Wichtige Konjunkturdaten in dieser Woche
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 19. Dezember 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Letzte Woche war es ja relativ ruhig an der Konjunkturdatenfront geblieben, wobei die Einzelhandelsdaten nicht toll, aber doch über den Erwartungen ausfielen und die Inflationsdaten Hoffnung machten, dass die Notenbank in den USA doch in Kürze ihre Untätigkeit aufgeben könnte ( ... aber nicht muss, man wird sehen). In dieser Woche kommt es dafür umso dicker.
Eine ganze Phalanx an Daten aus allen wichtigen Bereichen steht an: Inflation, Immobilienmarkt, Auftragseingänge und persönliche Einnahmen und Ausgaben. Es wird wichtig sein zu registrieren, ob der jüngste, deutlichere Abschwung in den USA in diesem Tempo weitergeht. Die Aktienmärkte werden diese Faktoren zwar nur eher geringfügig zur Kenntnis nehmen, weil dort der Blick fest auf das Quartalsende und eine dafür bestmögliche Performance gerichtet ist (es sei denn, sie fallen positiv aus und dienen so dem laufenden „Window-Dressing“). Aber damit fallen die Reaktionen – falls sie denn ausfallen – nicht unter den Tisch, sondern dürften im Januar nachgeholt werden.
Dienstag, 19. Dezember 2006
10:00 Uhr Deutschland: Ifo-Geschäftsklimaindex für Dezember
Um 10:00 Uhr steht die Veröffentlichung der Zahlen zum deutschen ifo Geschäftsklimaindex für Dezember an. Diese Daten sind für den deutschen Aktienmarkt sehr wichtig. Bei diesem Stimmungsindex werden die Unternehmen zu ihrer Einschätzung der Lage befragt. Dabei geben ca. 7.000 Unternehmen aller Branchen und Größen ihre Noten zur aktuellen Lage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate ab.
In den vergangenen Monaten war eben dieser ifo-Index ein Quell großer Zuversicht. Denn völlig konträr zum ZEW-Index behauptete der ifo sich auf immens hohem Niveau, ja konnte sogar sukzessive weiter steigen. Und das, obwohl die USA als Welt-Konjunkturlokomotive deutlich an Dampf verloren hat. So war der ifo im November auf 106,8 nach 105,3 im Oktober gestiegen. Dabei trugen beide Sub-Indizes zu dieser Steigerung bei. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage stieg auf 113,9 nach 112,0 im Oktober; die Erwartungskomponente kletterte auf 100,1 nach 98,8.
Gelingt es erneut, dieses hervorragende Niveau zu halten? Es ist durchaus zu vermuten. Kleine Rücksetzer sind immer drin (z.B. wegen des gestiegenen Euro), aber die dürften die positive Stimmung insgesamt nicht konterkarieren. Eines lässt sich aus dem ifo-Index auf jeden Fall klar ablesen: Die befürchteten Einbußen durch die Mehrwertsteuererhöhung dürften nur gering ausfallen, die Lage ist weiter zumindest stabil. Und wenn diese Einschätzungen, im Gegensatz zum ZEW-Indikator – aus den Unternehmen selbst kommen, sollte man sich durchaus auf diese Daten verlassen können.
14:30 Uhr: US-Baugenehmigungen und Neubaubeginne für November
Mit den Baugenehmigungen und den Neubaubeginnen startet heute Nachmittag wieder der Reigen der für den Immobilienmarkt relevanten Konjunkturdaten. Nach kurzer Tendenz zur Stabilisierung ging es hier ja im Oktober wie befürchtet deutlich in den Keller ... stellt sich die Frage, wann und wo der Boden gefunden wird.
Zumindest für die Neubaubeginne hoffen die Akteure darauf, dass hier erst einmal das Gröbste vorbei ist (ich nicht). So liegt die aktuelle Prognose für den November bei 1,55 Millionen Einheiten, was einen markanten Anstieg von 4,3% gegenüber den 1,483 Millionen Baubeginnen im Oktober bedeuten würde. Gut, das klingt viel, andererseits fiel der Einbruch mit fast –15% im Oktober sehr extrem aus. Damit wären +4,3% nicht einmal allzu erfreulich ... wenn es denn überhaupt dazu kommt!
Bei den im Oktober um gut 6% gefallenen Baugenehmigungen wird nur eine Stabilisierung auf dem erreichten niedrigen Niveau erwartet – hier liegen die Prognosen bei ca. 1,54 Millionen nach zuvor 1,55 Millionen.
14:30 Uhr: US-Produzentenpreise für November
Um –1,6% in der Gesamtrate und –0,9% in der Kernrate ging es hier im Oktober nach unten – ein satter Abstieg, der das Thema Inflationsdruck beiseite schiebt und dafür im Gegenzug die Frage aufkommen lässt, wie sehr dadurch möglicherweise die Gewinnspannen beeinträchtigt werden könnten. Doch dies lässt sich aus Preisdaten so nicht ermessen, hier muss man einfach auf die Quartalsbilanzen für das 4. Quartal warten, die ab Mitte Januar starten werden.
In jedem Fall erwarten die Akteure für den November eine Gegenreaktion auf diesen deutlichen Rückgang des Oktober. Dabei liegen die Prognosen für die Gesamtrate zwischen +0,5 bis +1,2%, für die Kernrate bei +0,2%. Sollte es nicht über dieses Maß hinausgehen, dürfte die Reaktion der Börsen durchaus positiv ausfallen – am Aktien- wie Anleihemarkt gleichermaßen.
Mittwoch, 20. Dezember 2006
16:30 Uhr: Wöchentliche Rohöl-Lagerbestände in den USA
Langsam, aber sicher stiegen die Rohölpreise in den letzten Tagen wieder an. „Schuld“ waren die letzte Woche überraschend deutlich gefallenen US-Lagerbestände, aber auch die beschlossene – wenn auch eigentlich eher kleine – Kürzung der täglichen Fördermenge durch die OPEC. Jetzt steht der Ölpreis mit 63 Dollar an einer entscheidenden Marke. Sollten die Daten zu den Lagerbeständen erneut klar unter den Prognosen liegen, könnte das durchaus der Startschuss für einen Anstieg des Rohöls in Richtung 67 Dollar sein.
Donnerstag, 21. Dezember 2006
14:30 Uhr: Endgültige Zahl für das US-Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal
Nachdem die 2. Schätzung des US-Bruttoinlandsprodukts für das 3. Quartal vor wenigen Wochen mit +2,2% positiv überraschte, wird nun für die endgültige Zahl ein unverändertes Niveau von eben diesen 2.2% erwartet. Es ist in der Tat selten, dass sich hier noch Veränderungen ergeben. Eine kleine Veränderung würde in jedem Fall keine Reaktionen an den Börsen verursachen.
18:00 Uhr: Philadelphia Fed-Index (Philly-Fed) für Dezember
Der Konjunkturindex der Notenbank von Philadelphia (Philly-Fed Index) zeigt die Lage verschiedener konjunktureller Elemente in einer der wirtschaftlich wichtigsten US-Regionen (Philadelphia) und wird daher von den Marktteilnehmern stark beachtet.
Für September und Oktober hatten wir hier negative Werte gesehen, die dann im November in einen zumindest wieder geringfügig in positivem Terrain liegenden Wert von +5,1 mündeten. Für dieses Mal wird ein Verharren auf diesem Niveau erhofft – die Prognosen bewegen sich zwischen +3 und +6. Sollte der Philly-Fed-Index jedoch wieder in negatives Terrain abtauchen., wäre dies sogar während der friedlichen Phase vor dem Jahresende ein Grund für fallende Aktienkurse!
Freitag, 22. Dezember 2006
14:30 Uhr: US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter für November
Grundsätzlich sind Auftragseingänge ein guter Frühindikator für die kommende wirtschaftliche Entwicklung, da sie ja am Anfang der Produktionskette stehen. Doch diese Daten sind zum einen relativ alt – der November ist nun fast einen Monat her – und zum anderen hochvolatil. Denn langlebige Wirtschaftsgüter, die also nicht zum normalen Konsum zählen, werden sehr unregelmäßig angeschafft. Insbesondere die ganz großen Blocks wie Flugzeuge, Rüstungsgüter oder Fahrzeuge sind kaum berechenbar, weshalb diese Daten sehr stark schwanken. Ein zu hohes Gewicht sollte man ausgerechnet dieser Zahl daher nicht beimessen. Erwartet wird nach einem scharfen Abrutschen um –8,2% im Oktober ein Plus zwischen +1,0 und +1,2%.
14:30 Uhr: Persönliche Einkommen und Ausgaben der US-Bürger im November
Regelmäßig überstiegen die Ausgaben bei den US-Bürgern die Einnahmen und unterstrichen die negative Sparquote, sprich die immer weiter anschwellende Schuldenlast der US-Haushalte. Aber seit August sieht das Bild anders aus: Die Einnahmen übertrafen gleich dreimal nacheinander die Ausgaben.
Dieser Drang zum Sparen ist letztlich ein Ergebnis der eingetrübten Konjunkturlage – aber natürlich nicht vor Weihnachten (so die Hoffnung). Für den November hofft man auf die ersten Weihnachts-Anschaffungen und erwartet ein Plus bei den Ausgaben um +0,3 bis +0,7% (nach +0,2% im Oktober). Bei den persönlichen Einkommen soll der Wert im November um +0,4% (nach +0,4% im Oktober) gestiegen sein. Träfen diese Prognosen ins Schwarze, wäre dies ein Aufatmen für den Konsumbereich wert ... gleichzeitig aber wieder Grund zur Sorge bezüglich zu stark steigender Löhne – und damit zu hohem Inflationsrisiko.
15:50 Uhr: Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für Dezember (endgültiger Wert)
Das Verbrauchervertrauen ist ein Indiz für die Konsumentwicklung in den USA. Wenngleich es sich hierbei nur um Meinungsumfragen handelt, ist deren Wirkung auf die Aktienmärkte dennoch nicht zu unterschätzen. Denn im Gegensatz zu den genaueren Einzelhandelsumsätzen sind diese Daten brandaktuell. Sie zeigen also mögliche Veränderungen im Konsumentenverhalten schnell an, während man bei den Einzelhandelsumsätzen nur Daten aus der Vergangenheit erhält. Für den Dezember wird hier ein gegenüber Vormonat ungefähr gehaltenes Niveau zwischen 90,2 und 90,7 erwartet.
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