Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom 26. September 2011, 20:30 Uhr
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"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!" - ich weiß, Michail Gorbatschow hat diesen Satz öffentlich so nie gesagt. Doch ich habe diesen Satz sehr oft gehört - er ist nämlich eines der Lieblingszitate meines Opas. Allerdings in der Bedeutung der Worte, welche Gorbatschow tatsächlich öffentlich geäußert hat: "Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren!" Oder in der freien Interpretation der "Kraus'schen Familie": "Bleib wachsam, erkenne die Realität und handle entsprechend!".
Warum ich Ihnen davon erzähle? Nun, vor allem deshalb, weil ich mir wünschen würde, die europäischen Politiker hätten ebenfalls von Gorbatschow und meinem Opa lernen dürfen. Dann wüssten sie jetzt vielleicht auch, dass die Realität sie inzwischen schon längst überholt hat.
EFSF ist schon längst "out"
Politik ist ein schnelllebiges Geschäft - offenbar zu schnell für unsere Politiker, die sich mit ihren Handlungen so viel Zeit lassen, dass sie den Euro vermutlich erst dann aufgeben, wenn der Kollaps der Eurozone bereits sein 10-jähriges Jubiläum feiert. ;-)
Nein ganz im Ernst, wie realitätsfern muss man eigentlich sein, um zu bemerken, dass die Themen, welche man zur Lösung der größten Krise seit Bestehen der Eurozone anbietet, bereits so ein alter Hut sind, dass im Höchstfall noch der eine oder andere gewillt ist, zu gähnen?
Angie versucht uns damit zu beruhigen, dass Bundestag und Bundesrat am Donnerstag und Freitag auf jeden Fall für die Ausweitung des EFSF stimmen werden. Toll! Abgesehen davon, dass wir von dieser Ausweitung bereits seit Juli wissen, reichen auch insgesamt 750 Milliarden Euro nicht aus, um die halbe Eurozone zu "retten". (wobei das Wort "retten" sowieso das falsche Wort ist, denn die ständigen Transferzahlungen verändern die grundlegenden Probleme der angeschlagenen Volkswirtschaften auch nicht...). Oder anders gesagt: auch wenn Deutschlands Volksvertreter diese Woche für die Ausweitung stimmen, rettet das die Eurozone noch lange nicht....
Ich fühle mich auch nicht sonderlich beruhigt, wenn die Kanzlerin andeutet, dass man über Griechenland ja nochmal nachdenken könnte, falls die Troika den Griechen bescheinigen sollte, dass sie es nicht schaffen werden. Da frage ich mich, warum man nicht jetzt schon darüber nachdenkt, denn augenscheinlich schaffen sie es ja nicht. Aber vermutlich wird die Troika dann doch nicht so destruktiv vorgehen und uns stattdessen versichern: die schaffen's schon noch!
Und dann der ESM, dieses ach so großartige, dauerhafte und vollkommen visionäre Vehikel. Mit dem, so die Kanzlerin, können wir dann ja endlich ein paar Staaten pleite gehen lassen. Allerdings ist der ESM noch weit entfernt von der Realität - ab 2013 soll er kommen heißt es, aber drüber reden, will man dann doch erst nächstes Jahr. Bei dem Tempo, das unsere Politiker einschlagen, würde ich im Moment also noch nicht so früh mit dem Super-Duper-Hyper-Rettungsfonds rechnen.
Na ja, der springende Punkt ist: weder das Gequatsche vom ESM, noch die fröhliche Abstimmung über den EFSF ändern irgend etwas. Und leider wissen das auch die Märkte...die sind nämlich, wie meistens, unseren Politikern schon 2 Schritte voraus.
Weiter geht's im 2.Teil...
Zum zweiten Teil von: Auch das stärkste Kettenglied kann brechenähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von mueller (27.09. 2011 00:46 Uhr):
Liebe Frau Kraus , bei der angekündigten Aussicht auf das 10-jährige Jubiläum hab ich doch laut lachen müssen ! Aber mit dem Kettenglied seh ich das anders : was Sie sagen stimmt nur in dem Sonderfall einer eingliedrigen Kette , ansonsten war immer das Glied , das zuerst bricht , das schwächere und danach ist die Kette futsch . Bedenklich allerdings , wenn die Ankerkette bricht , dann säuft die ganze Kette ab :-( und der Kahn wird zum Treibgut ... Wie heissts so schön : der Fall ist hoffnungslos , aber ned ernst :-) Herzliche Grüsse, A.Müller
Antworten - Kommentar von Tino Nothelfer (27.09. 2011 01:07 Uhr):
Sehr geehrte Frau Kraus, wir können die Einführung des Euro nicht rückgängig machen. Wir können nicht einmal die Herren Kohl und Waigel zur Rechenschaft ziehen. Ganz sicher aber wird wenigstens der gerechte Gott den streng gläubigen Schwob aus der Gegend von Krumbach in die Hölle schicken. Zu Griechenland folgendes: Hätte man sofort die vereinbarten Stabilitätskriterien ganz cool angewendet, so wäre dieser Sonnenstaat heute schon ganz offiziell bankrott. Mit der Folge, daß die bösen Märkte wie begossene Pudel dagestanden wären. Und der Euro wäre GESTÄRKT aus dieser Situation gekommen. Das war schon vor 1 Jahr meine zwingende Folgerung, die gestern auch Jim Rogers ganz genauso in einem Interview beim Sender DAF vertreten hat. Warum nur wurde von unseren Politikern diese starke Lösung nie diskutiert? Stattdessen lassen sie sich von den "Märkten" durchs Dorf treiben wie die Gänse von der Gänseliesl. Und die Desinformation der Politik und ihrer Medien steht heutzutage wieder in gleicher Blüte wie zur Einführung des Euro. Viele Grüße aus dem kleinen Nicht-EU-Land im Süden: Tino Nothelfer
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