Werden die Amis den Dax entdecken?
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 10. Januar 2005 18:00 Uhr
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10.01.2005 13.00 Uhr Köln: Frühlingsanfang ...
Ich habe gerade mit einer Sommerjacke eine halbe Stunde bei über 15,5 Grad (Innenstadt) draußen in der Sonne gesessen und nicht eine Sekunde gefroren. Wenn das ein Winter sein soll, was wird dann wohl mit dem Sommer werden? Mir kann keiner erzählen, dass das noch alles normal ist ...
Dieses Gefühl lässt sich auch auf die Börse übertragen: Was aktuell mit dem Euro passiert, ist auch nicht mehr normal. 6 Cent hat der Euro seit Ende letzten Jahres verloren! 6 Cent in elf Handelstagen. Ich hoffe, nun glauben Sie mir, dass hier das vagabundierende Geld der Hedgefonds und Zocker sein Übriges getan hat, den Dollar vorher in die Knie zu drücken.
Und das Geld wird sich, nachdem es den Ölpreis explodieren und danach den Dollar einbrechen ließ, den es wahrscheinlich gerade sogar wieder stützt, bald auf einen neuen Markt stürzen. Eine neue Sau wird durch das Dorf getrieben werden. Noch habe ich diese Sau nicht ausfindig machen können.
Vielleicht werden sogar dem Dax bald kleine Schweineöhrchen wachsen. Schließlich gehen die meisten amerikanischen Analysten davon aus, dass der Dollar langfristig weiter fällt und dann sind Investitionen in Europa eine gute Möglichkeit seine Dollar in Sicherheit zu bringen.
Einige von Ihnen erinnern sich sicherlich noch an meinen Vergleich von den Haien und der Börse: Fragen Sie sich, was Sie als ein Investor, der über die nötigen Peanuts verfügt, die Märkte zu bewegen, machen würden, um einen größtmöglichen Profit zu erzielen. Stellen Sie sich vor, Sie seien einer der Haie und handeln Sie dann auch so. (Noch einmal der Hinweis, um Diskussionen zu vermeiden: Ich weiß nicht, ob es wirklich Menschen gibt, welche die Börse so beeinflussen können und das auch tun. Das ist mir auch vollkommen egal, denn es ist unerheblich. Wichtig ist nur, dass diese Denkweise funktioniert!)
Wäre ich Manager eines großen und finanzkräftigen amerikanischen Fonds, hätte ich aktuell eine glänzende Investmentidee: Erst einmal haue ich auf den Euro, bis es schmerzt. Wenn der Euro zum Dollar am Boden liegt und die Masse der Investoren endlich von einer wunderbaren Wiederauferstehung des zwischenzeitlich tot geglaubten Dollars ausgeht, würde ich mir von diesen Investoren meine Devisenpositionen abkaufen lassen. Dieses Geld würde ich unmerklich aus dem Euro/Dollar abziehen und ebenso unmerklich in europäische Aktien investieren. So könnte ich direkt auf zweierlei Art und Weise profitieren: Auf der einen Seite von steigenden Märkten (sofern ich davon ausgehe) und zusätzlich auch noch von den Währungseffekten, die ich selber verursache. Denn schließlich wird der Dollar, sobald ich das Geld abziehe, fallen wie eine zu heiße Kartoffel, die eigentlich nie heiß genug war, um sich daran zu verbrennen.
Meinen Sie nicht auch, dass das eine verdammt gute Idee wäre? Na, schauen wir einmal, ob sich in nächster Zeit noch weitere Anzeichen finden lassen, die diese merkwürdige Idee bestätigen – zurzeit ist es, wie gesagt, nur eine Idee ...
6 Cent in elf Handelstagen, das hört sich im ersten Moment vielleicht wenig an. Ich will Ihnen diese Illusion einmal nehmen und Ihnen ein wenig das Ausmaß dieser Bewegung verdeutlichen. Im Devisenhandel, werden die meisten Währungen gerne bis auf vier Stellen hinter dem Komma berechnet, so auch beim Euro/Dollarverhältnis. Aktueller Euro Futurstand: 1,3115 Dollar. Die letzte Stelle wird auch Pip genannt, wahrscheinlich weil sie so "klein" ist.
Wenn Sie den Euro/Dollar handeln, dann traden Sie lediglich auf die letzte Stelle, also auf einen Pip. Steigt ihr Future-Long-Kontrakt, dann verdienen Sie je Pip 12,5 Dollar.
Um einen Kontrakt handeln zu dürfen, müssen Sie lediglich 1143,50 Euro Margin hinterlegen! Mit gerade einmal 11.435 Euro können Sie somit 10 Kontrakte kaufen. Mit 10 Kontrakten können Sie je Pip bereits 125 Euro verdienen.
6 Cent sind 600 Pips. Multiplizieren Sie diese mit den 125 Euro, konnten Sie in den letzten elf Handelstagen, mit lediglich 11.435 Euro Einsatz, 75.000 Euro verdienen. Wenn Sie also richtig gelegen hätten, hätten Sie Ihren Einsatz in nur elf Tagen versechsfacht. Aber Sie und ich wissen: "Hätte" ist die reichste Börsenfamilie der Welt und wohnt direkt neben "Hätte ich doch besser nicht", die auf dem Nachbargrundstück in einer ziemlichen Bruchbude haust.
Sie werden nun sicherlich zum Schluss noch von mir wissen wollen, ob es jetzt schon soweit ist, ob nun der Boden im Euro bereits erreicht wurde. Hier muss ich einmal mehr die immer wieder erstaunlich zutreffende Aussage bemühen, die Sie als geneigter Investor's Daily Leser schon zur Genüge kennen: Der erste Boden ist nur ganz selten der richtige. Gerade bildet sich im Euro so etwas wie der erste Boden. Es ist demnach noch nicht davon auszugehen, dass es der eigentliche Boden sein wird. Wir werden noch tiefere Kurse sehen.
Und zum Schluss: Diese Woche beginnt wieder einmal die Berichtsaison für das vierte Quartal 2004. Die Ergebnisse werden nach meinen Informationen teilweise am unteren Ende der Erwartungen liegen. Besonders das Weihnachtsgeschäft in den USA scheint nicht wie gewünscht gelaufen zu sein. Wichtiger wird jedoch, wie immer, der Ausblick der einzelnen Unternehmen auf die nächsten Quartale und 2005.