Wie an der Börse ein Preis entsteht (Fortsetzung)
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 30. Juli 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
(Fortsetzung der Artikel vom 23.07.2010 und vom 27.07.2010)
Im letzten Teil dieser Miniserie hatte ich damit geschlossen, dass ich darauf hinwies, dass wir uns heute die Angebotsseite ansehen würden. Bevor ich dies jedoch tue, sei hier zur Wiederholung nochmals die Ordertabelle abgebildet:
Abb.: Zusammenfassung des Order-Beispiels
Die Börse hat nun also die Nachfrageseite (wie in den vorherigen Artikeln beschrieben) abgearbeitet. Nun wird es Zeit für den nächsten Schritt:
Schritt #2: Betrachtung der Angebotsseite
Hierfür nutzen wir die gleiche Logik, welche auch ausführlich in Schritt #1 erläutert wurde. Damit ergeben sich zusammenfassend für die einzelnen fiktiven Preise die folgenden Angebotsmengen:
- 88 Euro: 700 Stück
- 89 Euro: 1.500 Stück
- 90 Euro: 1.500 Stück
- 92 Euro: 2.200 Stück
- 95 Euro: 3.700 Stück
- 100 Euro: 3.700 Stück
- 105 Euro: 3.700 Stück
- 125 Euro: 4.200 Stück
Nachdem nun die Angebots- und die Nachfrageseite entsprechend betrachtet wurden, wird es Zeit für den nächsten Schritt.
Schritt #3: Ermittlung der bestmöglichen Umsätze zu den jeweiligen Kursen + Ermittlung des neuen Kurses
Nun gilt es zu überlegen, wie viel Aktien bei welchem fiktiven Kurs bestmöglich umgesetzt werden können.
Voigt schreibt hierzu in seinem "großen Buch der Markttechnik":
An der Stelle ist es wichtig zu vermerken, dass der Umsatz rein nach den zur Verfügung stehenden Stückzahlen errechnet wird. Es spiel hier keine Rolle, ob sich die Stückzahl aus einer Order oder aus mehreren Orders zusammensetzt.
Natürlich bedeutet dies auch, dass es in der Regel einen gewissen Überhang gibt, der nicht sofort bedient werden kann.
Wenn wir uns den fiktiven Preis von 88 Euro einmal ansehen, so hätten wir 4220 Stück auf der Nachfrageseite und 700 Stück auf der Angebotsseite. Somit stehen hier weniger Aktien zur Verfügung als nachgefragt würden und lediglich 700 Aktien könnten bei einem Preis von 88 Euro effektiv den Besitzer wechseln.
Die Aufgabe der Börse ist aber so festgeschrieben, dass sie immer und zu jedem Zeitpunkt den Kurs ermitteln muss, bei dem Angebot und Nachfrage bestmöglich ausgeglichen werden.
Wenn Sie nun die Angebots- und die Nachfrageseite nochmals vergleichen, werden Sie sehen, dass dies in unserem Beispiel bei einem fiktiven Kurs von 95 Euro der Fall ist, denn hier hätten wir 2920 Aktien auf der Nachfrageseite und 3700 Aktien auf der Angebotsseite. Dies ergäbe einen bestmöglichen Umsatz von 2920 Aktien. Damit liegt der mögliche Umsatz bei 95 Euro deutlich höher als auf allen anderen Preisstufen in unserem Beispiel.
Unser neuer Preis für die Aktie wäre also 95 Euro.
Durch diese Preisbewegung fallen natürlich einige Orders aus unserem Beispiel heraus und es gehen in der Regel dann auch wieder neue Orders ein. Sobald neue Orders eingehen, kann der in den Artikeln beschriebene Prozess der Preisfindung erneut durchgeführt werden und der nächste Kurs wird bestimmt.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.
Beste Grüße
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