Werden steigende Ölpreise die wirtschaftliche Erholung abwürgen?
Matthew Weinschenk (US-Korrespondent) in Investoren Wissen zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 4. Mai 2010, 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
„Öl könnte der wirtschaftlichen Erholung des Todesstoß versetzen“
So lautete erst kürzlich eine Überschrift der Financial Times. Im besagten Artikel wurde die Befürchtung geäußert, dass höhere Ölpreise eine "Douple-Dip"-Rezession auslösen könnten.
Was für einen Unterschied doch 12 Monate machen. Es ist kaum ein Jahr her, als die ökonomischen Gelehrten behaupteten, dass die Wirtschaft sich aufgrund der fallenden Ölpreise nicht erholen könnte.
Wollen wir nun hohe oder niedrige Ölpreise? Beide haben ihre Vor- und Nachteile...
Höhere Ölpreise sind früheren Rezessionen immer vorausgegangen... Wird sich die Geschichte mit einem Ölpreis bei $100 wiederholen?
Wenn die Ölnachfrage und der Konsum hoch sind, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaft boomt. Dies führt zu steigenden Ölpreisen.
Aber wenn die Preise zu schnell zu hoch steigen, kommen die Konsumenten unter Druck und ihre Ausgaben verringern sich. Wir haben diesen Sachverhalt schon des öfteren beobachtet - 10 der vergangenen 11 Rezessionen begannen nach steigenden Ölpreisen.
Der untere Chart zeigt die Effekte eines steigenden Ölpreises auf die Wirtschaft. Die grau markierten Zone repräsentieren verschiedene Rezessionen.
Wo stehen wir heute?
In den letzten 12 Monaten sind die Ölpreise um über 55% gestiegen. Und der Preis für Benzin ist ebenfalls gestiegen.
Die meisten Investmenthäuser sehen den Ölpreis in diesem Jahr auf $100 pro Barrel steigen. Auch unser eigener Energie- und Infrastrukturexperte David Fessler sagt, dass der Ölpreis nur steigen kann.
Die Frage lautet also, ob die heutigen hohen Ölpreise unsere gerade anlaufende wirtschaftliche Erholung ersticken werden?
Drei Gründe, warum steigende Ölpreise der Erholung nichts anhaben werden
Die Befürchtung, dass die Wirtschaft aufgrund steigender Ölpreise Schaden nehmen könnte, beruht auf der Vermutung, dass wenn die Konsumenten mehr für Benzin ausgeben müssen, weniger Kaufkraft für den Rest der Wirtschaft übrig bleibt.
Ich nenne Ihnen jedoch 3 Gründe, warum steigende Ölpreise die wirtschaftliche Erholung nicht zu Fall bringen können...
Grund 1: Die Ölpreise sind noch nicht genug gestiegen, als dass sich dies auf die Konsumenten auswirken würde
Zu Zeit kaufen Amerikaner über 8 Milliarden Gallonen Benzin für ihre Automobile pro Monat. Wenn wir uns nun überlegen, dass die Benzinpreise seit letztem Jahr um beinahe $1 gestiegen sind, dann fehlen dadurch den Konsumenten 8 Milliarden Dollar.
Jedoch ist das verfügbare Einkommen im vierten Quartal 2009 auf $11 Billionen gestiegen. Erwarten Sie deshalb nicht, dass eine Steigerung der Benzinpreise um einen Dollar viel ausmacht.
Generell beginnen Autofahrer erst bei einem Benzinpreis von mehr als $3 pro Gallone damit, ihren Konsum einzuschränken. Wir haben also noch etwas Spielraum.
Und das führt mich zum zweiten Grund...
Grund 2: Die Konsumenten werden sich diesmal anders verhalten
Als die Öl- und Gaspreise in 2008 angestiegen sind, war die Geschwindigkeit des Anstiegs ein großer Schock für die Konsumenten.
Der heutige Anstieg ist hingegen langsam und stetig. Und deshalb haben die Konsumenten Zeit, ihr Verhalten zu ändern und sich auf die höheren Preis einzustellen - sei es nun durch den Kauf eines kraftstoffsparenden Fahrzeugs, den Umstieg auf öffentlichen Verkehrsmittel oder einfach durch das Einkalkulieren der höheren Kraftstoffpreise ins eigene Budget.
Und noch wichtiger ist, dass die Konsumenten nach dem vorhergehenden Anstieg der Öl- und Gaspreise auf Volatilität am Ölmarkt besser vorbereitet sind. Ich erwarte deshalb, dass die Nachfrage erst bei einem Gallonenpreis von $3.5 und nicht schon bei $3.0 wie beim letzten Mal zurückgehen wird.
Grund 3: Konsumenten haben bisher ihr Verhalten noch nicht verändert
Der untere Chart zeigt einen Schlüsselindikator, den „Öl- und Benzinpreis-Konsumenten-Verhaltensindex...“ und die Anzahl der mit den Fahrzeugen zurückgelegten Meilen.
Solange diese Zahl nicht unter das 5% Level fällt, brauchen wir uns keine Gedanken darüber zu machen, dass die wirtschaftliche Erholung abgewürgt wird.
Öl wird vom „ Big Money“ beobachtet... So können Sie sich einen Teil vom Kuchen abschneiden
Wie können wir von diesen Informationen, unabhängig von der Entwicklung der Aktienmärkte, profitieren?
Es ergibt sich eine sehr gute Chance für Ölunternehmen. Aufgrund steigender Ölpreise und Konsumenten, welche die Preissteigerungen schon eingeplant haben, haben die Ölfirmen schon fast eine Lizenz zum Gelddrucken (es ist natürlich nicht so, als dass es den Ölunternehmen in den letzten Jahrzehnten schlecht gegangen wäre).
Außerdem zeigt mein Zyklenmodell, dass Energieaktien im Begriff sind, den Gesamtmarkt outzuperformen.
Das beste wäre es, in die größten und diversifiziertesten Öl- und Ölserviceunternehmen zu investieren.
Zwei Qualitätsaktien sind Exxon Mobil (NYSE: XOM) und Schlumberger (NYSE: SLB).
Noch höhere Gewinne können Sie mit kleineren Ölunternehmen wir Lufkin Industries (Nasdaq: LUFK) einfahren. Mit einer Marktkapitalisierung vor gerade einmal $1,2 Milliarden (gegenüber $323 Milliarden bei Exxon Mobil und $81,50 Miliarden bei Schlumberger), bietet Lufkin Ölpumpanlagen und anderes Zubehör an und verzeichnete damit in den letzten 5 Jahren zweitstellige Wachstumsraten. Das Unternehmen hat auch gerade erst den erwarteten Quartalsgewinn übertroffen.
Machen Sie sich also über höhere Ölpreise und deren negative Auswirkung auf die wirtschaftliche Erholung keine Sorgen... zumindest jetzt noch nicht. Bleiben Sie ruhig, wir halten Sie auf dem Laufenden, wenn sich etwas ändern sollte.
Mit besten Grüßen
Matthew Weinschenk



