Wer will heute noch einen Kredit?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 23. Januar 2008 07:30 Uhr
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Ende der vergangenen Woche fingen die Bären an, ihre Krallen zu benutzen. Der Dow ist Ende der Woche um 306 Punkte gefallen. Es gab nur noch 12 Aktien die neue Höchstwerte verbuchten, gegenüber 397, die Tiefstwerte erreichten.
Der Kampf zwischen der Inflation und der Deflation ähnelt zunehmend der Corrida de Toros, die ich in Madrid gesehen habe. Das soll heißen, dass es so aussieht wie eine Schlacht zwischen gleichstarken und gegensätzlichen Gegnern. Es scheint fast so, als wäre es eine verfahrene Situation.
Der inflationäre Bulle kommt schnaufend heraus und scharrt auf dem Boden. Er schießt mit voller Geschwindigkeit hervor und sieht so aus, als wolle er die Wände des Stadions herunterreißen. Er wirkt unaufhaltsam. Aber der Picador verteidigt seinen Standort und jagt einen Speer in den Rücken des Bullen. Und dann machen sich die Banderilleros an die Arbeit… sie stechen ihn mit ihren Spitzen. Der Bulle wird schwächer. Das Leben blutet aus ihm heraus.
Der Bulle kann nicht gewinnen. Nicht bei einem Stierkampf. Gelegentlich spießt er einen der Banderilleros auf, aber der kluge Investor setzt auf den Matador.
Ende der Woche erreichte uns die Nachricht, dass Merrill Lynch doppelt so viel Geld verloren hat, wie prognostiziert… Lehman Bros. mussten 1.300 Leute in der Hypothekenabteilung entlassen… und die Bauanträge sind auf dem geringsten Niveau seit 1991.
Dieser letzte Beitrag ist eine wirklich gute Nachricht, doch die Investoren sehen das anders. Der Bärenmarkt bei Immobilien kann nicht enden, ehe die Zahl der Neubauten zurückgeht. Bislang haben die Bauunternehmer Häuser hochgezogen, die schon in Arbeit waren, als die Krise zugeschlagen hat. Diese Häuser wurden ganz einfach zu den Beständen hinzugefügt, die ausverkauft werden müssen, ehe sich die Preise wieder stabilisieren können. Das wird ein langer Prozess werden.
Es gibt zwei Millionen Hausbesitzer, denen Hypothekenanstiege in den nächsten beiden Jahren bevorstehen. Ihre Häuser sind bereits um 5 bis 10% im Wert gefallen. Das Büro für Arbeitsstatistik fügt hinzu, dass die Einkünfte der amerikanischen Arbeiter, einst durch die steigenden Preise diskontiert, zwischen Dezember 2006 und Dezember 2007 um 0,9% sanken. Bei der derzeit steigenden Arbeitslosigkeit… werden viele von ihnen nicht in der Lage sein, sich finanziell schadlos zu halten.
Das Verhältnis zwischen unverkauften, leer stehenden Häusern zu Häusern im Vermietungssektor ist um 40% höher als noch vor 20 Jahren. Und aus der Bay Area in Kalifornien heißt es, dass die Verkaufszahlen auf dem geringsten Niveau in zwanzig Jahren liegen.
Es kommt noch schlimmer. Die Business Week warnt vor einer “bevorstehenden Krise bei den Krediten auf den Eigenkapitalanteil von Wohnhäusern“. Die Leute haben nicht nur Geld geliehen, um Häuser kaufen zu können… sie haben auch ihre Häuser belastet, um etwas anderes kaufen zu können.
Heute heißt es, dass es bei diesen Krediten mit einem Wert von 14,7 Milliarden Dollar zu Zahlungsverzügen kommt. Die Zahl der nicht zurückgezahlten Kredite ist bei einigen Kreditgebern zwischen 2006 und 2007 um 130% gestiegen. Insgesamt ist es ein 850-Milliarden-Dollar-Geschäft… und viel davon wird nicht bezahlt werden.
Selbst reiche Hausbesitzer stecken in Schwierigkeiten, fügt ein Artikel von Reuters hinzu. Gehobene Wohngegenden mit Häusern, die eine Million Dollar und mehr kosten, fangen an ein bisschen öde zu wirken, heißt es im Bericht. Der Zulauf neuer Käufer… und der Anstieg der Hauspreise… haben die Hausbesitzer der Mittelschicht in Häuser gelockt, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten.
Sie haben sich bei der Finanzierung übernommen, um in den Genuss eines prestigevolleren Hauses zu kommen… und gehofft, dass sich der Preisanstieg ordentlich auszahlen würde. Das ist nicht geschehen. Heute stecken sie wirklich in der Klemme… und für viele hat das Gummiband schon zurückgeschnappt.
Nichts davon lässt auf steigende Preise hoffen… nicht bei den Hauspreisen und auch nicht bei den Aktien.
Was ist schief gelaufen? Sind die Verantwortlichen nicht zur Tat geschritten? Hat Ben Bernanke die Helikopter nicht schon warmlaufen lassen, so dass er das Geld auf die Leute abwerfen kann, die es brauchen?
Am Donnerstag hat Ben Bernanke, der einstige Vorsitzende des Princeton Economics Department und heute der Vorsitzende der größten Zentralbank der Welt – der U.S. Federal Reserve – erklärt, dass die Geldpolitik nicht weit genug ging.
Hier wurde schon darauf verwiesen, dass die Erträge auf Anleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit geringer sind, als die Verbraucherpreisinflation (oder zumindest nah dran). Das bedeutet, dass die begünstigten Kreditnehmer ihr Geld zu sehr begrüßenswerten Bedingungen erhalten – es ist praktisch umsonst.
Aber wer will heute noch Geld leihen? Was wollen sie mit dem Geld? Aktien kaufen? Durchschnittliche Aktienportfolios sind in diesem Jahr bislang um 5% gefallen. Wer will davon etwas abhaben? Man könnte vielleicht auch Immobilien kaufen?
Vergessen Sie es, nicht viele Spekulanten haben ein Interesse daran, heute zu kaufen. Vielleicht will man das Geld auch haben, um sein Geschäft zu vergrößern?
Aber wer expandiert schon vor einer Rezession? Nur die Leihhäuser.
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