Daily.