Wie der bröckelnde Immobilienmarkt bei Zinssenkungen hilft?
Profit Radar
vom 20. Oktober 2006 19:00 Uhr
ENL5454
Doch die Jungs in Frankfurt könnten ihr blaues Wunder erleben (ich sage „könnte“, denn sicher ist an der Börse gar nichts). Denn wie am Dienstag bereits angekündigt, gibt es eine hoch spannende Entwicklung, die dazu führen wird, dass wir das Problem einer steigenden Kerninflationsrate in den USA schon bald nicht mehr haben könnten.
Hier also die Entwicklung, die derzeit noch niemand auf der Pfanne hat: Aufgrund des abbröckelnden Immobilienmarktes schießt seit einiger Zeit die Zahl der nicht verkauften, leer stehenden Häuser und vor allem die Dauer bis zum Verkauf nach oben. Wie Sie wissen, habe ich beste Kontakte in die Immobilienmakler-Szene in Phoenix, einem der heißesten Immobilienstandorte in den USA, denn ich bin dort zur Uni gegangen.
Hier kenne ich mich an vorderster Front aus. Im amerikanischen Immobiliensektor läuft es wie folgt: Ein Käufer erwirbt ein Haus oder ein Apartmentkomplex. Aber nicht als Kapitalanlage, sondern als Spekulationsobjekt mit dem Ziel, die Immobilie möglichst schnell mit möglichst großen Profit zu verkaufen.
Das führt dazu, dass diese Häuser erst mal leer stehen, denn der Käufer will die Immobilie ja schnell weiter verkaufen. Das war aufgrund der explodierenden Immobilienpreise bisher auch recht schnell möglich. Und hier wird es wirklich spannend.
Durch das Abflauen des Immobilienbooms stehen die Häuser nun wesentlich länger leer als früher – und verursachen damit Kosten für die Besitzer. Dieser Zustand wird sich meiner Meinung nach auch nicht ändern, denn wir haben den Zenit des Immobilienbooms gesehen. Das bedeutet, dass die Besitzer irgendwann begreifen werden, dass sie ihre noch leer stehenden Häuser vermieten müssen, um die Kosten zu decken.
Das bedeutet, dass schon bald eine hohe Zahl an neuen Mietimmobilien auf den Markt kommen wird. Und was passiert, wenn sich das Angebot erhöht? Richtig, die Preise, in unserem Fall die Mietpreise, werden fallen. Eine solche Strategieänderung braucht natürlich seine Zeit, um sich in den Köpfen der Immobilienspekulanten zu etablieren. In dem Interview wurde dafür der Frühling 2007 taxiert.
Wenn es so kommt, dann erhalten wir von der Mietseite, die den CPI bisher überdurchschnittlich nach oben schob, eine massive Entlastung, was die Kerninflationsrate sinken lassen könnte. Und dann hätte die FED ihr Szenario, um die Zinsen zu senken und damit eine Nadel wegzunehmen, die um die Immobilienblase herumschwebt.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi
P.S.: Ich habe einen sehr freundlichen Brief von Herrn Mario S. bezüglich meines Buches „Emerging Markets Simplified“ erhalten. Ich werde Ihre gute Frage in der nächsten Woche als Aufhänger für einen Profit-Radar nutzen.