Wertlose Analystentipps
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 20. Mai 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
immer wieder schrieb ich Ihnen schon darüber, wie schlecht die meisten Fondsmanager wirklich abschneiden und dass es - gemessen an diesen Ergebnissen - Geldverschwendung nahe kommt, der Fondsindustrie das eigene Geld zu übergeben (von den weiteren Interessenkonflikten der Fondsindustrie gar nicht zu sprechen).
Auch mein Kollege Herr Basenese informierte Sie bereits darüber, wie falsch die Mehrheit der Analysten z. B. hinsichtlich der Wirtschaftskrise lag.
Kürzlich legte nun auch die Online-Ausgabe der Zeitung "Die Welt" eine interessante Auswertung vor (Titel des Artikels "Wer auf Analysten hört, verliert häufig sein Geld"). In dem Bericht heißt es u.a.:
Der Berufsstand der Analysten droht seinen letzten Kredit zu verspielen. Eine aktuelle WELT-ONLINE-Auswertung zeigt, dass Anleger an der Börse besser fahren, wenn sie genau das Gegenteil von dem tun, was die Profis raten.
Ich kann es nur immer wieder betonen: Vergessen Sie die offiziellen Aktieneinschätzungen der Analysten, denn diese sind meist völlig nutzlos (im Schnitt sind i.d.R. mehr als 85% der Empfehlungen positiv bis stark positiv... Das sagt eigentlich schon alles). Natürlich mag es auch hier die ein oder andere Ausnahme geben, aber der Großteil solcher Empfehlungen taugt nichts oder dient gar dazu, Sie als Anleger gezielt zum Vorteil bestimmter institutioneller Anleger zu manipulieren und in die Irre zu führen (Erinnern Sie sich nur an die "Spitzer-Ermittlungen" 2002 in den USA zurück, dann dürfte Ihnen klar sein, was ich meine).
Sie müssen dennoch nicht auf fundamentale Informationen verzichten
Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, dennoch an objektive fundamentale Analysen zu kommen. Eine Möglichkeit sind natürlich die Börsenbriefe des Verlags, denn diese finanzieren sich ausschließlich durch Abonnement-Gebühren. Anderweitige Finanzierung wie etwa durch Fremdmittel findet nicht statt und ist strikt untersagt.
Darüber hinaus gibt es natürlich auch weitere unabhängige Research-Quellen, die kostenpflichtig abonniert werden können. Oftmals handelt es sich hierbei um Spezialistenteams, die sich auf bestimmte Branchen beschränken oder um kommerzielle Dienstleister, welche institutionelle Anleger bedienen.
Solche Dinge sind meist relativ kostspielig, aber oftmals lassen sich verschiedene Informationen auch im Internet selbst zusammensuchen, wenn Sie eine bestimmte Aktie auswerten möchten.
Unabhängigkeit und eigener Einsatz zahlen sich hier weit mehr aus als das Vertrauen in mindestens fragwürdige, "offizielle" Analysten-Ratings.
Beste Grüße
Alexander Hahn