Wer trägt die Schuld?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 24. Februar 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Meine Antwort:
Herr L. Vielen Dank für diese Kommentare!
Natürlich sind wir als Menschen immer bestrebt in solch einer Situation den oder die Schuldigen auszumachen und zu bestrafen. Die beiden gestern veröffentlichten Leser sprachen in diesem Zusammenhang auch gerade die US-Banken an, welche dem Mittelmeerstaat in der Vergangenheit eifrig dabei geholfen hatten die wahre Schuldenlage des Landes zu vertuschen.
Allerdings ist Griechenland natürlich nicht der einzige Staat, welcher die kreativen Köpfe der Investmentbanken für seine Geschäftchen genutzt hat (nutzt). Goldman Sachs (die aktuelle Bank am Pranger) und natürlich auch Griechenland verteidigen sich mit der Argumentation, dass die Verbriefung künftiger Einnahmen zum damaligen Zeitpunkt legal gewesen ist. Und, wirft man einen Blick auf weitere Staaten, so gewinnt diese Argumentation an Gewicht. Tatsächlich haben zwischen 1999 und 2002 allein europäische Staaten solche Verbriefungsgeschäfte im Wert von schätzungsweise 24 Milliarden Euro abgeschlossen.
Dies betrifft also natürlich nicht nur Griechenland - fast alle europäischen Länder (und im Übrigen nicht nur die Europäer) nutzen Banken um auf die eine oder andere Art und Weise an Geld zu kommen. Dies allerdings ist ein Bestandteil unseres weltweiten Finanzsystems.
Aber ich möchte nicht abschweifen: kommen wir noch einmal gezielt auf die Jahre 1999 bis 2002 zurück. In dieser Zeit ließen sich eine ganze Menge europäischer Staaten künftige Einnahmen verbriefen. Österreich und Finnland verbrieften zum Beispiel künftige Einnahmen aus Sozialwohnungen. Doch am aggressivsten - und das muss man nun mal sagen - gingen dabei Griechenland und Italien vor. Doch dann kam Eurostat auf den Plan. Der Behörde war das Gebaren (verständlicherweise) ein Dorn im Auge und so wurden die Regeln dahingehend verschärft, dass auch diese Einnahmen als Schulden gewertet wurden. Diese Geschäfte waren bis 2002 also tatsächlich völlig legal. Der springende Punkt in diesem Zusammenhang ist aber auch die Intensität mit der die Staaten diese Geschäfte durchgeführt haben. Hier gingen leider gerade die südeuropäischen Staaten wesentlich offensiver vor als die Nordeuropäer. Griechenland verbriefte beispielsweise sogar künftige Hilfszahlungen der EU.
Wer hat also Schuld?
Goldman Sachs? Nun, die Bank ist nicht die einzige Bank, die solche oder überhaupt Geschäfte mit Staaten macht. Und es sind auch nicht nur US-amerikanische Banken, deren Kreativität im Finanzgeschäft geschätzt wird. (Und, na ja, für moralisch vorausschauendes Denken sind Banker nicht gerade bekannt. Im Gegenteil: diejenigen die das Finanzsystem überhaupt verstehen, versuchen davon zu profitieren und den übrigen ist wohl kein Vorwurf zu machen.)
Die Staaten? Tja, das ist eine pauschale Aussage, bei der wir nicht vergessen sollten, dass jeder von uns Teil eines Staates ist.
Die Regierungen? Tja, Regierungen werden gebildet aus Politikern und in der Regel - ich muss das jetzt wirklich mal sagen - haben Politiker nur wenig bis keine Ahnung vom hochkomplizierten Finanzsystem. Aus diesem Grund greifen Sie auch auf die Banken zurück, wenn sie jemanden brauchen der ihnen dabei hilft ihre Schulden zu verwalten.
Wer trägt also die Schuld?
Das System? Tja, das System...das lustige an der Sache ist, dass ein System nie in Frage gestellt wird, solange es noch funktioniert. Das kommt immer erst hinterher, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Dabei ist es wenig verwunderlich, dass aus der Kreditmarktkrise nun so langsam die Staatenkrise geworden ist - das war abzusehen (lesen Sie dazu bitte meine Kommentare von 2008).
Dabei wäre es doch eigentlich ganz einfach: gib nie mehr Geld aus, als du dir leisten kannst! Leider haben die Griechen (unter anderen - und damit meine ich nicht nur Europäer) das nicht bedacht.
So long liebe Leser...dennoch hilft es jetzt nicht viel, einzig und allein nach den Schuldigen zu suchen (ob in den Banken oder innerhalb der früheren griechischen Regierung sei dahingestellt), denn es wird sowieso niemand zur Rechenschaft gezogen werden.... viel wichtiger ist die Frage wie es jetzt weitergeht...ebenso wie Sie liebe Leser, habe ich mir hierzu schon eine ganze Reihe Gedanken gemacht...also, keine Sorge, die Debatte geht weiter...doch die Schlussworte möchte ich heute Leser p. überlassen, der eine einfache, aber wohltuende Lösung gefunden hat:
Es gibt eine ganz einfache Lösung für die Einhaltung der vorgegeben Schuldenbegrenzung im Rahmen der EU: Für jedes Prozent Neuverschuldung eines Staates, das über 3% des Bruttoinlandsproduktes liegt, erhalten sowohl Minister als auch Landes- und Europaabgeordnete dieses Landes 10% Abzug bei den Diäten. Problem in Zukunft gelöst !
;-))) Lieber Leser, Herzlichen Dank für diesen erfrischenden Kommentar!
Bis morgen und liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Holger Lamberts (25.02. 2010 14:23 Uhr):
Hallo sehr verehrte Frau Miriam Kraus, zuerst einmal herzlichen Dank für die hohe Annerkennung, die sie meinen Lesebriefen in Ihrem redaktionellen Teil gegeben haben. Mit den Dieben in Griechenland und anderen Ländern meinte ich aber nicht nur Goldmann-Sachs. Letztere waren Hehler, die Diebe sehe ich nach meinem „Lawinenmodell“ in und bei den Regierungen. Schmiergelder werden aus der Staatskasse an die „Lieferanten“ und von diesem an "Empfänger“ bezahlt, welche sie dann im Kapitalmarkt auf die hohe Kante legen, auf eine hohe Kante auf der sie sich in einem hohen „Kapitalmarktgebirge“ wie Schneebretter sammeln. Der nationalen Wirtschaft geht dieses Geld aber ab und der Staat muß die Lücke mit Krediten schließen. Das ist einfach gesagt, warum muß er und wie wird er dazu veranlasst ?? Darüber könnte man Bücher schreiben und vermutlich sind auch schon viele geschrieben worden. (Ich habe Wirtschaft nur in der Praxis studiert und bin in der Literatur über Ludwig Erhards „Wohlstand für alle“ nicht hinaus gekommen.) Die Kredite nimmt der Staat am Kapitalmarkt auf, wo der „Empfänger“ schon auf Veranlagung wartet, womit die Rechnung fürs erste wieder stimmt. Die Schulden konnten Regierungen in protecktionistisch geschützten Märkten über eigene mit Steuern und Gebühren moderat gesteuerte Inflationen abtragen, bzw. bei den Sparern und kleinen Spekulanten abbuchen. Das Geld floss also aus der Staatskasse zu Lieferanten, von da unter dem Tisch über Berater und andere Empfänger in den Kapitalmarkt und dann von den Sparbüchern über den Kapitalmarkt zurück in die Staatskasse. Warum nenne ich das Lawinenmodell ? Seit den 90iger Jahren bremst der globalisierte Markt mit Angeboten aus Billiglohnländern die moderate Inflation; Der Schnee am Kapitalmarktgebirge schmilzt zu langsam und sammelt sich zu mächtigen Blasen die uns wie riesige Schneebretter mit einer Inflationslawine bedrohen. Wie das mit dieser Lawine weiter geht, warum die letzte Zinsanpassung des Herren Greespan nur eine Handgranate und die US-Immobilienkrise nur ein lokaler Abgang war, der nicht nach Europa hätte kommen müssen, will ich gern in weiteren Leserbriefen schreiben. In Griechenland wird jetzt der Zusammenhang zwischen Schmiergeld und Staatsschulden, der nach meinem Modell ganz selbstverständlich ist, so schön sichtbar, weil wir hier nach Vermögen und Wohlstand suchen können, die mit Staatskrediten auch finanziert werden können („Die Griechen“ aber sind arm !). Andersrum lässt sich mein Modell nicht verifizieren, weil sich die Spuren seiner Zusammenhänge am komplexen Kapitalmarkt verlieren. Auch würde die deutsche Regierung wohl kaum eine CD mit Schmiergeldflüssen kaufen. Das Bankgeheimnis wird nur für kleine Steuerzahler und Harz-4-Bezieher aufgehoben. Eins noch: Wer in Griechenland seinen Kindern eine begabungsgerechte Ausbildung mitgeben will, muß diese zu Wucherpreisen am Alternativmarkt kaufen, weil der Staat „kein Geld hat“ diese Leistung zu erbringen. Versorgungsengpässe, Alternativmärkte und Wucherpreise spielen eine wichtige Rolle in meinem "Lawinenmodell der Inflationen", und leider spielen da auch spekulativ gehortete Rohstoffe mit. In Galltür waren nur ein paar Gämsen notwendig um eine furchtbare Lawine loszutreten. Darüber aber morgen vielleicht mehr, wenn Sie wollen. Jetzt muß ich schnell an meine Arbeit. Liebe Grüße Holger Lamberts
Antworten - Kommentar von weidner (25.02. 2010 15:52 Uhr):
was regen wir uns über das ausland auf wenn es vor der eigenen tür nach verbrannter erde riecht?wer ist ein verbrechen? ist es ein verbrechen wenn der staat geld zu 0 % an die banken giebt und im anschluß unser staat das gleiche geld für 4% von den banken zurückerhält oder sind die handelnden die es wissen ,die verbrecher?hier wird das volk betrogen.hier bereichern sich offensichtlich doch nur bestimmte leute. unsere gewählten volksvertreter.auf zur nächsten wahl! legitimiert sie weiter ( ironie )
Antworten - Kommentar von lothar meckel (25.02. 2010 17:38 Uhr):
zu ihrem artikel - ist das system schuld?- ja, ja, ja, genau das ist schuld. wir können griechen, italienern, u.a. keinen vorwurf machen. demokratie ist die freie, wichtige, kreative staatsform unserer zeit. sind aber nicht einige elemente daraus veraltet, haben gravierende fehler, nachteile? weshalb werden vor wahlen wohltaten verantwortungslos an die wähler verteilt? wer zahlt die zeche nach den wahlen? das ist die achillesferse in unserer westlichen welt. und nehmen wir jetzt unser beispiel griechenland, auch hier haben alle parteien, auch die jetzt regierende, seit langen jahren, übermäßig schuldenmachend,hier jedoch mit krimineller energie, dem wählervolk aus dem schon leeren topf gegeben, auch die gewerkschaften durch geschenke beruhigt, das fell der griechen, ihre haut verkauft. heute sind sie finanziell entkleidet, nackt, frierend, finanziell am abgrund stehen sie in unserem europa. das ist die bittere realität. weshalb können wir in der westlichen welt nicht von einem management von den fähigsten eines landes vernatwortungsvoll, nach den realen wirtschaftlichen verhältnissen unseres landes regiert werden? in modernen , erfolgreichen wirtschaftunternehmen funktioniert dies in hervorragnder weise. weshalb brauchen wir parteien, lobbyisten??? ich glaube hier liegt der keim für eine erneuerbare, moderne demokratie. nicht parteien, nein, fachleute, steuermänner/frauen, die bestens des landes, sollten es sein. in diesem sinne kann jeder seine eigenen gedanken weiterentwickeln. mfg lothar meckel
Antworten - Kommentar von Das Wachauge (26.02. 2010 14:13 Uhr):
Ja, liebe Miriam Kraus, wer die Schuld an den noch uns bevorstehenden Staatspleiten hat, sind einzig und allein die weltweit korrupten Politiker und Bänker. Wir wählen sie, weil sie vorher viele als unmöglich einzuhaltende Versprechungen abgeben,zugunsten der Bürger arbeiten zu wollen. Zitat eines Politikers: "Du musst nur möglichst viel versprechen, aber nicht einhalten". Und keiner dieser kriminellen Politiker und Bänker, die das ganze Schlamassel verursacht haben, gerät je hinter Gitter, aber wehe, wenn ich ein BRötchen stehle und dabei erwischt werde..... Nur ein Beispiel: Der franz. Präsident, bevor er gewählt wurde half den Franzosen, das Geld in Auslandbanken zu verstecken und heute jagt er dieselben. Welch hinterhältiger Mensch!!!! Leider sind wir einfache Bürger dem totalitären System chancenlos ausgeliefert. Wieso darf sich ein Staat erlauben, derart Schulden anzuhäufen und ich als Privatperson werde verfolgt und hinter Gitter gebracht, wenn ich das Gleiche tue. Es scheint, dass Politiker und Bänker nicht Normalsterbliche sind wie Du und Ich. Also bleibt mir nur noch die Hoffnung auf Gottes Regierung, denn wir beten ja: "Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf Erden..." Und was zur Zeit auf Erden geschieht, ist bestimmt nicht Gottes Wille, eher Satans Wille!!
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