Wer weiß, wozu es gut ist
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Value Analyse
vom 10. März 2010, 12:00 Uhr
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*** Bin gerade weiter gesundheitlich angegriffen, noch keine Verbesserung. Da mache ich es mir einfach und stelle heute im Trader´s Daily einen älteren Text ein, der „zeitlos" ist und auch heute gut passt. Urteilen Sie selbst.
*** Letztens habe ich mir ein CNBC-Interview mit Warren Buffet angesehen.
Klasse, ein wirklich sympathischer Mensch! Mein Eindruck hat sich auch in diesem Interview bestätigt.
Sie wissen ja: Warren Buffett ist praktisch der erfolgreichste lebende Investor auf der Welt.
Zur Erinnerung: Er hat mit einigen Hundert Dollar begonnen, und hat es nach gut 60 Jahren auf 41 Milliarden Dollar geschafft.
Seine ersten Aktien kaufte er mit Alter von 11 Jahren. (Im Interview meinte er dazu, er sei eben ein Spätzünder gewesen.)
Seine Gewinne erzielte er übrigens völlig ohne Daytrading, und er kaufte auch nie ein Unternehmen, dessen Geschäftsfeld er nicht verstand. Unterbewertete Unternehmen dann zu kaufen, wenn deren Aktien verscherbelt werden - und dann warten, bis sich die Stimmung verbessert hat. Das war/ist seine Vorgehensweise. Dazu ist natürlich eine gute Fundamentalanalyse notwendig, darauf spezialisierte er sich.
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Wenn ich mir da unsere europäischen angeblichen Börsen-Gurus ansehe, dann weiß ich, wie die sich verhalten würden, wenn Sie mehrere Milliarden Gewinn machen würden: Sie würden einen auf dicke Hose machen.
Warren Buffett mag ich deshalb, weil er genau das nicht getan hat. Er lebt weiter in seinem Heimatstädtchen Omaha in Nebraska. In einem Standard-Einfamilienhaus. Trägt weiterhin eine Kassengestell-Brille und veranstaltet Hauptversammlungen seines Fonds in der lokalen Eisdiele, ohne Pomp.
Tja, und was hat er mit seinen 41 Milliarden Dollar gemacht? Davon spendet er 37 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke, die Übertragungen gehen gerade über die Bühne. Seine Kinder lässt er keineswegs in Luxus schwelgen: Laut eigener Aussage erhalten sie von ihm soviel Geld, dass sie tun können, was sie wollen - aber nicht soviel, dass sie überhaupt nichts mehr tun müssen.
(Kleiner Exkurs: Ich habe da am Wochenende mit einem amerikanischen Freund, Dave, drüber gesprochen. Er meinte zu mir: In den USA sei das eben so. Wenn jemand richtig erfolgreich sei, dann denke er an die Allgemeinheit und gebe der Gesellschaft einen Teil des Erfolgs weiter. Wenn er das nicht tun würde, würde das negativ auffallen und als unamerikanisch gelten.)
*** Achja, noch etwas.
Eine scheinbar negative Entwicklung im Leben kann sich als durchaus positiv erweisen.
(Dabei wende ich mich in Gedanken an die Trader´s Daily-Gemeinde, hebe den Zeigefinger und fände es passender, wenn mein Bart weiß wäre.)
Im Prinzip eine Binsenweisheit, aber ich merke an mir, dass ich das manchmal vergesse.
Wie komme ich darauf? Tja, Warren Buffett ist von der Harvard-Universität abgelehnt worden.
Sah für ihn damals sicher negativ aus, ein Rückschlag in seinem Leben.
Und was tat er dann? Statt auf die Uni zu gehen, tat er sich mit 7 Leuten zusammen und gründete einen Fonds. Buffetts Transaktionen waren mehr als erfolgreich, das Fondsvermögen wuchs schnell von 105.000 auf 23 Millionen Dollar. Und das war erst der Anfang....es ging in die Hunderte Millionen und Milliarden...
Und Buffett ging seinen Weg.
Das scheinbar negative Ereignis - Ablehnung durch die Uni - führte zu einer durchaus positiven Entwicklung seines Lebens.
Was wäre hingegen wohl passiert, wenn er damals von der Uni genommen worden wäre?
(Antwort: Ich müsste mir heute wahrscheinlich ein anderes Thema für den Trader´s Daily ausdenken, weil den Namen Warren Buffett wahrscheinlich niemand von uns kennen würde.)
Doch so etwas lässt sich natürlich erst im Nachhinein sehen!
An solche Geschichten denke ich, wenn mir etwas Negatives zustößt. Wer weiß, wozu das gut war!
Da erinnere ich mich gerade an einen Fernseh-Prediger, ein afrikanischer Hüne, den ich einmal im namibischen Fernsehen gesehen/gehört hatte. Der ging „richtig ab", war ganz amüsant, und später kam ich aber doch ins Grübeln. Er meinte sinngemäß: Wenn Sie derzeit glücklich verliebt sind und Sie vorher einmal von einer Frau verlassen worden sind, dann war dieses Verlassenwerden letztlich sogar etwas Gutes. Denn sonst wären Sie nicht in der neuen, glücklichen Beziehung.
Sein Rat deshalb: Zu der alten Beziehungstöterin gehen, und lauthals verkünden: „Thank you that you broke my heart - because now I found a REAL woman!"
(Gilt natürlich auch für Arbeitgeber.)
Also, vielleicht denken Sie an den heutigen Trader´s Daily - das nächste Mal, wenn Ihnen etwas scheinbar Negatives zustößt. (Bei mir war vor einigen Wochen der Fall.) Wer weiß, wozu es gut war...
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen, sonnigen Spätwinter-Tag,
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von HP Stutz (10.03. 2010 12:45 Uhr):
Guten Tag Herr Vaupel Zuerst einmal gute Besserung - erholen Sie sich schnell, damit wir Sie wieder gesund "geniessen" koennen. Ich habe eine Bitte oder einen Vorschlag. Finden Sie doch einen andern Namen fuer Daily-Gemeinde. Es toent fuer mich so sektiererisch - so Richtung "Pfingst-Gemeinde" oder "Bruder soundso-Gemeinde". Ihre Berichte sind so praxis bezogen und unkompliziert, dass diese "Gemeinde" einfach nicht dazu passt. Danke HP Stutz
Antworten - Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (10.03. 2010 14:14 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel! Wie immer, auch heute überzeugt mich Ihr Beitrag mit Ihren tiefen Humanität. Sehr oft im Leben sehen wir das Geld, was wir für eine Arbeitsleistung bekommen haben als unser eigenes Geld an, womit wir nach Herzenslust umgehen können. Nach meiner Auffassung ist das aber nicht so. Jeder ist verpflichtet, von dem erarbeiteten Geld auch etwas Gutes zu tun für jene, die vielleicht gar besser begabt sind, jedoch aus irgeneinem Grund doch nie die Möglichkeit dazu gehabt haben. Ich denke, dass jeder dazu verpfilchtet ist, dem anderen in Not geratenen Menschen zu helfen. Hilfe nicht nur als materielle Unterstützung, sondern auch mal ganz einfache Hilfe, wie einem kranken Menschen einzukaufen, denen Gesellschaft leisten, aufmuntern. Meiner Meinung nach gibt es auf der ganzen Welt keinen noch so armen Menschen, der auf irgeneiner Weise nicht helfen kann. Und auf dieser Weise würde eine viel glücklichere Gesellschaft entstehen, wo jeder sicher sein kann, dass ihr, oder ihm Hilfe geleistet wird vom Nachbarn, Bekannten usw. Ich wünsche Ihnen eine baldige und gute Genesung, mit freundlichen Grüßen:
Antworten - Kommentar von Ewald Lehrmann (10.03. 2010 16:12 Uhr):
"Selten ein Schaden ohne Nutzen" besagt ein altes Sprichwort !
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