Widerstandsfähig oder verwundbar?
unserem Korrespondenten Eric Fry in Manhattan in Investors Daily
vom 22. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5454
In diesen Tagen scheint der Markt gleichzeitig widerstandsfähig und verwundbar zu sein. Widerstandsfähig gegenüber steigenden Zinsen, steigenden Ölpreisen und endlosen Terrorangriffen im Mittleren Osten. Gleichzeitig verwundbar gegenüber genau denselben Trends.
Ob widerstandsfähig oder verwundbar – der Markt ist seit Monaten ohne klare Richtung, was die meisten professionellen Investoren quält. Alle Hedgefonds-Manager, mit denen ich spreche, jammern, wie schwer es sei, in so einem Umfeld Geld zu verdienen. Und wie leicht es ist, Geld zu verlieren.
"Zyklen beim Anleihenmarkt sind monumental, sogar epochal lang", schreibt James Grant im "Grant's Interest Rate Obserer". "In den USA fielen die Renditen in den letzten 40 Jahren des 19. Jahrhunderts. Sie stiegen in den ersten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts. Sie fielen zwischen 1920 und 1946 und stiegen zwischen 1946 und 1981. Sie fielen zwischen 1981 und 2003. Jetyt glaube ich, dass sie wieder steigen werden. Wenn man sich die vergangenen Trends ansieht, dann könnte dieser Rendite-Anstieg lange dauern ... (ein neuer) Bärenmarkt bei den Anleihen hat am 13. Juni 2003 begonnen, als die Rendite der 10-jaehrigen US-Staatsanleihen bei 3,11 % ihren Tiefpunkt erreicht hatte."
Wenn Grant Recht hat, dann hat dieser "epochale" Bärenmarkt bei den Anleihen gerade seinen ersten Geburtstag gefeiert. In den letzten 12 Monaten ist die Rendite de 10-jaehrigen US-Staatsanleihen um 160 Basispunkte gestiegen, von 3,11 % auf 4,71 %. "Um die Rendite der 10-jaehrigen US-Staatsanleihen wieder auf 3,11 % zu drücken, würde die Fed noch überzeugendere Reden-Schreiber brauchen, oder eine deflationäre Krise."
Bei CNN/Money wurde Robert Cromer vorgestellt, als Beispiel für einen "Land-Baron", der mit Immobilien Geld verdient. Er hat besonders Häuser gekauft und die Käufe fast vollständig mit Schulden finanziert.
In einem guten Jahr verdient er 175.000 Dollar. Der Wert seiner Häuser ist auf 3,2 Millionen Dollar gestiegen, er hat 2 Millionen Dollar Hypotheken.
Aber die Mieteinnahmen, die mit den Häusern erzielt werden können, bleiben im Monat 3.100 Dollar unter den Zinszahlungen, die auf die Schulden geleistet werden müssen. Und die Zinszahlungen werden steigen, um 20.000 Dollar pro Jahr mit jedem Prozentpunkt Zinsanstieg.
Was passiert, wenn die Zinsen steigen werden? Oder was passiert, wenn die Immobilienpreise in den USA nicht mehr weiter steigen sollten – sondern sogar fallen würden? Oder was würde passieren, wenn das Unvorstellbare eintreten würde – wenn die Zinsen steigen würden UND die Immobilenpreise fallen würden?