Wer soll eine neue Rezession verhindern, wenn keiner konsumiert?
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 3. August 2011, 13:00 Uhr
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die USA scheinen die Staatspleite abgewendet zu haben. Nach dem Abgeordnetenhaus billigte am Dienstag auch der US-Senat den Schuldenkompromiss von Demokraten und Republikanern. Die Einigung sieht vor, den Schuldenberg in den kommenden zehn Jahren in mehreren Stufen um insgesamt etwa 2.400 Mrd. USD abzubauen. Die Schuldenobergrenze von derzeit 14.300 Mrd. Dollar soll so weit angehoben werden, dass die USA durch das Jahr 2012 kommen.
Schuldenkompromiss löst Freudensprung aus...
An den Börsen löste dies zunächst Freudensprünge aus. So konnte der DAX am Montag gleich zur Börseneröffnung auf ca. 7.280 Punkte ansteigen, nachdem er am Freitag noch bei knapp 7.060 Zählern sein Tagestief erreichte und bei 7.131 schloss.
Dies freut mich besonders, da ich Ihnen zuvor ja sowohl bei der Analyse des EuroStoxx als auch bei der Analyse des DAX (bei einem Punktestand von 7.100) zu Long-Positionen geraten hatte im Hinblick auf die Einigung. Letztlich schaffte es der DAX ja dann auch bis auf 7.280 Zähler.
... doch die Party hielt nicht lange an
Doch die Party hielt nicht lange an. Bereits bis zum frühen Nachmittag hatte der DAX schon wieder ca. 90 Punkte vom Tageshoch verloren und gegen 15 Uhr war denn endgültig die Luft raus. Eine Stunde später waren erneut 100 Punkte verloren und als um 16 Uhr die Zahlen zum ISM Index des verarbeitenden Gewerbes (ISM Manufacturing Index) in den USA veröffentlicht wurden, nahmen die Kursverluste crashartige Züge an. Im Tief bei 6.845 beliefen sich die Kursverluste vom Tageshoch aus gesehen auf 435 Punkte bzw. über 6%.
Grund: Abschwächung der Weltwirtschaft durch massive Ausgabenkürzung?
Eine richtige Erklärung habe ich dafür nicht, aber der DAX erscheint nun natürlich extrem angeschlagen. Da aber auch der Ölpreis nach anfänglich hohen Kursgewinnen deutlich abgeben musste, erwarten die Anleger wohl eine deutliche Abschwächung der Weltwirtschaft, wenn die amerikanische Regierung beginnt, ihre Ausgaben massiv zu kürzen.
Auch die Verbraucher kürzen ihre Ausgaben
Dazu passten dann auch die gestrigen Zahlen zu den Ausgaben der Verbraucher. Erstmals seit zwei Jahren gingen im Juni die Ausgaben der Verbraucher zurück. Die Amerikaner gaben 0,2 Prozent weniger aus.
Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.
Die Einkommen stiegen im Juni lediglich um 0,1 Prozent.
Wer soll eine neue Rezession verhindern, wenn keiner konsumiert?
Das passt natürlich wunderbar zusammen. Wenn der Staat Ausgaben in Billionenhöhe kürzen will und der Verbraucher ebenfalls seine Konsumlust verliert, wie soll dann eine erneute Rezession in den USA noch abgewendet werden?!
Das dachten sich wohl auch die Anleger am Dienstag und schickten den DAX vom Eröffnungskurs gesehen um weitere 280 Punkte Richtung Süden bis auf 6.700 Zähler. Damit beläuft sich der Kursverlust der ersten zwei Tage dieser Woche auf 6 %.