Wie eine tobsüchtige Geliebte
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. Juli 2007 07:30 Uhr
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Der Crack-Up-Boom des einen ist der „Größte wirtschaftliche Boom aller Zeiten“, des anderen. So wird die Sache vom Fortune Magazine auf der aktuellen Titelseite bezeichnet.
Und jetzt kommen alle zu der Erkenntnis, dass wir mitten in einem gewaltigen, weltweiten Kreditboom stecken. Und die meisten erkennen die herausstechenden Eigenschaften.
- Massives Wirtschaftswachstum in Asien. In den Nachrichten hieß es am Anfang der Woche, dass China auf dem besten Wege sei, Deutschland als drittgrößte Wirtschaft bis zum Ende des Jahres abzulösen – dank der Tatsache, dass sich das chinesische Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im zweistelligen Bereich bewegt.
- Die Globalisierung von Handel und Finanzen. Asien wächst hauptsächlich, weil die Exporte brodeln. Schiffe in fast allen Häfen der Welt versuchen damit mitzuhalten. Große Finanzgeschäfte umfassen üblicherweise Mitspieler aus verschiedenen unterschiedlichen Ländern.
- Die Finanzialisierung der Weltwirtschaft. Fast alles kann heute zu Paketen geschnürt und als finanzieller Anlagewert verkauft werden – darunter auch Kunstwerke, Sammlerstücke, Bauernhöfe ... alles was Sie wollen.
- Und hinter all dem steckt eine steigende Flut der Liquidität. Die Vereinigten Staaten bringen Dollar hervor. Andere Länder ihre eigenen Währungen, in dem Versuch, mit den grünen Scheinchen mitzuhalten. Überall steigt das Maß der Liquidität – und treibt die Preise der Anlagewerte nach oben.
Mein alter Freund Steve Chapman schreibt im Chicago Tribune, dass sich die amerikanische Wirtschaft in einer guten Verfassung befände. Der Aktienmarkt befindet sich in der Nähe von Rekordwerten, die Arbeitslosenzahlen sind auf 4,5% gesunken, die Inflation beläuft sich auf unter 3%. „Die Rezession blickte einst alle vier bis fünf Jahre vorbei, aber seit 1991 hatten wir lediglich einen leichten Konjunkturrückgang, damals im Jahr 2001.“ Amerikaner haben sich so sehr an ihren Wohlstand gewöhnt, dass sie sich schon darauf verlassen“, schreibt Steve.
Und das ist das Problem mit dem Wohlstand. Mit ihm verhält es sich wie mit einer Geliebten - sobald man sich ihrer zu sicher ist, fängt sie an mit Fremden zu flirten.
Und dass ist der fundamentale Unterschied zwischen einem Crack-Up Boom … und dem Größten Wirtschaftlichen Boom aller Zeiten. Ich denke jedoch nicht, dass man sich einer Geliebten oder des Wohlstandes sicher sein kann. Vielmehr müssen sie mit Vorsicht behandelt werden, es muss ihnen der angemessene Respekt gezollt werden und eine angemessene Würdigung entgegengebracht ... und gelegentlich muss man ihnen einen Tobsuchtsanfall gönnen.
Dass es in der amerikanischen Wirtschaft seit 1991 nur eine unbedeutende Rezession gegeben hat, halte ich für einen Anlass zur Beunruhigung ... genauso wie einen Jugendlichen, der ungewöhnlich höflich ist. Ich gehe dann davon aus, dass er was im Schilde führt. Doch die meisten Wirtschaftler und auch die vernünftigen Leute, halten diesen Mangel einer großen Korrektur für ein gutes Zeichen, sie glauben, dass es zeigt, dass die Wirtschaft so gesund ist, dass sie keiner Korrektur bedarf.
Die Wirtschaft ist nicht wirklich gesund, und ganz besonders in Amerika nicht.
Der jüngste Bericht der New York Times berichtet, dass es den Reichen besser geht als je zuvor. Es ist ein „Goldenes Zeitalter“, sagt die graue Dame. Der Wohlstand konzentriert sich wieder einmal an der Spitze – genauso wie es auch vor der Weltwirtschaftskrise der Fall war. Damals waren es die großen Herren der Industrie – die Vanderbilts, die Rockefellers, die Carnegies und die Fords – die diesen gewaltigen Wohlstand unter ihrer Kontrolle hatten. Heute sind es die großen Herren des Finanzwesens – die Schwarzmans, die Petersons, die Kravises und die Kohlbergs – die die Beute bekommen. Der Times zufolge verdienen nur 15.000 amerikanische Familien 5% des nationalen Einkommens – was 95 Millionen Dollar in jedem Jahr entspricht.
Schön für sie. Aber während die Carnegies und die Fords die Nettoeinkommen für die gesamte Bevölkerung nach oben brachten, scheinen die Schwarzmans und die Kravises das Geld lieber für sich zu behalten. Der Durchschnittsamerikaner sitzt zunehmend zwischen der Skylla des stagnierenden Einkommens ... und der Charbybdis der gesteigerten Ausgaben fest. Er besitzt heute ein größeres Haus, eine größere Hypothek, mehr Autos und einen teureren Lebensstandard. Aber hat kein Geld mehr, um dafür aufzukommen.
So ein Ärger.
Aus Houston stammt die Nachricht, dass immer mehr Amerikaner – schon heute die am härtesten arbeitende Rasse der Welt – den altmodischen Urlaub aufgeben. Entweder wollen sie ihn nicht ... oder sie können ihn sich nicht mehr leisten. Und selbst wenn sie eine Zeitlang verreisen, dann nehmen sie ihre Mobiltelefone und ihre tragbaren Computer mit, so dass sie bei der Arbeit auf dem Laufenden bleiben, während sie weg sind.
Und jetzt steigen die Ölpreise wieder. Sie sind nur noch Pennies von den Rekordwerten entfernt, die im vergangenen August aufgestellt wurden ... und Goldman sagt, dass das Barrel Öl bald für 95 Euro über den Tisch gehen könnte.
Gleichzeitig gehen die Analysten heute davon aus, dass der Konjunkturrückgang im Immobilienbereich noch für Jahre andauern könnte – und dass eine zweite Welle der Schwierigkeiten mit den Häusern unterwegs ist. Diese Welle könnte nicht nur den Eigenkapitalanteil betreffen, der im Haus steckt ... sondern auch alle anderen Investitionen.
Mein Freund und Kollege, Porter Stansberry, berichtet:
“Die Zahl der Zwangsvollstreckungen für amerikanische Wohnhäuser ist im Juni im Jahresvergleich um 87% gestiegen. Es gab 164.644 Anzeigen von Zahlungsunfähigkeit, von geplanten Auktionen und Einschränkungen durch die Banken, angeführt von Kalifornien, Florida, Ohio und Michigan. Wenn man davon ausgeht, das jedes dieser Häuser den durchschnittlichen Hauspreis in Amerika wert ist, dann bedeutet das ausstehende Zahlungen im Wert von 36 Milliarden Dollar. Und wenn man davon ausgeht, dass die Banken, die Hedgefonds und die Anleihenmanager, die diese Schulden besitzen, 75% des Wertes zurückgewinnen, dann macht das einen geschätzten Verlust von 9 Milliarden Dollar aus ... in lediglich einem Monat.
“Wir versuchen gerade, unser altes Haus in Maryland zu verkaufen”, sagte ein Geschäftspartner in Baltimore, “denn wir haben ein neues Haus gekauft und sind bereits eingezogen. Momentan zahlen wir für zwei Hypotheken und wollen so bald wie möglich das alte Haus loswerden. Bislang gab es einige wenige Leute, die es sich angesehen haben. Wir hatten sogar schon zwei Angebote ... aber die waren davon abhängig, dass der Käufer es schaffte, sein eigenes Haus zu verkaufen. Und deswegen bin ich ins Internet gegangen um herauszufinden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie es schaffen, ihr Haus zu verkaufen ... und wir stellten in beiden Fällen fest, dass sie versuchten ihre Häuser in Gegenden loszuwerden, in denen es Hunderte von ganz identischen Häusern gab, die zum Verkauf standen. Es sah nicht gut für sie aus ... und es sieht nicht gut für uns aus. Für uns ist es kein allzu großes Problem, denn wir haben das Haus vor vielen Jahren gekauft. Wir haben einen hohen Eigenkapitalanteil und eine kleine Hypothek. Aber ich weiß nicht, was andere Menschen in dieser Situation tun ...“
Das weiß ich auch nicht, doch ich werde es - wie immer - herausfinden.
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