Wesentliche Merkmale von Optionen III
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 2. Februar 2012, 20:45 Uhr
ENL5454
Und wieder ist es Optionsstrategien-Tag und also geht es in der Neueinsteigerserie weiter an der Stellen, an welcher wir am letzten Donnerstag aufgehört hatten. Sie mögen sich erinnern: ich hatte Ihnen ein ganz einfaches Beispiel vorgestellt.
Sehen wir uns dieses doch gleich noch einmal an:
Nehmen wir an der Basiswert sei Aktie A.
Der Strikepreis liegt bei 50 Euro.
Das Bezugsverhältnis liegt bei 1:1.
Die Laufzeit beträgt 1 Jahr.
Der Preis der Option beträgt 10 Euro.
Und Sie wollen einen Call erwerben.
Mit diesem fiktiven Beispiel wollen wir auch heute weiterarbeiten. Heute soll es darum gehen, anhand dieses Beispiels aufzuzeigen, warum eine Option überhaupt Sinn macht und einen höheren Gewinn einbringen kann als der reine Kauf des Underlyings.
Man könnte sich ja schließlich fragen, warum man nicht schlicht und ergreifend, wenn man von einem steigenden Kurs der Aktie A ausgeht, eben jene Aktie A einfach in sein Depot einbuchen lässt und wartet. Nun der Grund liegt an der Hebelwirkung die man mit dem Kauf einer Option erzielt.
Lassen Sie uns dies anhand des Beispiels einmal durchrechnen:
Gut, nehmen wir nun einmal an, der aktuelle Kurs der Aktie A notiert bei 55 Euro. Sie kaufen Aktie A, nach einer gewissen Zeit bestätigt sich ihre Erwartung: Aktie A steigt auf 70 Euro. Sie haben damit einen Kursgewinn von 15 Euro erzielt oder einen Gewinn von 27,27 %.
Und nun das ganze mit Option:
Nehmen wir die oben genannten Daten: also Preis des Optionsscheins bei 10 Euro, Strike bei 50 Euro, Bezugsverhältnis 1:1.
Was passiert nun, wenn der Kurs der Aktie A auf 70 Euro steigt?
Nun, wenn Sie die Option ausüben, also die Aktie A zum Strike-Preis von 50 Euro beziehen und hernach die Aktie verkaufen würden, erzielten Sie aus dieser Transaktion einen Gewinn von 20 Euro.
Damit hat die Option also einen (inneren - dazu kommen wir später noch im Verlauf der Reihe) Wert von 20 Euro.
Rechnen wir das nun einmal aus: Bei einem Gewinn von 20 Euro aus dem Verkauf der Aktie bei 70 Euro (die Sie vom Stillhalter zu 50 Euro bezogen haben), abzüglich der 10 Euro, die Sie die Option gekostet hat, haben Sie nun einen tatsächlichen Gewinn von 10 Euro erzielt.
Und das ist wie Sie nun unschwer erkennen können, bereits einen Gewinn von 100 %.
Sie sehen also, hier steht ein Gewinnpotenzial von 27,27 % beim reinen Aktienkauf einem Gewinnpotenzial von 100 % beim Kauf des Optionsscheins gegenüber.
Auf der anderen Seite, wollen wir nun die Überlegung anstellen, was bei einem unerwarteten Verlust passiert:
Nehmen wir an der Kurs der Aktie A fällt unerwartet auf 25 Euro. Damit haben Sie beim Kauf der Aktie A zu 55 Euro nun einen Verlust von 30 Euro hinnehmen müssen. Die Option hingegen verfällt bei diesem Szenario "am Ausübungstag" einfach wertlos: sprich, der Verlust beträgt die als Optionsprämie einbezahlten 10 Euro.
Gut, Sie sehen also, es ist die Hebelwirkung die vornehmlich den Reiz ausmacht. Aber, wie Sie ebenfalls wissen, Hebel funktionieren immer in beide Richtungen. Betrachten Sie nur einmal die Option eigenständig: in unserem Fantasie-Gewinnszenario ergibt sich zwar ein Gewinn von 100%, aber in unserem Verlust-Szenario eben auch ein Totalverlust der eingesetzten Prämie. (na ja, ein Totalverlust kann allerdings mit Aktien auch passieren).
So viel für heute...im 2.Teil geht es mit den Double Diagonal Spreads weiter.
Zum zweiten Teil von: Double-Diagonal-Spreads Repetitorium IV